Weltuntergangsprognosen

…und deren musikalische Folgen

Wir schreiben den 22.12.2012, oder den Tag 1 nach der, nun doch ausgefallenen Apokalypse laut der Interpretation des Maya-Kalenders.

Während ich diese Zeilen in mein Laptop tippe, sind wir auf dem Weg nach Freiberg, zum ersten Keimzeitkonzert nach dem Weltuntergang und Letzten dieses Jahres nach christlichem Kalender.
Die Vorfreude steigt. Sollte uns hier wohl wieder eines der ganz besonderen Events des 30. Jubiläumsjahres der Band erwarten…

Ich denke einen Tag zurück…:
Jena F-Haus, 20:00 Uhr,
der Einlass zum vorletzten Konzert unserer Band in diesem Jahr hatte begonnen. Naßkaltes Schnee-/Matschwetter ließ uns zügig das Portal passieren um uns ein wenig zu erwärmen.

Wir traten ein in die längst bekannten Gemäuer, begrüßten Freunde und sahen uns um. Die erste Reihe vor der Bühne ward natürlich zügig geentert und die Neuigkeiten vom Konzert des vorigen Tages in Berlin schnell ausgetauscht. Schon ein komisches Gefühl, beim Konzert in meiner Heimatstadt nicht dabei gewesen zu sein, aber dieses Mal ließ es sich aus logistischen Gründen leider nicht einrichten.

Lange schon hatten wir uns auf dieses Wochenende vorbereitet. Nicht, indem wir uns für etwaig bevorstehende Katastrophen wappneten. Nein, mein Motto lautete: „wenn schon untergehen, dann mit „Kolumbus“ und den Klängen im Ohr, die mir mehr als nur Musik bedeuteten.“
Nun, da ich hier sitze und darüber schreiben kann, sollte es dann doch anders kommen. Wer hätts gedacht 😉 !

Der Saal füllte sich nur zögerlich und ich befürchtete schon, daß sich das Gros der Menschen wohl doch in diverse Bunker oder auf Archen zurückgezogen hatte, als es dann doch fast unmerklich immer enger wurde im Raum und der Geräuschpegel der fröhlichen Gespräche anschwoll.

Auch die Band machte es spannend und ließ uns noch ein wenig warten. So gegen 21:30 Uhr erlosch dann doch endlich das Raumlicht und die Bühne erstrahlte in blau.

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Das Publikum war augenblicklich da. …Und blieb es auch, bis zum Schluss. Ein nicht enden wollender Spannungsbogen, tosender Beifall für jedes Solo, jedes Lied. Der Saal vibrierte, wohl kaum ein Stimmband blieb ohne Schwingung wenn Norbert das Mikro ins Publikum richtete.

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Die Masse trug die Musiker und ihre Musik, wie auch die Musiker die Anwesenden bewegten.

Auch wenn es unseren Pianisten fast vom Hocker fegte, er spielte tapfer weiter, als wäre er auf einem schwankenden Schiff.

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Der Gitarrist dieses Abends, Lars Kutschke, stieg zur Höchstform auf. Sein vorletztes Konzert in dieser Band und er spielte quasi um sein Leben. Als wolle er es der Band und dem Publikum noch einmal zeigen, wolle die Welt (zumindest die keimzeitliche) noch einmal retten, wie er es bereits Anfang des Jahres schon einmal mit seinem Einsatz getan hatte.

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Schmerzlich wurde uns in diesen Momenten der bevorstehende Verlust bewusst und der Wunsch nach, einfach mal zwei Gitarristen in der Band schaffte sich Raum.

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Ich genoss mit geschlossenen Augen. Das tue ich immer, wenn es ganz intensiv wird, wenn das Gehör mit Gefühl sich vereint, Musik den Körper durchdringt und zum Beben bringt. „Aquarium“, intensivstes Erleben mit allen Sinnen, das Bersten des Glases förmlich körperlich gespürt, das Wasser, erst im Schwall, dann fließend, am Ende nur noch sanft tröpfelnd empfunden. „Malen mit Musik“, Kopfkino par excellence. Nicht zu verhehlen, ich liebe dieses Stück.

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Dann wieder, wurden wir auf zauberhafte Weise infantil. Das Kind in uns allen scheint wieder da, wenn hunderte Menschen lautstark Kinderlieder singen. Was ist das nur für eine Magie, die erwachsene Leute dazu bringt, inbrünstig die Zeilen eines Wiegenliedes zu zelebrieren. Der Löwe, halbherziger Versuch uns einzulullen und uns das Ende des Abends zu verkünden.

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Natürlich von Misserfolg gekrönt. Der Saal wird erschüttert. Ist das der Weltuntergang? Nein, das stampfen hunderter Füße auf Parkett, verbunden mit rhythmischem Klatschen und Jubeln. Untergang sieht anders aus. 🙂

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Aus dem Dunkel der Bühne stiegen nun drei Erzengel auf. „Erzengel“ Ralf, Sebastian und Ede waren sich ihrer Rolle wohl kaum bewusst. Ein zufälliges Bild, oder ein Gag unserer Lichttechnik? Auf jeden Fall ein Augen- und Ohrenschmaus.

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Die Band lässt sich nicht lumpen, gibt eine Zugabe nach der anderen. Natürlich sollte auch die immer wieder geforderte Moskauer Dame Nathalie nicht fehlen, besonders durch unseren Bläsersatz plastisch in Szene gesetzt.

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Das Volk ward zufrieden und als der letzte Ton verklungen war, machte man sich auf, den Heimweg anzutreten.

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Ich sah noch in unzählige strahlende Gesichter, als mir gewahr wurde, daß es inzwischen weit nach 0:00 Uhr war. Wir hatten doch glatt den Weltuntergang verpasst.

„… keine Ahnung, wer Apokalypsen und Weltuntergangsprognosen braucht…“

Bericht: Birgit

Fotos: René

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One thought on “Weltuntergangsprognosen

    Jana und Matthias said:
    4. Januar 2013 at 20:27

    Holla die Waldfee, liebe Birgit lieber Rene,
    welch schöner, wahrer und schneller Bericht von unserem aller gemeinsamen „Weltuntergang“ zusammen mit „unserer“ Band. Welch treffende Worte für Lars` Können…welch poetische Worte Birgit und vor allem …lieber Renè … also uns haun Deine Fotos diesmal einmal mehr einfach nur um … dieser Blick für den Moment, fürs Licht, fürs gewisse etwas…das Portrait von Lars, Norbert vor kreisrundem Ufolicht, die Interaktion zwischen Hartmut und Lars … einfach nur der Wahnsinn … ganz großer Respekt meiner lieber Herr Homuth 😉 … schmeiß Deinen Job doch einfach hin werde Profifotograf…. ganz ehrlich… Danke Euch beiden für den schönen Rückblick auf den ersten Teil des Jahresabschlusses, Dank auch nochmal dafür, dass Ihr die Erlebnisse des „Inner-circel“, wes es Dirk nennt 😉 , im Web so fleißig präsentiert…Ihr seid toll… LG von Jana und Matthias ( de Gerschen ) – nix da mit den Weltuntergangsprognosen

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