„Midtsommer“ mitten im Fläminger Winter

Der Winter ist zurück. Mit ihm kehrt auch unsere Band wieder zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Etwas ruhiger wird es werden in diesem Jahr. Nur selten werden wir die große Band erleben. Dieses Jahr ist der Fokus auf Akustik gelegt. Ja, das Akustik-Quintett wird in diesem Jahr einen Großteil der Konzerte bestreiten. Und sie haben uns etwas mitgebracht.

„Midtsommer“.

Impressionen von Wind und Meer, einer Insel und einem Studio inmitten von Wellen, Stein und spärlichem Ufergrün. All dies wollen sie uns vermitteln.Uns musikalisch teilhaben lassen an ihren Erlebnissen, Empfindungen und deren Umsetzung in Musik.
Jetzt, so mitten im Winter, in einer Burg, Strand und Meer musikalisch erleben? Ich bin gespannt.

Minus 6°C, leichter Schneegriesel. Wir kommen an, vor den Toren der Burg Rabenstein. Mich fröstelt ein wenig bei dem Gedanken, das wärmende Auto nun verlassen zu müssen und den Abend im Rittersaal der Burg zu verbringen. Erinnerungen an frühere Besuche von Burgen im Winter machten der Befürchtung Platz, die wärmenden Jacken heut an behalten zu müssen und die innere Heizung anzuschühren und mit „Brennstoff“ zu versorgen.

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Erstaunlicher Weise ward dem dann doch nicht so. Nachdem wir unsere Freunde begrüßt und den Rittersaal betreten haben, stellen wir fest, daß uns wohlige Wärme entgegen kommt. Ein offener Kamin an der Stirnseite und ein kuschelig warmer Ofen inmitten des Saales, gleich hinter der niedlich kleinen Bühne, leisten ganze Arbeit und machen den urigen Saal zum Hort der Gemütlichkeit.

Wir sehen uns erst einmal um. Dutzende Stuhlreihen vor der kleinen Bühne. Die Außenseite des Saales ebenfalls mit Bänken und Stühlen ausgestattet. Es sind schon einige Schau- und Hörlustige vor Ort und besetzen allmählich die Plätze. Auch wir suchen uns eine Bank an der Seite.

Der Raum füllt sich. Irgendwie werde ich an die einstige Bestimmung dieses Ortes erinnert. An Treffen und Gelage der alten Ritter der späten Mittelalterzeit, welche hier wohl mehr als einmal feucht fröhlichen Festen gefrönt haben sollten.
Nun, auch wir werden heut hier ein Fest feiern. Eines der Klänge und Augenweiden.
Lasset die Spiele beginnen!

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Die Band betritt die winzige Bühne und wird sogleich umjubelt. Inzwischen ist der Saal so voll, daß ein Teil der Gäste sich stehend an der Seite platzieren muss. Jedoch die Sicht bleibt für alle gut.

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Mit „Zweiundzwanzig“ wird sofort der Sommer eingeläutet und uns wird es warm ums Herz. Gabriele, wie immer mit ihrem strahlensten Lächeln,

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Norbert, breit grinsend, Hartmut souverän seinen Bass streichelnd und „Schwechi“, seine Rhythmusinstrumente schön geordnet vor sich, das Mikro über sich wie ein „drohender Galgen“.

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Martin an seiner Gitarre, ein klein wenig gebremster als sonst, wie mir scheint, jedoch ebenfalls fröhlich lächelnd. Nun, für ihn ja quasi das erste Heimspiel in dieser Formation, kein Wunder, wenn da die Aufregung ein wenig größer ist als gewohnt.

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Neben vielen „Alten Bekannten“ wird heut einiges aus der Debüt-CD des Quintetts geboten und auch einige ganz neue Werke vorgetragen. Uns wird auf musikalische Weise erzählt, wie es so ist, wenn Mama die Rechnungen nicht mehr bezahlt. Nun irgendwann wird wohl jeder erwachsen. 🙂

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Während des Konzertes werden uns auch visuelle Eindrücke vom nordischen Giske geboten. Es werden traumhafte Fotos, passend zum jeweiligen Titel via Beamer auf die Leinwand der Bühne projiziert. Dieses Mal gibt es leider keine gelesene Geschichte aus Norberts Feder zu hören, dafür werden uns einige ungewöhnliche Klangkörper vorgestellt. Neben dem uns schon bekannten Megaphon und der „Meeresrauschenplastetüte“ gibts auch noch ein „singendes Weinglas“ zu sehen und hören. Schöne Idee und perfekt von Gabriele und Norbert im Wechsel gespielt.

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Dann kommt für Martin der große Moment. Er singt, wie schon beim Tourabschluss, „das Projektil“ und erntet dafür lautstarken Beifall. Sichtlich aufgeregt und augenscheinlich erleichtert, es punktgenau und fehlerfrei hinter sich gebracht zu haben, übergibt er mit einem „Abklatscher“ wieder an Norbert, welcher den Faden sogleich aufnimmt und weiter durchs Programm führt.

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Irgendwann, ich denke gerade: „bitte, bitte, hört doch nie wieder auf…“, muss es dann doch leider sein. Nach mehrfachen Zugaben und ohne lästige „Nathalie“-Forderungen, die letzte Verbeugung, das letzte Winken in den Zuschauerraum. Das Licht geht wieder an und das Konzert ist vorbei.

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Unter den ca. 180 Gästen des Abends waren heut sehr viele Verwandte, Freunde und Bekannte der Band. Neben der Schwester der Leisegangs, Marion Bohn, hat selbst die Mutter der Geschwister Leisegang den Weg auf die Burg gefunden und das Konzert sichtlich von ihrem Ehrenplatz aus genossen.

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Hier einmal mein ganz persönlicher und aufrichtiger Dank an sie. Ohne Sie wäre es heute nicht möglich, hier diesen zauberhaften Klängen lauschen zu dürfen, die wundervollen Texte und Melodien zu genießen und ihren Söhnen beim Musizieren zuschauen zu dürfen.

Sind es doch immer die Mütter, welche den Grundstein legen, damit Kinder zu dem werden, was sie dann später einmal sind.

Selbst als Mutter einer kreativ tätigen Tochter kann ich allen jungen und zukünftigen Müttern (und natürlich auch Vätern) nur raten: „ geht mit offenen Augen und Ohren auf Eure Kinder zu. Beobachtet sie schon im frühkindlichen Spiel. Und solltet Ihr bei ihnen eine kreative Begabung entdecken, bremst sie bitte nicht aus, sondern helft ihnen sie auszuleben, zu entwickeln und zu perfektionieren.“ Und mal ganz ehrlich, was gibt es denn schöneres, als irgendwann einmal erleben zu dürfen, wie das eigene Kind begeistert umjubelt und gefeiert wird, wenn es anderen Freude bereitet. Mit seinem Können, den Früchten seiner Begabung und jahrelanger hartnäckiger Arbeit daran.

In diesem Sinne noch einmal herzlichen Dank an die Eltern Leisegang, wie auch allen anderen Müttern und Vätern der Menschen, die uns tagtäglich mit ihrem künstlerischen Können Freude und Aufmunterung bringen.

Bericht: Birgit

Fotos: René und Jörn

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