Sommer, Strand und Me(e/h)r, …die letzte Etappe

Der Wecker ertönte natürlich viel zu früh. Verschlafen blinzelten wir in den Morgen, den wir ja schon kommen sahen, bevor wir unsere Schlafstatt überhaupt erst erobert hatten. Nun, eine erfrischende Dusche im Gemeinschaftsbad und ein leckeres Frühstück, mit viel Liebe bereitet, erweckten die Lebensgeister und ließen uns fröhlich den neuen Erlebnissen entgegensehen.

Das Wetter, zwar wolkenreich, jedoch relativ trocken, konnte uns nicht beirren und wir traten die Reise zur Insel unserer konzertlichen Träume an.
Wider Erwarten kamen wir reibungslos durchs Land. Selbst die Zugbrücke zur Insel war gerade herunter gelassen worden und ließ uns ungehindert passieren.

In Zinnowitz angekommen, riss die Wolkendecke ein wenig auf und ließ die Sonne einige Strahlen auf den Strand schicken. Es waren viele „Strandläufer“ unterwegs und einige „Unerschrockene“ tauchten sogar in die Fluten. Besonders die Kleinen schienen da keine Bedenken zu haben, liefen immer wieder mit ihren Buddeleimern ins flache Wasser und freuten sich über jede Qualle, die ihnen ins „Netz“ ging.

Wir liefen noch ein Weilchen den Strand entlang. Sanft umspielten die Wellen meine Knöchel und ab und an wagte es eine sogar, leicht mein Hosenbein zu streifen. Auch zwei unserer Jungmusiker nutzten noch die Zeit, um ein wenig Ruhe zu genießen, Kraft zu tanken für den bevorstehenden Abend. Jedoch die Ruhe währte nicht lange, da eine, etwas bürokratisch gekleidete Dame auf die Zwei zuging und sie in ein kurzes Gespräch verwickelte. Später erfuhr ich, daß die Dame den Auftrag hatte, die Leute, welche am Strand verweilten, um einige Euro zu erleichtern und somit die Stadtkassen einmal mehr zu füllen. Mich befremdet diese Art der Abgabe, welche sich „Kurtaxe“ nennt, ein wenig und ich frage mich von Zeit zu Zeit, wann auch noch die Luft, die wir atmen besteuert werden würde… .

Dann wurde es langsam Zeit die „Blechbüchse“ zu bevölkern. Wer das Theater nicht kennt, wird sich ob des Namens sicherlich wundern, jedoch der äußere Eindruck lässt diese Metapher als ausgesprochen treffend erscheinen.

Der Soundcheck hatte schon begonnen, während draußen inzwischen die Sonne strahlte und uns schon leicht ins Schwitzen brachte. Technik und Instrumente waren bereit, so konnten die Musiker noch kurz die Sommersonne genießen. Noch ein Gruppenfoto für die hiesige Presse, einige kurze Worte zur Tour und dann hieß es an die Arbeit gehen.

Auch René und ich bezogen unsere Plätze, diesmal nicht inmitten des Publikums, sondern im Gebälg des Theaters. Von hier aus bot sich uns ungehemmte Sicht auf Bühne und Publikum. Ideale Verhältnisse zum Fotografieren und Filmen.

Das Theater füllte sich zusehens. Nicht nur die Sitzplätze wurden bis auf den Letzten okkupiert, die Leute standen auch neben und zwischen den Reihen. Überhaupt eigentlich die besseren Plätze, da man hier seinem natürlichen Bewegungsdrang freien Lauf lassen konnte, was dann auch Viele zu nutzen wussten.

Das inzwischen schon altbekannte Intro zur Tour „SO“ ergoss sich in den noch dunklen Saal, blaues Licht flutete hinzu und die Musiker betraten die Bühne. Das Publikum war sofort da. Die Band wurde auf einer Woge von Applaus getragen und dies hob die Spielfreude noch um ein Vielfaches an.

An diesem Abend hatte sich ein kleines Maskottchen still und heimlich auf die Bühne geschlichen. In vornehmer Zurückhaltung stand ein Pferd aus Stoff und Plüsch am oberen Bühnenrand auf einer Lautsprecherbox. Sicherlich hatte es sich aus dem Theaterfundus geschlichen, um einmal hautnah dabei zu sein, wenn Norbert seine musikalischen Geschichten erzählt und seine Poesie in Klänge bettet.

Nach gut der Hälfte des Sets zog Norbert die sprichwörtliche Reißleine. Es war heiß geworden in der Blechbüchse. Wie die Sardinen im eigenen Saft muteten die vielen Menschen im Saale an und eine kleine Erfrischung tat dringend not. Dankend nahm man die Aufforderung an, begab sich nach Draußen. Hier war es inzwischen etwas kühler geworden. Und dunkler. Fröhliches Geplauder und einige Kaltgetränke ließen die Pause schnell vorüber gehen und die Massen strömten wieder dem Eingang zu.

Weiter gings. Geschichten von Fernweh und Leidenschaft, gefühlvolle Klänge wechselten mit machtvollen Wogen lauter Musik. Besonders eindrucksvoll wieder einmal „Das Aquarium“. Man spürte förmich die Risse, welche das Glas akustisch bersten ließen. Das Herausfließen des Wassers, erst leise, dann tröpfelnd, bis es sich mit lautem Getöse aus dem Gefängnis aus Glas befreite, am Boden entlang lief. Dann Stille. Nur noch leises Pulsieren des restlichen Nasses. Vorbei.

Welch ein Kunstwerk, was sich meinem inneren Auge bot. Kopfkino! Wer schon einmal erlebt hat, wie nur ein kleines Becken zerbirst und sich dessen Inhalt auf den Fußboden des Zimmers entleert, kann sich die Macht des Wassers gut vorstellen. Natürlich nur eine Interpretation. Dieser Song lässt Raum für Phantasie. Freunde des metaphorischen Textes werden hier ebenso bedient, wie die Realisten, welche die Verse im wörtlichen Sinne verstehen.

Nun wurden auch die Jenigen gut bedient, die an den älteren Klängen hängen und der allen bekannte Hit „Klingklang“ ließ das Völkchen aus dem sprichwörtlichen „Häuschen“ kommen. Tobender Applaus und „Nathalie“- Rufe rundeten das Konzert dann ab.

Natürlich bekam das Publikum den Wunsch nach der Dame mit Migrationshintergrund auch noch erfüllt und „Der Löwe“ begleitete das Publikum dann hinaus in die Sommernacht. Man ging allerdings nicht, ohne das eine oder andere Keimzeit-Urlaubs- Souvenir mitzunehmen und so Mancher trug seine Errungenschaft stolz von den Künstlern signiert in sein Quartier.

Für uns sollte der Abend jedoch noch lange nicht beendet sein. Nach dem Einräumen der übrig gebliebenen Erinnerungsstücke, trieb es uns noch hinaus. Zuerst nahm uns ein kleines Gaststübchen für kurze Zeit auf, in dem der Wirt mit leisem Heimweh im Blick mit René über das schöne Thüringen und die Umstände, die Berge zu verlassen sinnierte. Herunter gespült wurde der kleine Schmerz mit etwas „Küstennebel“ der die Schönheit der See und die rauhe Herzlichkeit der Landsleute wieder erstrahlen ließ. Da es ja nun schon ziemlich spät und wir die letzten Gäste des Hauses waren, verabschiedeten wir uns brav und schlenderten weiter.

Unser nächstes Ziel war nun ein Irish Pub, wo wir noch verabredet waren. Dort nach längerem Fußmarsch angekommen, nahmen wir noch ein zwei Drinks und besahen uns die nächtlichen Gäste, die es ebenfalls hier her verschlagen hatte. René schien einige von ihnen zu kennen. Es entspann sich ein nettes Gespräch mit Musikern, die er von einem früheren Konzert her kannte. Die Jungs von „Four Roses“, einer Rock-Coverband, (übrigens sehr empfehlenswert) waren hier nach ihrem Gig ebenfalls noch zu einem Absacker „hängen geblieben“. Wir diskutierten noch einige Zeit über Musik und Musikgeschichte, bis wir gemeinsam zu unseren Nachtquartieren spazierten.

Am nächsten Morgen war noch ein wenig „Geschichtsunterricht“ im Programm. Mit einigen Interessierten unserer Band ging es noch für einige Stunden nach Peenemünde ins Museum, bevor alle wieder den Heimweg antraten.

Ein unheimlich erlebnisreiches Wochenende, war nun Geschichte. Es sollte ein Vorgeschmack für unseren Urlaub und DAS maritime Erlebnis dieses Jahres, der Koggenfahrt im August, sein.
Kolumbus´ Entdeckerfahrt war noch lang nicht zu Ende.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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