Wellness für Auge und Ohr in Bad Elster

Das Vogtland im Mai, meine zweite Heimat seit Kindestagen, zeigt sich von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen begleiten mich auf der Fahrt zu meiner Familie, welche uns Kost und Logie für die kommende Nacht zugesichert hatte. Unser eigentliches Ziel befindet sich nur eine knappe halbe Stunde entfernt. Geradezu ideal also, meinen Frühlingsurlaub einzuläuten.

Bad Elster, 1324 erstmalig urkundlich als „Dorf Elster“ erwähnt, 1795 von J.W.Goethe besucht und 1875 in den Status des Bades erhoben, zeigt sich auch heut noch in feudalem, fürstlichem Glanz und einladender Gastlichkeit.
Ziel unseres diesmaligen Hierseins ist eine von langer Tradition geprägte theaterliche Spielstätte, welche sich zur heutigen Zeit nicht nur dem klassischen Theater und Konzert, sondern auch der modernen Kunst aus Jazz, Rock, Blues und Pop verschrieben hat, das „König-Albert-Theater“.

Dem historisch/kulturell interessiertem Leser sei hierzu ein Link nahegelegt, welcher die Entwicklung des Schauspielhauses detailliert beschreibt und auch die hier aufgetretenen Größen aus Kunst und Kultur nicht auslässt: http://koenig-albert-theater.de/de/unser-theater.html

Uns führt, wie könne es auch anders sein, ein keimzeitlich angehauchtes Konzert in diesen reizenden Ort und dieses wunderschöne Theater.

Sehr nobel, die Spielstätte unseres Akustik-Quartetts, stellen wir schon am Eingang fest, als wir, ziemlich spät, also quasi auf den Punkt 19:30 Uhr (eigenwillige Zeit für den Beginn eines Konzertes), den Saal im Dunkeln betreten und uns zu den uns angetragenen Plätzen begeben. Der Mann an der Kasse meint uns gegenüber: „sie können sich ruhig in der ersten Reihe nach Lust und Laune ausbreiten, sie werden schon sehen…“. Hmm, der Mann hatte recht. Außer einem Pärchen in der Mitte der ersten Reihe, ist Diese komplett leer. Verwunderung und etwas Besorgnis macht sich in mir breit. „Oh oh, sollte die Resonanz hier, tief im Sachsenland, auf unser Quartett so schlecht sein? Das könnte ja „heiter“ werden. …“ Ein Blick nach hinten jedoch macht meine Sorge zu nichte. Die Reihen sind bis zur Letzten gut besetzt und auch auf den Rängen tummeln sich noch einige Leute.

Schon erscheinen die Musiker auf der Bühne und werden mit kräftigem Applaus begrüßt.

Etwas ungewohnt für mich, die Aufstellung. Rechts vor mir, sonst der Platz der zweiten Gitarre, ist durch ein Schlagwerk ersetzt. Gut, etwas mehr Rhythmus mag schon passen, mal sehen (und hören natürlich).

Ein „Gutes Beispiel“ gebend, beginnt die Band auch mit Diesem. Ein wenig die Gitarrenlücke schließen zu wollen, „kämpft“ sich Norbert quasi allein durch die Töne.

Unterstützt durch die Rhythmusgruppe von Bass und Schlagzeug. Gabriele kommt mit ihrer Geige hinzu, sie singen im Chor, alles wird gut. Das Publikum ist begeistert, vom ersten Ton an gehen sie mit.

Mir brennt sich wiedereinmal ein Dauergrinsen ins Gesicht, so ich nicht gerade damit beschäftigt bin mitzusingen. Wie schön ist es doch, die Töne Gabrieles Geige wieder zu hören, ihrem Gesang lauschen zu können und in ihr, unglaubliche Freude ausstrahlendes, Antlitz zu blicken.

Auch Norbert wird sichtlich lockerer. Es läuft. Die neue „Errungenschaft“, Christian Schwechheimer, fügt sich perfekt ins Ensemble. Es macht Spaß zuzusehen.
Zwischen „alten Bekannten“ schwimmen die Vier „Mitten im Fluss“ und zeigen somit, daß man nie aufhören sollte gegen Unwegsamkeiten des Lebens anzukämpfen. Sodann winkt der Preis der Anerkennung und des Glücks. „Picassos Tauben“ fliegen zum Himmel der Freude empor und geben Verheißung des Neuen.

Dann, Filmmusik. Wie schön, Erinnerung an einen tollen Film, „Vicky Cristina Barcelona“ von Woody Allen, mit der wundervollen Skarlett Johansson. Bilder tauchen in meinem Kopfkino auf, hervorgerufen von den Klängen, die mein Ohr umspielen. Einfach schön!

Wir werden wachgerüttelt und erfahren, lesender Weise, was ein kleiner Junge im Schulalltag so fühlt. Vielleicht wird sich „Bennymaus“ später einmal noch ärgern, daß er die Querflöte lieber seiner Schwester überlassen wollte. Ich spreche aus eigener Erfahrung, da auch ich mir den Vorwurf gefallen lassen musste, nicht energisch genug auf mein Kind eingewirkt zu haben, als es dem Spielen eines Musikinstrumentes so negativ gegenüber stand.

Nach einigen weiteren keimzeitlichen Stücken rückt ein etwas eigentümlich anmutendes Mikrophon in den Vordergrund. Norbert sagt, er hatte dieses Mikro unbedingt für den heutigen Abend haben wollen, es ist ein Relikt aus dem Jahre 1954 (56?). Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten, kommt dann auch seine Stimme, herrlich quäkig verzerrt, über die Lautsprecher im Saal. „Sympatiqe“ erhällt somit eine interessante neue Note und lässt das Megaphon nicht vermissen.

Dann…, Pause.
Nun kann ich mir endlich den hell erleuchteten Theatersaal etwas genauer betrachten. Wirklich prachtvoll! Goldverzierte Ornamente, Kronleuchter und in roten Samt gekleidete Sitze zeugen von einer prunkvollen Vergangenheit, hervorragend restauriert. Kein Wunder also, daß wir gebeten werden, unsere Getränke doch bitte im Vorraum einzunehmen. Ein wenig schwierig, in Anbetracht der kurzen Pause und langen Warteschlange an der Bar, aber eben auch verständlich.

Der zweite Teil der Show beginnt mit dem theaterüblichen dreimaligen Klingelton.
Der Saal verdunkelt sich und auf der Rückwand der Bühne erscheint das, schon bekannte Video. „Kolumbus“ sticht in den Ozean. Dieser Song hat sich inzwischen schon so in mein Herz gebrannt, daß ich ihn längst als meinen neuen Favoriten bezeichnen möchte. Die hier dargebotene Akustik-Variante ist mir sogar die liebste. Ich mag die feminine Seite, die durch Gabrieles Gesang und ihre Geige ins Spiel kommt besonders gern.

Ein abrupter Wechsel und es wird wieder ge„Sreik“t. Wortwitz und verschmitzte Gesichter amüsieren das Publikum.
Weiter geht’s im Programm. So langsam spielt man sich leicht in Rage. Beschwingt und heiter, Musiker und Publikum. Auch ich vergesse die fehlende zweite Gitarre, schwinge im Takte mit und lasse mich treiben in den Wogen der Musik.

Die Wogen werden mir auf einmal auch auf andere Weise gewiss. Der neue Rhythmusman bietet uns eine eigene Art des Musizierens dar. Mit einer einfachen Plaste-Mülltüte zaubert er Wellen und Wogen in unser Ohr. Simpel und genial zugleich. Eine Zuschauerin hinter mir scheint diese Art des Musizierens so zu amüsieren, daß sie in schallendes Lachen ausbricht und sich längere Zeit nicht mehr beruhigen kann.

Der Saal hinter mir tobt. Erstaunlich, dieses Publikum! Wiedereinmal stellt sich dar, daß nicht Masse, sondern Klasse entscheidend ist.
So gibt es am Schluß drei mal „standing Ovations“, dreimal werden die Vier hinter der Bühne wieder nach vorn geklatscht und gerufen und als sie dann endlich mit dem „Löwen“ schlafen gehen wollen, hat das Publikum noch lang nicht genug.

Lange noch wird um Autogramme gebeten, Fragen gestellt und CD´s und Bücher gekauft, bis auch der Letzte seine Wünsche erfüllt, Geschenke für die Daheim gebliebenen erstanden und einige nette Worte mit den Protagonisten des Abends gewechselt hat.
„Der Vorhang fällt“, das König- Albert-Theater schließt seine Türen und wir fahren zurück, die halbe Stunde Weg, vorsichtig alle auf der regennassen Straße hüpfenden Frösche umfahrend, zur Verwandtschaft und unserem Bett für die Nacht.
Mein Urlaub ist eingeläutet und irgendwie eine gefühlte Woche länger als geplant.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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