Weite(r)denken

Nein, es ist nicht nötig, sich Mut an zu trinken: dieses Konzert war ganz und gar wunderbar, voll Leichtigkeit und Weite, voll Begeisterung und Glück.

Berlin, im 30. Keimzeit-Jahr. In der Tat ein Grund zum Anstoßen, zum Feiern, zur Freude – Zum Wohl!

Diesmal hatte ich das Glück, dass René von seiner gewohnten Route abwich und mich noch einsammelte – viele Wege führen in die Hauptstadt. Birgit erwartete uns mit leckerem Essen und Wein. Gemütlich und entspannt füllten wir die Zeit, sahen uns Berlin an und verschoben den Versuch, die potentiellen Prinzen in Birgits Aquarium zu küssen, da die ersten Bilder vom Soundcheck im Netz uns lockten. Im Kesselhaushof trafen wir dann auch gleich jene aus nah und fern angereisten Gleichgesinnten, die zu sehen eine weitere Freude ist. Es tut so gut, mit Euch diese Leidenschaft zu teilen!

Pünktlich um sieben erhielten die Musiker das Signal zum Entern der Publikumsherzen. Na, das war nicht wirklich schwer. Wir wollten es ja alle. Der alberne Graben trennte uns nur äußerlich.

Hartmut und Roland webten einen Klangteppich, in den sich die Gitarren, das Piano und schließlich die Bläser wunderbar verknüpften, mit dem wir abhoben, auf dem wir in immer andere Farben tauchen, Ozeane und immer neue Länder bereisten, mit diesem Zauberer. Indem er uns in seiner Sprache, aus seinem Erlebten, Erdachten und mit seinen Fragen die Welt malt, wie er sie sieht, gibt er auch uns die Möglichkeit all das mit unserer Wahrnehmung zu erkennen, nochmal neu zu sehen. So entstehen ganz verschiedenartige Bilder, öffnen sich vielfach immer neue Welten. Was für ein Reichtum.

Ach, und was für ein Vergnügen ihnen dabei zuzusehen. Wie sie Musik leben lassen, im Ineinander der Instrumente aneinander Freude haben, wie aus Soli Dialoge werden, die uns alle mitreißen und treiben lassen; wie es Andreas schon mal nicht mehr auf seinem Hocker hält, oder wie er gefühlvoll Niels Frevert interpretiert;

wie Lars in Ekstase gerät und man ihm zurufen möchte ‚weiter atmen, Lars!‘

oder ganz entspannt am Podest Platz nimmt; die aufputschende Wirkung der Bläser, die scheinbar aber auch ganz gern mal ihrem Einsatz entgegen träumen und wie Norbert sie alle umschwirrt. Ob er ab und zu noch an jenen Meniskus denkt?

Das Publikum mal laut mitsingend oder ganz lauschend, man verliert sich im Rausch der Musik und findet sich doch auch darin.

Erste Zugabe: Streik – das Bild täuscht – hier streikte keiner, man nimmt die Lieder mit ins Leben, findet sie dort. Eine Bestätigung. Im Übrigen summ ich das Lied auch gern vor mich hin, wenns mir mal reicht. Das macht manche unabänderliche Situation erträglich. Und Unzufriedenheit hat durchaus treibende, verändernde Kraft.

Das letzte Lied, nochmal die Saiten richten, kleine überbrückende Plauderei und dann doch ein sympathischer Stolperer im Text. Gut, dass es nun das bezaubernde Buch mit lauter glatten Fröschen, krabbelnden Käfern und grüner Brause zum Nachlesen gibt, an dem nicht nur die süßen Kleinen große Freude haben werden.

Und schließlich ward doch noch einem lauten Wunsch nachgegeben. Norbert erst ganz allein mit NATHALIE. Und mit dahinschmelzenden Publikumsgesang. Achja.
Dann kamen sie nochmal alle auf die Bühne. So wurde mit heiter verwandelter Melancholie und mitsamt unwichtig gewordenem gelernten Ton und Revolution unweigerlich zum Rückzug geblasen.

Was für ein Abend, unzählige glückliche Menschen, auch das Wetter zeigte sich durchgängig freundlich (trotz zweier Anwesender, die so ein gewisses Regenrisiko mit sich tragen). Ich bin so froh, dass ich mittendrin sein durfte.

Herzlichen Dank, Keimzeit!
Dirk, Birgit, René – Euch auch, Ihr wisst schon.

Jetzt sind wir entlassen in die Nacht, in den Alltag, in die Welt… Dann mal los.

Der Band eine gute, kreative Zeit in Norwegen, zu dieser Zeit sollte es dort an Lichtblicken nicht mangeln.

Bericht: Angela

Fotos: René

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