„Bewegen bringt Segen“ und die Sache mit den „musikalischen Wünschen“

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, für einen freien Samstag verhältnismäßig zeitig aus den Federn gekrochen, packten wir unsere sieben Sachen, verstauten alles im „Keimzeitspaßmobil“ und machten uns auf den Weg nach Norden.

Der erste Termin dieses Wochenendes war schon um 12:00 Uhr in der Sporthalle von Rühn angesetzt. Hier hieß es für unsere Band den Titel des Vorjahres im Tischtennisturnier beim FSV-Rühn zu verteidigen.

Die erste Herausforderung dieses Tages war für uns das Verlassen der deutschen Hauptstadt. Wochenend und Sonnenschein, da zieht es jeden Sonntagsfahrer hinaus ins Freie, an die Baggerseen oder Wochenendgrundstücke. Demzufolge vollgestopft waren die Berliner Straßen und Zufahrten zur Autobahn. Nachdem wir diese Hürde genommen hatten, folgte auch schon die nächste zeitliche Herausforderung. Gefühlt alle zwei Kilometer der Autobahn gab es die üblichen Baustellenstaus, welche uns wiederum Zeit und Nerven kosteten. Ich frage mich immer wieder nach dem Sinn, gerade in der Hauptreisezeit auf den frequentiertesten Strecken diverse Ausbesserungsarbeiten zu beginnen. Ist es vielleicht Methode und soll der „Entschleunigung“ des Reiseverkehrs dienen?

Wie dem auch sei, wir kamen mit einiger Verspätung in Rühn an, hatten jedoch noch nichts versäumt, wie wir sogleich feststellen sollten.

Die Teilnehmer des Turniers hatten sich gerade erst warmgespielt und warteten auf den Wettkampfbeginn. Dieses Mal ward dem Aufruf an die Fans der Band doch recht rege gefolgt und 18 von 20 gemeldeten Teilnehmern traten gegen die Bandmitglieder an.

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Dabei diesmal auch Matthias Fröhlich, welcher von der Wettkampfleitung kurzerhand in „Martin“ umgetauft worden war. Er bildete Quasi die internationale Beteiligung und trat in den Nationalfarben seiner „Wunsch-und Wahlheimat“ Norwegen an.

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Mit seiner Frau Jana brachte er seinen eigenen Fanclub mit, welche ihn mit winkendem Fähnchen zu Höchstleistungen anspornte.

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Es gab rundum spannende Kämpfe, aber niemand sah die Sache mit bitterem Ernst und es wurde viel gescherzt und gelacht.

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Die jüngsten Sportler, zwei kleine Jungen aus der Nähe Berlins, welche mit ihren Eltern angereist waren, liefen außer Konkurrenz, schlugen sich aber sehr tapfer.

Die Gruppe vom Vorjahr konnte ihren Titel zwar nicht erfolgreich verteidigen, aber eigentlich waren doch alle Gewinner und der Spaß an gemeinsamer sportlicher Bewegung war Belohnung genug. So bleibt der Pokal ein weiteres Jahr in Verwahrung beim FSV-Rühn und wartet auf die nächste Runde des „Spaßtourniers“ im folgenden Jahr.

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Nun ging es für uns weiter nach Bützow. Der nächste Etappenpunkt, die „Alte Badeanstalt“ wartete schon auf uns und die Musiker.

Das Sommerwetter und der See hatten magische Wirkung auf einige der Musiker und so wurde umgehend das Tretbot geentert und der See befahren. Kopfüber ins kühlende Nass erfrischte sich unser Sänger, bevor es nach kurzer Erholungsphase an den Soundcheck und somit an die Arbeit ging.

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Wir indess hatten inzwischen auch Lust auf sportliche Betätigung und der schon fast legendäre Volleyball wurde herausgeholt.

Nach einigen unglücklichen Versuchen den Ball halbwegs ordentlich weiterzugeben, kam mir wieder einmal die Erkenntnis, daß wohl alles Runde, was sich bewegen lässt, mit meiner Physiologie und Koordinationsgabe kollidiert und ich streckte im Sinne der weiteren Mitspieler und des angrenzenden Getränkewagens, geschlagen die Waffen.

Auch hatte sich inzwischen das Areal schon mit den ersten Konzertbesuchern gefüllt und der Soundcheck des Supports „Nora&Leo“ war in vollem Gange.

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Nachdem die restlichen „Sportler“ ihr Spiel beendet und ich mir die Zeit mit „Schlange stehen am Bratwurststand“ vertrieben hatte, hieß es nur noch schnell „Nahrungsaufnahme“ und dann vor die Bühne, wo Nora und Leo mit ihrer Band das Spiel schon begonnen hatten.

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Das anfangs noch zögerlich am Rande der Bühne verharrende Publikum ließ sich relativ rasch von Nora „überreden“ doch etwas näher zu treten und mit den Musikern den schönen Sommerabend und die Musik zu feiern.

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Dieses Mal hatte die Band fast ausschließlich eigene Songs im Gepäck. So mancher Text, voll aus dem Leben gegriffen, erweckte ein leises Schmunzeln in mir. „Nimm Dir alles, alles nimm Dir…, die Kekse sind im dritten Fach, hmmm, das schmeckt gut…“.

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Wer kennt sie nicht, die lieben Mitmenschen, die glauben, die ganze Welt sei ein Selbstbedienungsladen und sie hätten unbegrenzten Kredit.

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Musikalisch flott, beschwingt stimmten Nora&Leo auf das keimzeitliche Abendprogramm ein. Ja, eine junge Band, die man sich merken sollte.

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Dann war es wieder einmal soweit. Jörg Quandt eroberte die kleine Bühne und begrüßte seine diesjährigen Gäste. Er bedankte sich bei allen Beteiligten, welche diesen Abend traditionsgemäß zu einem Jahreshöhepunkt in dem kleinen, feinen Ort Bützow machen sollten und würdigte auch noch einmal den FSV-Rühn für das gute Gelingen des vorangegangenen Turniers. Dann lud er alle Gäste herzlich ein: „Ich wünsche Euch viel Spaß, hier kommt Keimzeit!“

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Applaus. Die Band betrat die Bühne. Ich war diesmal besonders gespannt. Es war schließlich dieses Jahr mein erstes Konzert der Band in großer Besetzung und an den Drums saß diesmal Lin Dittmann, uns schon von der „Undertaker Blues Band“ bekannt und geschätzt. Wie würden die Stücke nun, in erneut veränderter Besetzung klingen?:

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Das Intro. Blaues Licht, sonore Tonfolgen des Keyboards, hämmernder treibender Beat aus Lin´s Schlagwerk, etwas später Einfall der Gitarren, Spannungsaufbau. Norbert singt: „ ich werde mein Rad verkaufen…“ Ja, es könne ein schöner Tag (Abend) werden.

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Der Anfang verspricht viel. Jubel aus dem Publikum. Begeisterung macht sich breit. Nicht nur bei mir.

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Einige Lieder später: Ich bin überzeugt. Die Band entwickelt eine ganz neue Dynamink. Quasi wie eine Frischzellenkur. Mir scheint, als wären Veränderungen im Bandgefüge die treibende Kraft der Erneuerung. Und dann…, in der Folge des Programms Freude pur. Lang ersehnte Stücke verflechten sich mit „alten Bekannten“, neu aus dem Meer der Klänge gefischte Melodien und Texte schmiegen sich perfekt ein.

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Hatte die Band in meinem Kopf, meinen geheimen Wünschen gestöbert? Hatten sie die Setliste nach meinen geheimsten Vorstellungen erstellt? Natürlich nicht. Aber mir kam es fast so vor, als wären meine Wünsche erhört. „Blond“ eines der Stücke, um das sich Erinnerungen für mich woben, das mich persönlich berührte, lange Zeit. Wie erstaunlich lebensnah doch die Texte aus Norberts Feder sein konnten. So auch der „Neuzugang“ „Mutter zahlt Deine Rechnungen nicht mehr“, ja oder auch „Rohfassung“, um nur einige zu nennen.

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Dann ein Lied, welches sich Martin ausgesucht hatte. Ein Cover Gisbert´s zu Knyphausen (Kid Kopphausen). „Das Leichteste der Welt“, als wäre es unserem Gitarristen auf den Leib geschneidert. Jaaa! Das geht ab!

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„never mind the Darkness Baby you will be save by Rock ´n´ Roll, yeah Rock ´n´ Roll”

Die Menge tobt, wird mitgerissen, jubelt. WAS FÜR EIN SONG! Was für eine unglaubliche Energie!
Bitte mehr davon!

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Ich wünsche mir für die Zukunft wieder mehr rockige Klänge aus keimzeitlicher Feder, auch wenn ich die sanfteren Töne ebenso mag und selbstredend nicht missen möchte.

Dann wieder zurück zur Keimzeit-Schatzkiste. „Bunte Scherben“, „Maggie“, „Singapur“ und natürlich „Klingklang“ dürfen im Programm selbstredend nicht fehlen. Der Abend könnte endlos so weiter gehen. Tat er natürlich nicht… .

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Zwischendurch gab es einen kleinen Zwischenfall. Eine junge Frau mit einem kleinen Jungen trat vor die Bühne. „Er sucht seine Mama“, Kurzer Wink nach oben und Sebastian nahm sich der Sache an. Norbert ins Ohr geflüstert, schon reagierte Dieser:
„Erstmal einen kleinen Applaus für den Kleinen. Wie heisst Du? Anton. Der kleine Anton sucht seine Mum!“ Und da war sie auch schon, Antons Mum. Nur ein paar Meter hinter uns in der Menge. Erleichterte Kinderaugen, alles war gut. Das Programm konnte weiter gehen.

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Natürlich gab es für die Kleinen auch noch ein Kinderlied. „Mama, sag mir, warum spiel´n die Kinder nicht mehr mit mir…“, Groß und Klein sang fröhlich mit.

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Dann sollte der musikalische Abend aber doch sein unvermeidbares Ende nehmen. Das Publikum war zufrieden, fröhlich erzählend blieb man noch ein Weilchen vor Ort.

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Und doch gab es noch einmal ein paar kleine Tränchen. Einer der kleinen Sportfreunde vom Nachmittag fing am Ende des Konzerts an zu weinen. Hatte doch die Band sein Lieblingslied “der Löwe“ nicht gespielt. Nun, kleiner Mann, nicht traurig sein. Es kommt wieder ein neues Konzert und sicherlich ist auch einmal wieder dieses Lied mit dabei. Tränen trocknen und das Lachen kehrt wieder.

Sagen wir´s mit Keimzeit: „lass Dich mit Deinen Tränen nicht von der Sonne erwischen…“
Diese jedoch war inzwischen längst untergegangen und nicht nur für die kleinen Leute wurde es Zeit fürs Bett.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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