Steiler Aufstieg fürs Akustik-Quintett

Der Tourplan verhieß wieder einmal ein Konzert im Malzhaus zu Plauen. Wie schön, dachte ich. Seit Längerem wieder einmal die Gewölbe des Malzhauskellers zu besuchen war mir eine besondere Freude. Ich war gespannt, wie sich das Konzept des akustischen Programmes dort umsetzen ließ.

Der Frühling versuchte an diesem Wochenende erneut einen halbherzigen Anschlag auf den in diesem Jahr besonders hartnäckigen Winter zu wagen und schickte die Sonne, welche sich ja nun lange genug in ihrem Wolkenbett ausgeruht hatte, ins Feld.
So machte es Spaß, die Autobahn entlang zu tingeln. … Kling -Klang, die Straßen entlang…, die wärmenden Strahlen wie auch die Vorfreude auf einen schönen musikalischen Abend mitnehmend.

Dann, irgendwann die Erkenntnis. Dieses Mal, sollte das Event nicht in den gewohnten Kellerräumlichkeiten stattfinden. „Galeriebühne“ ???! Schonmal davon gehört? Nee…!

Das war ein Novum. Mir war in der Vergangenheit der Glasbau zwischen den beiden alten Häusern noch nie bewusst geworden. Augenscheinlich schien er schon länger hier, nur meiner Erinnerung hatte er sich bis jetzt wohl entzogen.

Neugierig betraten wir das Portal. Treppe hinauf, ein wenig schmal zugegeben, an der etwas improvisiert wirkenden Bar und den Garderobenständern vorbei, kurz links abgebogen und schon waren wir dort. Unserem Auge bot sich ein modern ausgebauter Holzdachstuhl. Vorn ein eher kleiner Bühnenaufbau, vor dem sich Stuhlreihen befanden. Auch die Seiten waren mit mehreren Stuhlreihen besetzt und eine nach oben ausgebaute Galerie bot weitere Sitzmöglichkeiten.

Hier gab es auch eine wohl sehenswerte Fotoausstellung historischer Aufnahmen, welche wir aus Zeitgründen leider nicht näher betrachten konnten.

Wir nahmen in der ersten Reihe Platz und versorgten uns mit „Flüssigproviant“für den Abend.
So, nun konnte es los gehen.
Der Saal proppevoll, gespannte Gesichter bannten ihre Blicke auf die blau erleuchtete Bühne. Die Musiker erschienen nach und nach und wurden mit wohlwollendem Applaus begrüßt.

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Zwei plus zwei ist zweiundzwanzig…, die Klänge durchfluteten den Raum, Gesichter erstrahlten, Füße bewegten sich im Takt. Norbert begrüßte das Publikum. „… zum ersten Mal hier…(Pause), im Dachgeschoss des Malzhauses. Bisher durften wir ja nur im Keller spielen…“ (breites Grinsen seinerseits) Er hatte die Lacher auf seiner Seite. …Ja, ein wahrer Karrieresprung für die Band :-).

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Man fühlte sich schnell heimisch und ließ sich in purer Spielfreude treiben.
Die Interpretation von „Schwein“ rief wieder einmal überraschtes Jubeln im Publikum hervor. Augenscheinlich waren nicht nur eingefleischte Keimzeitfans gekommen. Nicht Jeder schien die alten Lieder zu kennen. Wie gut für die Band, auch ein neueres Publikum für sich einnehmen zu können. Das akustische Programm ließ augenscheinlich auch Liebhaber der etwas leiseren Klänge aufmerken und für sich interessieren.

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Kleine Texthänger wurden mit Schmunzeln hingenommen und auch für die neuen Songs gab es reichlich Applaus.
Dann, kleine Pause von 20 min.

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Zeit, dringende Bedürfnisse zu erledigen. So manch Raucher unter den Gästen mag schon unruhig auf seinem Stuhl hin und her gerutscht sein. Und der Getränkevorrat war ja nun auch am Versiegen.
Das Publikum nahm die kleine Unterbrechung gern und dankend an.

Dann wurde der Raum wieder in Dunkelheit gehüllt. An der Wand hinter der Bühne, zarte weiße Rauchschwaden, im Vordergrund ein Ständer mit Weinglas. Gabriele brachte das Glas zum Klingen. Stimmte der Ton noch nicht? Sie füllte noch etwas Wasser nach. Ja, jetzt passte es. Das Glas kam ins Schwingen und erzeugte einen quietschend singendenTon.

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Genau die richtige Atmosphäre für „Schmetterlinge“. Wundervoll, dieses Werk jetzt endlich wieder einmal live hören zu können. Einer meiner geheimen Wünsche wurde auf dieser Tour wahr.

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Ich hatte dann auch eine „tragende Rolle in diesem Stück“. 🙂 Durfte ich doch den Ständer mit Glas wieder von der Bühne räumen. „Oh, hoffentlich komme ich nicht ins Straucheln und verschütte den Inhalt über Gabriele oder die Zuschauer der ersten Reihe…! Puuuh, geschafft! Alles reibungslos hin bekommen…“.Erleichterung meinerseits.
Das Programm ging nahtlos weiter.

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Wir erlebten ein sehr aufmerksames Publikum, welches gebannt auf die Protagonisten schaute und wohlwollend, aber nicht überschwänglich Beifall spendete. Ein wenig mehr Euphorie wäre mir wünschenswert gewesen, aber auch von früheren Konzerten in Plauen hatte ich das Publikum als ein etwas Zurückhaltendes in Erinnerung. Nun, dies sollte ja nichts Negatives bedeuten und beim Zugabenblock tauten die Leute doch merklich auf.

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Ich sah in fröhliche, zufriedene Gesichter, hörte Worte des Lobes und der Begeisterung. Man hatte einen schönen musikalischen Abend und zog glücklich von dannen, plaudernd mit Freunden, nach Hause oder in eine nächtlich noch geöffnete Bar, um den Abend ausklingen zu lassen.

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Auch wir traten nun unseren Weg zum Nachtquartier an. Stand doch am nächsten Tage noch ein wenig Familienprogramm auf der Tagesordnung, wie jedes Mal, wenn wir in dieser Gegend zu Gast waren.

Bei eisiger Kälte erlebten wir am nächsten Tage noch etwas „Wildleben hautnah“, bevor wir bei grau verhangenem Himmel wieder die Heimreise antraten.
Der Winter hatte noch einmal gesiegt und schlug die Welt wieder in seinen frostigen Bann.

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In unsere Herzen jedoch war der Frühling längst eingekehrt. Mit wärmenden Klängen einer wundervoll gespielten Geige, zauberhaften Melodien, lebensfrohen Texten und einem Gefühl des Glücks, bei Freunden immer wieder willkommen zu sein.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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