Musikalische Rundreise, Teil 2

Nach einer erholsamen Nacht und leckerem Frühstück im, mit sehr viel Liebe und künstlerischem Geschmack eingerichteten Hotel (hier ist übrigens die Hausherrin noch selbst für ihre Gäste da und gern auch zu einem netten Plausch bereit), machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zu unserem nächsten Etappenziel. Besuch bei Freunden mit Grillabend. Ich freu mich drauf!

Unser Weg führt uns in Richtung Süden, in die Nähe von Chemnitz. Da wir noch Zeit haben und mit offenen Augen durchs Land ziehen, entdecken wir auf unserem Weg ein paar, teilweise sehr gut wiederhergestellte Baudenkmäler am Rande der Straße. Eine ehemalige Zeche mit Nebengebäuden. Immer wieder wert, etwas näher zu treten und mehr als nur einen kleinen Blick zu wagen.

Nachdem wir uns nun satt gesehen haben geht’s weiter. Noch schnell zwei Sonnenblumen als Gastgeschenk für unsere lieben Gastgeberinnen vom „Selbstbedienungsfeld“ geholt und dann sind wir auch schon da. Es ist ein sehr schöner Nachmittag und auch der Abend gibt nur kurz einige Tröpfchen Naß von oben her, um sich sodann gleich zu einer milden Sternennacht zu wandeln. Es könnte nicht besser sein, für ein gemütliches Treffen mit Freunden.

Gegen Mittag des nächsten Tages geht’s dann wieder weiter. …Wohin? … Keine Ahnung.
Für den heutigen und die nächsten zwei Tage sieht unser Plan nichts vor.

… Ok, dann halt nach Thüringen, Wäsche wechseln, ausschlafen und weitere Pläne schmieden. …
Pläne schmieden ?! … Wir stellen fest, dass uns unser nächstes musikalisches Ziel ziemlich weit in den Norden des Landes führen sollte. Was solls, nach einem Ruhetag in Ilmenau geht’s halt wieder nordwärts. Diesmal aber mit nur einem Wagen. Mein Flitzer Paul darf für zwei Wochen mal den Luxus einer Garage genießen ( also quasi Autourlaub) und der „Neue“ muss nun zeigen, was er drauf hat.

Zuerst einmal lernt er Berlin kennen. Man will den Guten ja nicht gleich überfordern und macht ne kleine Zwischenstation. Meine zwei Katzen freuen sich auch über die kurzzeitige Rückkehr und ich kann den Ballast an warmen Klamotten zu Hause abwerfen.

Dann geht es aber weiter ins „Mecklenburgische“.
Ich soll heute mein Geburtstagsgeschenk erhalten. … Gut, einen Tag zu früh, aber es soll sich ja hinziehen, bis zum Jahrestag meiner Geburt.
…Und da wären wir auch schon wieder bei der Musik…

Eine Landpartie mit musikalischem Hintergrund

Genug Großstadt gesehen, uns ziehts aufs Land. Schön via Landstraße gemütlich an Berliner Vororten vorbei geht es in Richtung Norden. Kleine beschauliche Dörfchen wechseln sich mit Feldern und Wäldern. Seen und Bäche scheinen uns zu zuwinken und zum Verbleiben verführen zu wollen. Bei Temperaturen um die 28°C schwer der Versuchung zu widerstehen, aber wir haben ja „Termine“ !

Ich, da ich inzwischen nur Fahrgast bin, schaue zum Fenster hinaus und hänge meinen Gedanken nach. Was war das?, frag ich mich, als ich das Ortseingangsschild lese: „Himmelpfort“ … Das Kind in mir möchte grad aufbegehren! Hätt ich doch nur einen Wunschzettel geschrieben! Und wo wohnt nun der Weihnachtsmann?…

Außer einigen Einheimischen niemand Bekanntes zu sehen. Keine rote Mütze, kein langer weißer Rauschebart, … nur eine in Holz geschnitzte Figur zeugt von der Identität dieses Ortes. Wir indess fahren weiter.

Wieder Wälder, Dörfchen und Felder. Man meint fast am Ende der zivilisierten Welt angekommen zu sein. Dann scheinbar das Ziel unserer Reise erreicht. „Quadenschönfeld“ Ortsteil von Möllenbeck. Ein Feldweg mit einem Sackgassenschild.

Hier irgendwo soll es nun sein, das in Musikerkreisen so bekannte und geliebte „Farmland“.
Und Tatsache, am Ende des Weges ein Anwesen. Augenscheinlich ein kleiner Gutshof inmitten der ihn umschließenden Felder und Weiden gelegen.
Hier hatte sich die Sängerin und Malerin Katrin Lindner (ehem. „Katrin Lindner und Schubert Band), 1980 zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Sieghart Schubert, den Traum von Hotel und Musikstudio erfüllt und betreibt ihr kleines Hotel neben wieder aufgegriffener Malerei und Gesang bis heute noch liebevoll selbst.

„Parkplätze sind Mangelware“ ward uns zuvor schon berichtet worden. Und so ist es denn auch. Aber unser frühes Erscheinen hat sich gelohnt, unser Wagen findet noch einen Platz.
Allerdings nicht, ohne ein anderes Fahrzeug an der Abfahrt zu hindern, aber heut will hier ja eh keiner mehr weg…

Jetzt erfahre ich auch, dass es in diesem Hotel nur ganze 8 Zimmer gibt und René schon sehr frühzeitig gebucht hatte. Ich bin riesig gespannt.
Im netten kleinen Entree begrüßt uns ein „alter Bekannter“. Wer hätt es gedacht, Reyk Zöllner persönlich heisst uns willkommen und übergibt uns den Zimmerschlüssel. „Die Hausherrin ist noch im Hof beim Soundcheck“ erklärt er uns lächelnd und ward durch die Hintertür wieder verschwunden. Wir checken ein und sehen uns ein wenig um. Idyllisch ist es hier, und familiär. Fast wie „bei Muttern zu Hause“. Der Staubsauger liegt auf dem Flur… vergessen?, oder sollen wir unser Zimmer selbst reinigen? … egal. Das Zimmerchen ist klein aber romantisch eingerichtet. Man muss einige Stufen erklimmen, um ins Schlafgemach zu kommen, Bad ist gleich unten. Mit seiner Dachschräge und der farblichen Gestaltung assoziiere ich es irgendwie mit einem Märchen der Gebrüder Grimm. Hier soll ich also die Nacht meines Geburtstages verbringen?! Wie zauberhaft!!!

Im ganzen Haus hängen Gemälde der Hausherrin. Eine sehr individuelle Note, einfach nur schön.
Das ist aber noch nicht das ganze Geschenk. Ich dachte es mir schon! Der Grund unseres heutigen Hier seins ist natürlich ein ganz Spezieller. Auf den Farmlandhof hatte der „Club der toten Dichter“ geladen, da war es für uns ein MUSS dabei zu sein.
Bis zum offiziellen Einlass und Beginn des Konzertes blieb noch ein wenig Zeit sich umzusehen.

Ein wahrlich vortrefflicher Ort, wie mir scheint, um kreativ zu sein, künstlerisch Neues zu schöpfen oder zu vervollkommnen, Ideen nachzuhängen oder einfach mal vom Trubel der Konzert-Touren abzuspannen. Ja, so sehen es unsere Musiker auch, wie ich später erfahre. Es hatte sich wohl Jeder der fünf Musiker des CdtD darauf und auf den „Wellness-Bonus“ am nächsten Tage gefreut.
Später erzählt uns Spatzi auch noch, dass hier beinahe einmal eine Keimzeitplatte entstanden wäre. Nun, aber eben nur beinahe…

So langsam treten die Gäste ein in den Hof. Wir sollten uns sputen um die besten Plätze in der ersten Reihe noch in Beschlag nehmen zu können.

Auch die Plagegeister des Abends freuen sich schon auf ein Festmahl. „Blut in jeder Geschmacksrichtung im Überfluss“. Ich husche noch einmal kurz in unser Zimmer und komme bewaffnet mit Pumpspray zurück. Ich sollte an diesem Abend nicht die einzige sein, die von der chemischen Keule gebrauch macht. In der Reihe hinter uns hat jemand eine Antiquität mitgebracht. „Anti-Mücken-Spray“ in der grünen Dose. Als alte DDR-Bestände Einigen sicher noch gut bekannt. „Und das wirkt heute immer noch genauso gut, wie damals“ beteuert mir gegenüber die stolze Besitzerin.
Dann endlich, der musikalische Teil des Abends beginnt. Ca. 150 Gäste haben inzwischen im Hof auf den Stühlen Platz genommen und lauschen nun dem Vorprogramm.

Die Hausherrin Katrin Lindner selbst präsentiert ihre neue CD „Nichts bleibt“ untermalt mit Projektionen ihrer Gemälde, die zu diesem Thema entstanden waren und gemeinsam mit zwei brillanten Musikern, Andre Gensicke (piano, voc.) und Sonny Thet (Cello).

Die Drei bringen Chansons und Balladen zu Auge und Ohr, mit nachdenklichen Texten, Melodien voll Melancholie, Sinnlichkeit, aber auch Lebensfreude. Ein wunderbarer Einstieg zum folgenden Programm.

Dann ist es so weit. Rilkes Gedichte, vertont von Reinhardt Repke erobern das Farmland in Quadenschönfeld. „Die Erblindende“ eröffnet den Reigen und Katharina Franck´s glockenklare Stimme bezaubert selbst die Nachtigall.

Einmal wieder wird mir bewusst, selten bei einer Sängerin solch klare Aussprache, schnörkellos, aber ungemein ausdrucksstark in Wort und Gesang gehört zu haben. Wieder einmal bin ich auch fasziniert von der Gewalt der Musik, die der Poesie Rilkes die Krone aufsetzt, die Worte trägt, der Schwere der Texte doch einen Funken der Leichtigkeit verleiht. Dies alles gepaart mit der unglaublichen Spielfreude eines jeden einzelnen Musikers, gibt mir das Gefühl, mittendrin zu sein, ein Teil des Ganzen und nicht nur Zuschauer.

Es ist fast physisch spürbar, wie eng verbunden sich die Akteure einander inzwischen fühlen. All das macht wohl den Zauber aus, den dieses Programm landesweit auf das Publikum wirken lässt. Auch hier sehe ich wieder in strahlende Gesichter, andächtig jedem Ton, jedem Wort lauschend.

Wenn da nicht immer wieder der Schalk in Herrn Repkes Nacken springen sollte, und er einen seiner flotten Sprüche in den Abend schickte.

Augenscheinlich wurde dieses Konzert von einer Firma gesponsert, welche ein Produkt zur Mückenvertreibung herstellt und indirekt hat sie dies wohl auch wirklich getan, auch wenn es einige Leute gegeben haben soll, die sich dem Einsatz dieses Produktes verweigerten. Das Publikum wird mit Anekdoten aus dem Touralltag unterhalten, es wird von Diebstählen in einem Schloss berichtet, wo wohl gewisse „Unterlegscheiben“ verschwunden sein sollen und auch die Sichtung eines Wolfes außerhalb der brandenburgischen Landesgrenzen wird thematisiert.

Selbst die Vorstellung der Bandmitglieder fällt heut wieder einmal etwas eigenwillig aus. So erfahren wir, dass der Pianist, unser Spatz, sonst in einer Band namens „Heuschober“ zu Gange ist . … „Aber Herr Repke! Was muss ich da hören?! Ist Ihnen da nicht ein kleiner Irrtum unterlaufen? 🙂 “

Als dann noch vom Dach des Haupthauses gewisse „Froschgeräusche“ herüber klingen, ist wohl alles zu spät. „Da hat sich wohl jemand mit einer „Froschapp“ an nem Fenster verschanzt…“ Ja, da soll´s wohl auch ne App für geben 😉 , wer kennt schon noch lebendige Frösche? …


Musikalisch geht der Abend mit gemeinschaftlichem Chorgesang dann zu Ende, Spatz sitzt wieder am Boden und spielt auf seinem wohl etwas zu heiß gewaschenen Klavier. Tosender Beifall verabschiedet die Musiker und die Gäste machen sich langsam auf den Weg nach Hause.

Wir sind es für diese Nacht ja nun schon und so können wir noch verweilen. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es langsam an der Zeit ist, die Sektflaschen zu zücken und den noch Anwesenden zuzuprosten. Ein Lebensjahr geht zu ende und ein Neues, hoffentlich schönes und erlebnisreiches beginnt. Ich ernte viele Glückwünsche und einige Geburtstagsständchen, nebst Tanzeinlage und wir beschließen die abendliche Runde am Lagerfeuer bei Sternenschein.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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2 thoughts on “Musikalische Rundreise, Teil 2

    Birgit said:
    29. September 2011 at 00:18

    Nun, das Zimmerchen haben wir auf unserer schnellen Durchreise wohl übersehen. Das nächste Mal werden wir dort sicher dann vorbei schauen und den großen Wunschzettel mitnehmen. Sicher werden auf ihm ganz viele Konzertwünsche stehen und natürlich seid Ihr dazu dann herzlich eingeladen 😉
    ganz liebe Grüße von Birgit

    Matthias und Jana said:
    28. September 2011 at 13:31

    also erstmal alles gute birgit, vor allem gesundheit und noch viele gemeinsame keimzeitliche erlebnisse mit deinem rene, und mit uns natuerlich. sehr schoener bericht, sind auf den naechsten reisebericht ganz gespannt. uebrigens ist nicht der geschnitze hoelzerne weihnachtsmann das highlight von himmelpfort, sondern das weihnachtsmann-zimmer, beim naechsten mal reinschauen, der echte weihnachtsmann verbringt dort den sommer, wie auch wir jeden sommer dort zu besuch sind, und wuensche abgeben 🙂 bis zum naechsten treffen mit euch, ganz liebe gruesse, jana und matthias

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