Goldene Schallplatte für Keimzeit

Wir nähern uns unserem Ziel in Freiberg. Schnell im Hotel unsere sieben Sachen geparkt und schon geht es per pedes in Richtung Innenstadt. Wie jedes Jahr zur gleichen Zeit steht noch ein Weihnachtsmarktbesuch an, bevor das bunte Konzertleben beginnt.

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An einem der heiß umlagerten Glühweinstände treffen wir dann auf den Rest des „Harten Kerns“ der Fangemeinde und verabreden uns zu einem kurzen Meeting mit der Band vor dem Konzert.

Einer weiteren kleinen Tradition folgend, statten wir dem Ratskeller noch einen Besuch ab, um uns für das Kommende ein wenig zu stärken.
Jetzt wird’s aber Zeit! Der Einlass sollte in wenigen Minuten beginnen und wir haben noch einige Meter bis zum Tivoli zurückzulegen.

Natürlich kommen wir zu spät. Nicht weiter schlimm und nichts verpasst. Schnell wird sich organisiert, mit dem Manager Dirk besprochen und versammelt.

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Hier und jetzt wartet eine Überraschung auf unsere Band:
Endlich, nach 30 Jahren Bandgeschichte sollte es doch noch wahr werden.
Quasi als Auszeichnung für ein gemeinschaftliches Lebenswerk, zum Dank für all ihre Dienste im Namen des Frohsinns, für Treue und Freundschaft zu ihren Fans, gibt es heut eine ganz besondere Ehrung.

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Die Band darf sich ab jetzt ihrer ersten „Goldenen Schallplatte“ erfreuen. Nein, nicht die Verkaufszahlen, sondern wahre Leistung und immer währende Treue zu ihren Fans gaben den Ausschlag für diese Auszeichnung.

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Gut, zugegebener Maßen „nur“ ein Plagiat ohne die „Finanzspritze“ dahinter, jedoch eine Ehrung, welche an emotionalem Wert nicht weniger wiegt, wird somit unserer Band zuteil. Sichtlich erfreut die Reaktion der Jungs.

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Dann geht’s in die Vorbereitung zum eigentlichen Höhepunkt dieses Wochenendes und letztem Keimzeitkonzert dieses Jahres.
Die erste Reihe vor der Bühne wird wieder gesichert. Ich suche mir einen Platz mit guter Überschaubarkeit, checke noch einmal meine kleine Technik zum Einfrieren der besonderen Momente des Abends.
Es kann los gehen.

Wieder hüllt sich die Bühne in Blau und wieder das bekannte Intro.

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Auf der Bühne wird es langsam hell und gibt den Blick zu den Musikern preis. Dieses mal, links vor uns ein ungewohnter Anblick. Laura M. Schwengber, Gebärdensprachdolmetscherin, soll heute das gesamte Konzert begleiten und für unsere gehörlosen Konzertfreunde erfahrbarer, und somit zu einem außergewöhnlichen Genuss machen. Ich bin gespannt.

Schon beginnt das Spektakel. Während Norbert den uns allbekannten Text des Eröffnungsstückes ins Mikro und somit in den Saal hinaus singt, bewegt sich Laura im Takt.

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Mit ausladenden, grazilen Bewegungen formt sie die Worte. Eine wunderbare Erfahrung auch für uns. Lauras Bewegungen haben die Anmut eines Tanzes. Auch wenn wir der Gebärdensprache nicht mächtig sind, erschließt sich uns der gehörte Text in ihren Bewegungen neu. Erstaunlich, sie formt nicht nur die gesungenen Worte. Nein, selbst den Klang der Instrumente, Rhythmen und Solopassagen vermag sie gestisch darzustellen. Das Ganze wirkt weder störend noch befremdlich. Eine wunderbare Bereicherung dieses auch sonst so besonderen Konzertes.

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Die Band gibt alles. Lars, welcher genau neben Laura seine Position bezogen hat, scheint noch einmal mehr beflügelt als am Vorabend. Neben seinem wundervollen Gitarrenspiel ist er heut auch gesanglich voll dabei. Das Publikum honoriert den besonderen Einsatz immer wieder mit „Szenenapplaus“.

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Das Konzert nimmt seinen gewohnten, und doch außergewöhnlichen Lauf. Die Band spielt ihre Werke neuer und älterer Zeiten und das Publikum als großer Chor und Rhythmusgruppe treibt die Musiker zum multiplen Höhepunkt.

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Die gute Maggie hatte dieses Mal wohl wirklich den sprichwörtlichen „Zuckerkuchen“ gebacken. Just bei der entsprechenden Textzeile wird aus dem Publikum ein kleines Tablett mit der besungenen Köstlichkeit herangetragen und dem Sänger überreicht.

Nun wird auch das keimzeitliche Versprechen der letzten Tage eingelöst. Die drei „Siegertitel“ des Internetvotings werden von unseren Jungs dargeboten. Dazu betritt der zweite derzeitige Keimzeitgitarrist, Martin Weigel, die Bühne.

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„Sommernächte“, Näher mein Herz“ und „BH“ erklingen nun und werden gebührend gefeiert.
Nun sind beide Gitarristen auf der Bühne und geben sich ein Battle der Klänge. Welch eine Ohren- und Augenweide!!!

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Ach jaaaa, so sollte das immer sein! Könnten nicht beide Gitarristen ihren weiteren Weg mit Keimzeit bestreiten?! Nicht nur in meinem Kopf keimt dieser innige Wunsch auf. …
Doch weiter im Programm…
Martin tritt ans Mikrofon. Nun wird’s spannend. Die ersten Töne des „Projektil“ erklingen, Martin erhebt seine Stimme. Jubel in den Reihen vor der Bühne. Das gibt Mut, das gibt Kraft.

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Selbstbewusst bewegt er sich durch die Zeilen, eine kleine Textklippe wird mit Hilfe der ersten Publikumsreihe sicher umschifft und das Stück in den Hafen des Schlussapplauses gebracht.
„…es ist seine Geschichte, doch nicht meine…“. Die Geste auf Norbert ruft ein Raunen im Publikum und schmunzelnde Gesichter hervor. „Prima, Martin. Weiter so!“

Es gibt an diesem Abend noch einige weitere Überraschungen.

„Rosetta“, lange nicht mehr gehört und lang ersehnt, taucht wieder auf und wird freudig empfangen.
Dann wird gedankt: „Dank den Musikern, den Technikern an Licht und Ton,

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dem Veranstalter und seinen Mitstreitern, den Leuten an Bar und Gastronomie, Dank an alle, die heut arbeiten müssen…“ Dieses Mal wurde selbst „Sabine am Merchandise“ nicht vergessen.
„Ein ganz besonderer Dank gilt Dirk Tscherner, unserem Manager“, meint Norbert.“Für ihn spielen wir folgendes Lied.“
„Frau aus Gold“, der Wahnsinn! Beide Gitarristen übertreffen sich selbst in ihrem Können. Sie spielen sich gemeinsam in Rage. Nicht enden wollende musikalische Dialoge, Spaß pur!

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Inzwischen ist der Zeiger der Uhr schon über die 0:00 Uhrmarke vorgerückt. Sebastian flüstert Norbert etwas ins Ohr…
„Wir haben ein Geburtstagskind zu feiern“ teilt Norbert strahlend mit. „Jürgen Block, unser treuer Gefährte und Mann am Ton hat heut Geburtstag.“ Das ruft natürlich ein kleines Ständchen seitens des Publikums hervor.
Dann kommt das Unvermeidbare. Schluss-Szene. Verbeugung, Applaus.

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Zugaberufe, Klatschen, Stampfen mit den Füßen. Der Boden bebt. Eine gefühlte Unendlichkeit.
Dann…
Die Musiker kommen noch einmal hervor und geben selbstredend einige Zugaben.

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Norbert zeigt auf seine, fast leere Wasserflasche. „Wenn die alle ist, hören wir auf“
Dagegen gibt’s doch ein Mittel, scheint Laura zu denken und reicht ihm eine große volle Flasche, begleitet von großem zustimmendem Applaus der Menge vor der Bühne.

Nun, trotz ausreichendem Flüssigkeitsvorrat sind irgendwann auch die Zugaben vorbei und das Konzert ist Geschichte. Die Lichter gehen an und das Publikum langsam nach Haus.
Der „Harte Kern“ indes bleibt noch in gemütlicher Runde. Es wird noch viel gelacht, geredet und getrunken.
Da die jungen Musiker noch längst nicht genug vom Musizieren haben, werden wir noch mit einer kleinen Session belohnt, bevor auch wir, kurz vor Morgengrauen, den unangenehm nasskalten Weg ins Hotel antreten.

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Ein erlebnisreiches Jubiläumsjahr, mit einer unvergesslichen „Kolumbus-Tour“ ist nun mit einem berauschenden und überraschungsträchtigen Tourabschluss zu Ende gegangen.

Dreißig Jahre Keimzeit. Das heißt: sich immer wieder neu zu orientieren, neu zu erfinden, Klippen zu umschiffen und auftauchende Probleme zu lösen. Sich in Erinnerung zu rufen, Treue zu halten, wie auch neue Eroberungen zu machen.

Wie ich finde, ist dies unseren Jungs hervorragend gelungen und lässt uns auf viele weitere musikalische Jahre hoffen.

An dieser Stelle möchte ich auch einmal Danke sagen:.
Danke der Band für die unbeschreiblich vielen tollen Stunden mit der Musik, welche mir so sehr am Herzen liegt. Danke an Alle, die es möglich machen, dass es diese tollen Stunden gibt.
Und natürlich ganz großen Dank an Dirk Tscherner, für die Unterstützung unserer Community und der „Elektrofeld-Seite“ und dafür, dass er es uns immer wieder möglich macht, ganz nah dabei zu sein und für unsere Leser und die Fans der Band zu berichten.

In herzlicher Freundschaft
Eure Birgit

Fotos: René Homuth und Jörn Brumm

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One thought on “Goldene Schallplatte für Keimzeit

    Angela said:
    9. Januar 2013 at 14:30

    …hat immer zwei Seiten, wenn man so einen herrlichen Bericht liest und die schönen Bilder sieht, von einem Konzert, das man nicht miterleben konnte… Und so eine Goldene Schallplatte halte auch ich für höchstverdient und an der Zeit, eine ganz liebe Idee; vereint den Ruf aus tausenden tiefsten Herzen.

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