Endlich! „Big in Gera“… oder:

…die Gera(r)er(schen)(?) Songtage „Schillerten“

Friedrich Schiller. So manchem Zeitgenossen in ähnlich zwiespältiger Erinnerung wie meiner Person. – Es war wohl in der achten Klasse, als wir von unserem Deutschlehrer genötigt wurden „Kabale und Liebe“ zu lesen. Ich kämpfte mich durch die ersten drei/vier Seiten und…?

Gab auf. Hatte ich wohl, als lebenslustiger Teenager, andere Interessen, als klassische Literatur in einem, mir schwer verständlichen Sprachgebrauch zu lesen. Wie dem auch sei, es kam, was kommen musste: „Wir schreiben einen Aufsatz. Inhaltszusammenfassung, Analyse, eigenes Résumé. Ihr habt eine Stunde Zeit.“ „Na großartig!“ Glücklicher Weise durften wir das Buch benutzen und so las ich schnell noch etwas quer und konnte die ganz große Katastrophe verhindern. …

Nun, heute, mit einigen Jährchen Abstand, werde ich erneut mit diesem großen deutschen Meister der Dichtkunst konfrontiert. Dies jedoch auf ganz leichte, beschwingte Weise. Kein Geringerer, als unser Maxs (Reinhard) Repke, war bei seiner Suche nach einem neuen „dichterischen Opfer“ für seinen „Club der toten Dichter“, bei Schiller hängen geblieben und umwob dessen dichterische Kunstwerke mit seinen ganz eigenen und eigenwilligen Klangmustern.

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In, schon zu guter alter Tradition gewordener Manier, konnten wir uns das Ergebnis dieser „Neuschöpfung aus alten Refugien“ doch nicht entgehen lassen. So beschlossen wir, dem Ruf der Geraer Songtage zu folgen und diesen „Schillerabend“ in uns aufzunehmen.

Entgegen der Repkeschen Tradition blieb der „Club“ – also die Band, diesmal der Gleiche. Am Bass Markus Runzmeier, an den Drums Tim Lorenz, Orgel, Keyboard Andreas „Spatz“ Sperling und Gitarren natürlich Maxs Repke. Nur der Gesangspart wurde, wie bei den Projekten zuvor, ausgetauscht.

Mit Katharina Franck hatte man im letzten Projekt die Messlatte schon sehr hoch angesetzt. Dieses Mal war wieder ein männlicher Part gefragt. Dirk Darmstaedter.

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…“Dirk – wer???“,
„Na Der, mit dem einen Lied in den Achtzigern… . War doch n ganz großer Hit und wurde im Radio rauf und runter gespielt…“. „ging ungefähr so: lalala… la…“
… „hmmm, kenn ick nich. ..“
„Der hatte doch diese Band. … Jeremy Days…“ „Das Lied hieß „brand new toy“.

…ach so? Hmmm. Na gut, kann sein. Is mir wohl irgendwie entfallen.“ (man is ja schließlich auch nicht mehr die Jüngste, da ist schon mal etwas Vergesslichkeit drin)…

Auf jeden Fall war ich gespannt auf „den Neuen“ und wie er sich ins Bandgefüge wohl einbringen wird. Da ich ganz unbefangen an die Sache herangehen wollte, unterließ ich es ganz bewusst, vorher diverse Hörproben auf meine Ohren zu geben. Das hatte sich bisher immer als besser erwiesen und vor Vorurteilen geschützt.

Wir machen uns also auf, nach Gera, ins Clubhaus Comma. Als wir den Saal betreten, war er noch mäßig gefüllt und unsere Plätze in der ersten Reihe gesichert. Dies sollte jedoch nicht lange so bleiben. Mit dem herein strömenden Publikum begrüßten wir auch schon gute Freunde und hörten die ersten Meinungen zum neuen CdtD. „ Schiller?…, schwierig. Ob das an das letzte Programm heranreichen wird?… na, und Katharina war ja wohl einmalig! Das ist nicht zu toppen!…“ So , oder so ähnlich der Tenor. Nun, wir werden sehen…
Und WIE wir sehen!!!

Schon der Opener…! Beschwingt, fröhlich die Musik. Der Text, wie „Faust aufs Auge“. Gut gewählt, Herr Repke!

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Schon nach den ersten Stücken wird mir klar: „Jaaaaa, das ist er! Der rebellische, junge Schiller, der die Frauen liebt und für seine Kunst bereit ist, „durchs Wasser zu gehen“.

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Die Frauen spielen im weiteren Programm auch immer wieder eine entscheidende Rolle. Die Emma, die Laura, Luise. …“Du bist so blass, Luise“ , dieses Stück prägt sich mir ein. Es hat eine gewisse Morbidität in sich. Die Musik, der Text, das Gebaren des Sängers… und dann…, der fortwährende summende Ton eines kleinen, kofferradioähnlichen Geräts. …

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Dieses Mal ist der Gesang unter den Protagonisten mehr aufgeteilt. Jeder bekommt sein Solo und alle singen im Chor. Der Spaß auf der Bühne greift aufs Publikum über.

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Wer schon einmal eines der vergangenen Projekte erleben durfte, weiß auch um die kleinen, lustigen Anekdoten am Rande. Dies sollte hier nicht anders sein.
Natürlich stand Gera dabei etwas im Vordergrund. So die Geschichte des ersten Keimzeitauftrittes hier im Comma anno 1996 ? -98?, als die Band vor (zumindest gefühlt) über tausend Leuten hier spielte und von der Bühne aus nach einem Nachtquartier suchte.

Dirk Darmstaedter hatte da eher das Gegenteilige zu berichten. Seine bisherige Gera-Erfahrung war eher auf einige wenige Pärchen als Zuschauer beschränkt, welche sich eigentlich lieber unterhalten und kennenlernen wollten, als seiner Musik zu lauschen. Nun, hier hat er endlich das Geraer Publikum, welches er damals vergeblich zu erreichen versuchte. „Endlich Big in Geraaah!!!“

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Applaus aus den vollbesetzten Reihen des Saales.
Einer der entscheidenden Gründe bei diesem Projekt dabei sein zu wollen, so Dirk, sei das nun kommende Lied gewesen… Jetzt ist Entertainment angesagt. Das Publikum wird animiert, das Leben der „Räuber“ gemeinsam mit der Band zu zelebrieren. „Stehlen, morden, huren, balgen…“ klingt es durch den Saal. Lustig, die derben Texte in diesem Kontext gemeinsam hinauszurufen.

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Dann…, irgendwann taucht die bewusste Frage auf…:
Maxs wird sich doch wohl nicht…“ …DOOOCH, er hat !!!
…Und das so richtig!

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Die „Ode an die Freude“… auf eine ganz neue, wundervolle Art… überraschend, belebend aus dem Staube der Klassik in die Moderne transferiert, So reiht sich nun Maxs Repke in den illustren Kreis derer ein, welche sich musisch ebenfalls schon seit 1786 an diesem dichterischen Werk versucht hatten.

Sicherlich eine Kontroverse, die zu Diskussionen anregt. Mir jedenfalls gefällt diese Version. Sie spricht den Zeitgeist an, öffnet die Ohren Jener, deren musikalisches Gehör sich der alten Meister verschließt und macht neugierig.

Mir drängt sich spontan ein Gedanke auf: Was wäre, wenn das Programm des CdtD in den schulischen Lehrplan Einzug halten würde. Bei unserer Jugend könnte auf einmal ein Interesse an klassischer Dichtkunst geweckt werden, ganz leicht, fast unbemerkt, über den Weg der Musik.

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Doch zurück zum Konzert.
Der Abend nimmt seinen Lauf, die Lachmuskeln werden arg strapaziert. Bewunderung für Genialität der musischen Umsetzung schafft sich mehr und mehr Raum. Ich schaue mich um. Ein Saal voller strahlender Gesichter.

Dann, Verbeugung, Applaus, Abgang, weiter Applaus. Die Musiker kommen wieder aus dem Dunkel hervor. Der musikalische Teil geht mit einigen Zugaben weiter. Jetzt kommen die „Hit´s“, zumindest wenn man Dirk glauben schenken darf. Und tatsächlich gibt es noch einmal tüchtig was auf die Ohren, bevor die Schlussverbeugung folgt.

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Fast, als wolle sich Maxs für seine „Dreistigkeit“ entschuldigen, treten die Musiker an den Bühnenrand hervor und stimmen gemeinsam noch einmal an: „Freude, schöner Götterfunken…“, diesmal die allen bekannte Melodie. Die Leute im Saal stimmen nach und nach ein.

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Ein schöner Abschluss eines tollen Abends. Die „Glocke“ welche uns schon den gesamten Abend hindurch immer wieder mal versprochen wurde, kommt dann doch noch zu ihrem Recht und wird zum Abschied geschlagen.

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Das Publikum bedankt sich mit tosendem Applaus und „Standing Ovations“. Das Licht geht an.

So Manchen zieht es noch einmal zum Stand, an dem Erinnerungen an einen wundervollen Abend feil geboten werden und die Band legt noch ein kleines Stück Akkordarbeit im Setzen ihrer Unterschriften auf CD-Covers und Plakaten nach.

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Die Stimmen der Zweifler im Vorfeld der Show hören sich inzwischen ganz anders an. Ja, Maxs und seine Jungs haben es wieder einmal geschafft ein Meisterstück abzuliefern, Anders als das letzte Programm, jedoch nicht ein klitzekleines Bisschen schlechter als Dieses.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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4 thoughts on “Endlich! „Big in Gera“… oder:

    Jana und Matthias - de Gerschen said:
    13. Mai 2013 at 21:30

    Aaach, wie schön war´s…
    Ja…bis jetzt hatte jede Vertonung jedes Dichters was besonderes…war es zuletzt mit Katharina noch die Tiefgründigkeit der Texte und deren Aussagen gepaart mit der Genialität und der Verzückung Ihrer einzigartigen Stimme, ist es diesmal die das Publikum mitreisende von Anfang an zündende Dynamik des Ganzen, beschwingt und mit einem glücklichen Lächen durch den Abend führend. Irgendwie konzentrierte ich mich diesmal nicht so sehr auf die Texte, eher ließ ich mich Dank der wirklich grandiosen Spielart Aller durch den Abend geleiten…ich hoffe, dass ist o.k. Herr Repke 😉 , aber dass Texte verstehen übe ich bei einem der nächsten Besuche beim CdtD. Jetzt erst noch einmal ein großes Kompliment für die Kompositionen und Umsetzungen, immer wieder mehr als gelungen….
    Wir hoffen, dem Rücken gehts nun dank des Einknackens wieder besser… und wir freuen uns auf ein Wiedersehen…
    An Alle !!! – UNBEDINGT HINGEHEN !!!
    Die Gerschen Fröhlichs ( in „Hausschuhen“ zum Konzert 😉 )

    Petra Sawadogo said:
    13. Mai 2013 at 21:30

    Wunderschöne Bilder von einem wunderschönen Abend! Und auch Birgits Bericht lässt wohl keine Wünsche offen…
    Was soll ich sagen? An mir sind sie offensichtlich vorüber gegangen, die einfallslosen Deutschlehrer, die ihre Schüler mit der Klassik nervten. Ich hatte einen Deutschlehrer, der es verstand, uns z. B. für Don Carlos oder auch Schillers krimireife Balladen zu begeistern. Ist mir ein wenig zu platt, dieses Pauschalurteil.
    Ich bin auch fest davon überzeugt, dass es bereits seit dem Heine-Programm des Clubs so manchen Lehrer gibt, der die Repkeschen Vertonungen gern für seinen Unterricht benutzt, denn – man höre und staune – die Lehrpläne lassen dies zu!!! Man kann Maxs ja mal dazu befragen, was er davon hielte, zum schulischen Pflichtprogramm gemacht zu werden…
    Ach, noch etwas hat mir mein guter alter Deutschlehrer beigebracht: Man darf nicht aufhören zu zweifeln! Ja, ich stehe dazu, die Dinge sehr gern einmal zu hinterfragen, auch wenn das nicht immer für jeden bequem ist…
    Trotz allem bleibe ich gern eine geneigte Anhängerin des CdtD.
    Petra Sawadogo

      Birgit said:
      14. Mai 2013 at 01:10

      Nun, Zeiten ändern sich und auch unter den Lehrern gibt es Unterschiede in der Methodik Wissen zu vermitteln. So war mein damaliger Deutschlehrer wohl eher der „Techniker“, welcher uns Rechtschreibung und Grammatik förmlich einzubrennen verstand ( die „Das-Regel“ konnte ich nachts um halb drei aus dem Tiefschlaf gerissen noch anwenden 😉 ), jedoch mit den schönen Künsten schien er es nicht so zu haben, leider. Das Interesse an Dichtkunst und darstellender Kunst sollte ich mir dann einige Jahre später auf andere Art erarbeiten. Wobei ich trotz allem schon als junge Schülerin unheimlich gern Gedichte rezitierte (auch von Schiller).
      Ich hoffe, in meinem Bericht nicht missverstanden worden zu sein. Auf keinen Fall wollte ich Pauschalurteile abliefern. Dies waren nur höchst eigene Erinnerungen an ein Ereignis meiner Schulzeit.
      Es ist schön, von Dir zu lesen, daß die heutigen Lehrpläne viel Raum für Kreativität belassen und nur zu hoffen, daß möglichst viele Lehrer davon auch rege Gebrauch machen.
      Im Übrigen, ich hinterfrage auch sehr gern und oft. Das hat mir im Leben nicht immer nur Freunde gemacht, aber ich mag halt nicht Teil einer „Schafherde“ sein, die ihren „Leithammeln“ bar eigenem Standpunktes hinterher trottet.
      Was das Programm des CdtD betrifft, möchte ich mit einem Zitat Schillers enden:

      „Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken.“

      in diesem Sinne
      liebe Grüße
      Birgit

        Petra Sawadogo said:
        14. Mai 2013 at 20:22

        Liebe Birgit, ich bin sehr empfindlich, wenn ich auch nur den leisesten Anflug von Pauschalverurteilung der Lehrerschaft vermute. Du hast sozusagen eine allergische Reaktion abbekommen, weil ich der Meinung bin, dass diese Berufsgruppe eine ganze Menge Dinge abzufangen und auszugleichen hat, die in unserer Gesellschaft schief laufen. Viele machen das trotz aller Schwierigkeiten richtig gern und gut, engagieren sich sehr und lassen sich unheimlich Spannendes einfallen, um die Botschaften, die sie haben, jungen Leuten überzeugend und glaubhaft rüber zu bringen.
        Aber ganz davon abgesehen bin ich davon überzeugt, dass wir uns in ganz vielen Fragen vollkommen einig sind. Auch unser Geschmack, was gute Musik bedeutet, kann nicht so weit voneinander entfernt sein. Würden wir uns sonst so oft auf Konzerten UNSERER Musiker begegnen? Ich bin ein Fan von Deiner allumfassenden Art, über ein Konzert zu berichten. So viele liebenswerte Details kann man auf diese Weise viel länger in Erinnerung behalten. Umso mehr freue ich mich, dass ihr meinen Versuchen trotz aller Unvollkommenheit eine Chance auf Elektrofeld.de gebt. Es lebe die Vielfalt der Sichtweisen, denn „das Wort ist frei, die Tat ist stumm, Gehorsam blind“ (auch Schiller)!
        Beste Grüße
        Petra

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