Gestein des Jahres 2013… , oder?

-KAOLIN-
… googelt man diesen Begriff, stößt man zuerst auf die Erläuterung bei Wikipedia:

Kaolin, auch als Porzellanerde, Porzellanton, Pfeiffenerde, weiße Tonerde, Aluminiumsilikat oder in der Apotheke als Bolus alba oder Pfeifenerde bezeichnet, ist ein feines, eisenfreies, weißes Gestein, das als Hauptbestandteil Kaolinit, ein Verwitterungsprodukt des Feldspats, enthält. Weitere Bestandteile sind verschiedene andere Tonminerale und unzersetzte Feldspatteilchen.“ …

Ebenfalls findet man dort auch den Verweis auf „Kaolin (Band)“. Treffer! Denkt der Insider und klickt den Link an. Etwas verwundert stellt man nun fest, daß es sich hier um eine, 1999 gegründete, französische Rockband handelt. Französisch???, das sollte doch wohl ein Irrtum sein?! Man liest weiter: „Ihre Lieder sind von unterschiedlichen musikalischen Einflüssen geprägt“…
-soweit, sogut… . „und ausschließlich in Französisch geschrieben…“.
Hier scheint es sich wohl doch um eine Namensgleichheit zu handeln. …

Zurück zur Googelsuche wird man dann doch recht schnell fündig und auf die Seite der Brandenburger Band um Marion Bohn geleitet. Hier stößt man auch auf die wenigen derzeitigen Tourtermine diesen Jahres, welche nun leider schon wieder der Vergangenheit angehören.

Wir waren am letzten Samstag in Bad Belzig zu Gast und erlebten das Heimspiel der Band und vorerst auch das letzte Konzert dieser Tour.

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Die 2005 gegründete Band hat sich in der Zwischenzeit doch recht gewandelt. Begonnen als fast ausschließliche Coverband englischsprachigem Repertoires mehr oder weniger bekannter Bands, greifen die Musiker inzwischen immer häufiger auf eigene Werke, überwiegend mit deutschen Texten, zurück.

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Fällt es schon schwer, die Werke Keimzeit´s ( der Ursprungsband Marions und Hartmuts) in eine musikalische Schublade zu schieben, so scheint dies bei Kaolin schier noch unmöglicher zu sein.

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Gespielt wird einfach alles, was dem musikalischen Ohr gefällt. Von bekannten Cover diverser Rockgrößen wie Michael Jackson oder Elvis Costello, über geschmackvoll ausgewählte B-Seiten wird dem geneigten Publikum sehr viel geboten.

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Ganz besonders sind jedoch die eigenen Songs. Sowohl die musikalischen Klänge, als auch die sehr gefühlvoll poetischen Texte zeigen die außergewöhnliche Seite der Band.

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„Wir machen schon ziemlich spezielle Musik…“, so Marion Bohn. „Sicherlich nicht tauglich für ein Breitenpublikum, beispielsweise auf „Laubenpieperfesten“.“

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Stimmt! Die Band ist doch recht experimentell, was ihre musikalischen Eigenwerke betrifft. Da schmiegt sich nicht einfach Text an Melodie. Nein, die Melodie umspielt den Text, setzt Akzente oder auch Kontroverse. Man muss schon genau zuhören, aufgeschlossen sein für das, was passiert. Ich mag diese Spannung, die entsteht, wenn Texte sich wehren, sich nicht in ein Schema aus Strophe und Refrain pressen lassen. Ganz eigenwillig ihren Weg suchen und unser Gehör finden.

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So entfernt dem Mainstream diese Lieder auch sind, bleiben sie doch ausgesprochen tanzbar und belebend.

Hier in Bad Belzig haben sie ihr Publikum gefunden. Viele Leute sind gekommen, um die Band zu feiern, welche aus den eigenen Reihen entstand, just for fun, aus purer Freude an Musik und Spiel.

„Wir haben das große Glück, nicht auf das Verbreiten unserer Musik durch Konzerte und Tonträger angewiesen zu sein. Alle unsere Musiker haben ihre Berufe, ihr Einkommen neben der Musik. Das ist sicherlich ein großes Privileg und nimmt uns den Druck. Wir können so einfach nur tun, was uns Spaß bereitet.“, sagt Marion im Gespräch.

Natürlich bedeutet das nicht, daß es der Band egal ist, ob die Werke gefallen, aber es lässt doch den Freiraum, sich und seine Ideen ausleben zu können, ohne Gefahr zu laufen zu scheitern.

„Ja, es wäre schön, wenn sich mehr Möglichkeiten für Konzerte fänden“, meint Marion. „Vielleicht in Musikkneipen, oder kleinen Clubs…?“ Für Ideen und Angebote ist die Band jederzeit offen.

Ob nun der verruchte Rockschuppen, Partykeller oder das kleine gemütliche Provinztheater, wie hier das „Jugendtheater Strumpfhose“ mit seiner Studiobühne, möglich ist alles.

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„Dies hier ist das erste Konzert an dieser Bühne“, erzählt uns Hartmut. „Früher war hier die Oberschule, auf der schon unser Vater die Schulbank drückte und später selbst unterrichtete.“ , berichtet Marion stolz, mit einem Seitenblick auf ihre Mutter, welche das Konzert heute ebenso genoss wie Bruder Roland und viele, viele Freunde, Bekannte und Verwandte.

Ja, zweifellos ein Heimspiel. Wo anders gäbe es so viel Anklang und Begeisterung für die, doch noch relativ unbekannte Formation.

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Was noch etwas zaghaft und schüchtern begann, schwang sich im Laufe des Abends zu Hochstimmung auf. Nachdem die ersten Mädchen vor die Bühne traten und anfingen zu tanzen, war der Bann gebrochen und die Menge kam in Bewegung.

Es wurde ein Happening, welches auch die Akteure immer mehr in Hochstimmung brachte. Ja, man hatte riesen Spaß, sowohl auf, als auch vor der Bühne und der Abend mochte noch ewig dauern.

In der kleinen Pause erfuhren wir von Christian Hartung, daß die besten Stücke erst am Ende des Konzertes folgen würden. „Ihr müsst allerdings alle laut nach Zugaben rufen“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln. Wir taten´s und wurden fürstlich belohnt.

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So wurde dieser Abend für uns ein Kleinod, welches wir im Nachgang nicht missen mochten.

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Hatten wir doch ob der Wetterlage in Berlin und Umgebung schon kurzzeitig erwogen, die Idee fallen zu lassen und im warmen Wohnzimmer den Abend beim Gläschen Wein zu verbringen.
Wenn das Wetter auch eher adventlich, statt frühlingshaft anmutete, zauberte uns Kaolin zumindest musikalisch doch einen Hauch von Frühling ins Herz.

Das Weiß der Straßen Berlins auf der Rückfahrt erinnerte mich symbolisch an den entliehenen Namen der Band:
KAOLIN: Porzellanerde, Porzellanton, Pfeifenerde, weiße Tonerde, – weißes Gestein …

Bericht: Birgit

Fotos: René

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