Wenn´s im Oktober plötzlich Winter wird…

…dann braucht man inwendig Wärme. Und dann ist es sehr wohltuend, wenn man den Funken und dem Knistern wärmender Gedanken, die sich aus wunderbaren Erinnerungen und Vorfreude speisen, zur Feuerstelle folgt.

Also führte unser Weg diesmal nach Eisleben, eine kleine Stadt, die uns jedes Mal irgendwie schlafend erscheint. Aber dieses feine, kleine Theater! Durchweg freundliche Mitarbeiter, ein nettes Café und der Saal: Parkett, ein Rang, sehr kuschlig – vielleicht für 350 Menschen. Die inneren Werte einer Stadt. Wenn hier mal nicht ihr Herz schlägt.

Und: was für eine Akustik! Diese ausprobierend und ausschöpfend, setzten die Musiker, alle vier singend, gleich ein GUTES BEISPIEL voran, bevor sie ihre Instrumente einstimmen ließen und so den Klangraum vergrößerten.

Wie gebannt saß man dann da – ich hab mich erwischt, wie ich ganz plötzlich mitten in der Bewegung verharrte, ich war so vollkommen damit beschäftigt, Musik zu fühlen, sah bestimmt komisch aus, zum Glück ging es den anderen ähnlich – und lauschte. Eben nicht nur mit den Ohren, solche Musik nimmt man mit dem ganzen Körper und ganzer Seele wahr, innen und außen, dazu die Worte, GedankenBilder, das ist ein Wirbeln und Fließen, ein Entstehen und Vergehen…

Und welche Freude auch bei den Musikern, wie sie einander Raum gaben, einander auch hin und wieder überraschten, sensibel und aufmerksam waren füreinander, um in diesem Miteinander auch das Publikum mitzunehmen.

Jemand beschrieb einst, wie er spürte, dass vom Klang der Geige seine Seele davongetragen würde. Und so ist das. Eine weise Entscheidung also, Gabriele dazu zu holen, weil sie es auf ihre ganz bezaubernde Weise versteht, sich der Seelen anzunehmen.

Und weil sie nebenbei auch sehr schön singt. Ganz süß war es auch, als sie einmal nur kurz den Einsatz versäumte und Norbert einen sich vergewissernden Blick zu ihr herüber sandte, oder wie sie die Blättchen an ihrem Glockenspiel ein wenig manipulierte… Und dieses Geigenspiel!

Dazu die Grundtöne, die Basslinie. Aus diesem dicken, runden, schönen Kontrabass. Ich mag diese tiefen Töne sehr, denn wenn Hartmuts Finger an den Saiten entlang hüpfen und tanzen und dabei diesen warmen Klang hervor locken, dann ist es, als könnte ich die Resonanz in mir spüren und so ein ganz kleines bisschen Teil der Musik sein.

An der anderen Seite: der Schlagzeuger, was so gar nicht stimmt – Christian schlägt das Zeug ja nicht, es ist eher ein Streicheln, Tupfen, und ein bisschen wirkt er wie eine eigene Rhythmusgruppe zwischen all den sanften Sßßßts, Rrrrts und Dongs, sogar Klings, bis hin zum Meeresrauschen… oder zum hörbar Machen der mahnend verbleibenden Zeit, als Norbert vom SELTSAMEN VOGEL sang, zu dem er wohl werden würde ohne sein Du.

Vorerst (und zum Glück) ohne Oberlippenbart sang und las uns Norbert auf die ihm eigene charmante Weise von seinen Begegnungen und Erfahrungen, so durften wir ganz neu ONKEL ERWIN kennen lernen, der so eine spitzbübische Altersweisheit mitbrachte mit seinem Grünen Sofa. Ähnlich der Blick zu jenem alternden Torero und was bleibt, was wird aus jenen Auserwählten, die überlebten.

Norbert wechselte nach Stimmung die Gitarren und Sprachen, wobei mir das Deutsch natürlich am nächsten liegt, aber auch das verschwenderische Französisch hat seinen Reiz, auch wenn es ein paar kleine Stolpersteine birgt und QUIZZAS klingt eben nur auf Spanisch wirklich echt.

Im ebenso wechselnden Licht, hinterlegt mit bewegten Bildern oder den reizenden Illustrationen von Martha Irene Leps, die man in den beiden entzückenden kleinen Liedbüchlein zum Nachträumen wiederfinden kann, und mit wunderbaren Arrangements trugen uns die Musiker durch den Abend und ließen uns und unsere hungrigen Seelen den Klang des Lebens, der Welt spüren, atmen.

Der LÖWE war also gesungen,

NATHALIE im Urlaub belassen, Zugabe um Zugabe gewährt, und dann endlich einmal auch für mich: LA MER (nun durfte ich also auch die so oft erwähnte Tüte hören!),

Norbert musste die überschwängliche Publikums-Euphorie sehr diplomatisch noch ein wenig bremsen, steuern, um die Stimmung am Meer zu erhalten, den silbernen Glanz, die weißen Schaumkronen und vielleicht deren Streicheln an den Füßen, das Salz auf der Haut, das Wiegen auf den Wellen, und die Gedanken, die sich der endlosen Weite und Tiefe anvertrauen… vielleicht, dass die Musiker die gemeinsame Zeit an der norwegischen See erinnerten. So ließen sie uns daran teilhaben.


Da sind sie wieder hellwach – die so belebten und beflügelten Gefühle und Gedanken, die trägt man nun ganz erfüllt, ganz beseelt hinaus ins Leben.

Als ein Lächeln.

Dieses mit herzlichem Dank an die Musiker!

Auf dem Heimweg wurde uns im Radio aus „Dshamilja“ vorgelesen. Als hätten sie gewusst, dass das dem Zauber dieses Abends entsprach.

Bericht: Angela

Fotos: René

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