Urlaubsoptimierung …

mit „Akustik im Keimzeitformat“

Nach unserem ersten „Midtsommerkonzert“ in Raben, – endlich eine Woche Urlaub! –
Das Glück war mit mir. Winterurlaub mit richtig viel Schnee. Thüringen war mein Garant dafür. Schon auf der Fahrt ins Thüringer Land gab es die ersten Berührungspunkte mit all den Nebenerscheinungen eines „plötzlich hereinbrechenden“ Winters.

Natürlich war der Winterdienst komplett überrascht vom heftigen Schneetreiben auf Autobahnen und Landstraßen und wir schlichen gemütlich dahin. Die nächsten Tage düster und grimmig kalt. Statt mich der weißen Pracht so richtig zu freuen, zog ich es vor, mich im Warmen zu erholen und meine, ziemlich hartnäckige, Erkältung auszukurieren. Dann gabs noch ein kleines Fest zu feiern, bevor es René und mich wieder gen Berlin zog.

Wäre ja auch wohl ein Ding der Unmöglichkeit, unser Akustik-Quintett so dicht an meinem Wohnhaus spielen zu wissen und nicht dabei zu sein.
Ja, dieses Mal hätte ich den Veranstaltungsort quasi von meiner Wohnung aus erlaufen können, welch seltene Gelegenheit.

Das Lichtenberger Rathaus hatte unsere Band geladen, den Abschluss seiner „Nacht der Politik“ mit ihrer Musik zu krönen. Ungewöhnliche Kulisse für ein Konzert dieser Art. Wir durften gespannt sein.
Es hieß, so bald wie möglich vor Ort sein, um noch einen Platz im Ratssaal zu erhaschen, wollten wir nicht das Konzert im „public viewing“ via Leinwand im Ratskeller erleben.

Nun, ab 18:00 Uhr sollte das Programm des Tages beginnen und die Band gegen 21:00 dann mit ihrem Konzert den Abschluss bilden.

Der Plan war, so früh wie möglich Plätze sichern, mit „Handtüchern“ in Form von Winterjacken die vordere Sitzreihe belegen. Doch…, denkste! Nix da, Plätze belegen… Der Saal war schon proppevoll. Hier liefen diverse Vorträge über Städteplanung und „Bürgerinitiativen“ in Lichtenberg ( meinem Kiez). Eigentlich auch interessant für mich, aber andererseits war unser Hiersein ja anderen Erlebnissen geschuldet. Nun, jetzt hieß es, geduldig vor der Tür warten. Das Ohr kurz in Richtung Saal gerichtet um mitzubekommen, was die Vorhaben mit meinem heiß geliebten Hubertusbad, in dem ich als Kind von 5 Jahren einmal das Schwimmen erlernte, wohl wären. Wir hielten aus, in der Hoffnung, die im Saal sitzenden Personen würden sich nach den politischen Beiträgen erheben und Diesen verlassen.

Dann war es soweit. Schlussapplaus, die Sitzenden erhoben sich von ihren Plätzen. Nun zumindest der größere Teil… . Ein älterer Herr, wohl mit der Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit beauftragt, wurde langsam leicht nervös. „Ich muss erst einmal die eine Tür schließen…, die Leute müssen erst einmal raus aus dem Saal. Bitte treten Sie doch nochmal zurück…“ Der Mann schien ein wenig überfordert. Dabei drängelte doch niemand. Seine Anweisungen gingen hin und her, so daß am Ende niemand mehr wusste, ob nun „raus“ oder „rein“. Schlussendlich klärte sich alles auf und wir konnten den Saal besetzen.

Unter den Gästen des Abends waren auch wieder ein paar Bekannte. Man begrüßte sich freudig und war gemeinsam gespannt auf das Kommende.

Ich sah mich um. Es hätte auch gut in meinem Wohnzimmer stattfinden können, dieses Konzert. Na gut, ein wenig übertrieben vielleicht, aber Wohnzimmeratmosphäre war allemal gegeben. Der ja eigentlich eher für Ratssitzungen, als für Konzerterlebnisse ausgelegte Saal wirkte schon etwas kuschelig klein und die Bestuhlung tat noch ihr Übriges, die Plätze rar werden zu lassen. So wurden die Wandseiten auch noch stehend genutzt, die kleine Fläche vor der „Bühne“ ( welche zwar über die gesamte Raumbreite ausgelegt, aber nur ca. 2m in die Tiefe ging) mit auf dem Boden sitzenden Leuten gefüllt und die große Saaltür offen stehen gelassen, um noch einigen Leuten mehr die Möglichkeit des Zusehens zu bieten.

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Der Bühnenaufbau war dieses Mal auch ein wenig ungewöhnlich. Alle Musiker waren in einer Reihe aufgestellt, nach hinten war nur noch für die Instrumentenständer ein wenig Platz.
Die Musiker drängelten sich durch den vollen Saal und betraten freudig aufgelegt ihr heutiges „Podest“. Gut gelaunt und hoch motiviert wirkten sie. Man sah ihnen den Spaß an diesem Event förmlich an.

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Natürlich, wie konnte es auch anders sein, gab es so einiges, was anders lief, als bei einem herkömmlichen Konzert. So gab es den „Spaßvogel“, der jedes der Lieder aus dem Publikumsraum heraus kommentieren musste, bis er endlich, Norbert zugewandt laut plappernd „er hätte es mit dem Kreislauf“ den Raum verließ. Aus Ermangelung an Erfrischungsgetränken auf der schmalen Bühne, teilte sich Gabriele mit Martin eine Flasche, die sie sich immer wieder gegenseitig zureichten.

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Beim Stellungswechsel verwickelte sich Gabriele auch schon mal in den herumhängenden Kabeln und Norberts Ukulele machte sich kurz bemerkbar, indem sie den Gitarrenständer verließ und laut krachend zu Boden viel. All diese kleinen Sondereinlagen riefen fröhliches Lachen in allen Zuschauerreihen wie auch bei den Protagonisten hervor. Selbst der Bürgermeister wippte begeistert im Takt der Musik.

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Dann kam unser Lars ins Spiel. Er stellte den Ständer mit dem zuvor präparierten Weinglas vor Gabriele auf.

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Norbert kündigte das Lied „Schmetterlinge“ an und Gabriele benetzte ihren Mittelfinger und begann über den Glasrand zu streichen.
Ein erschrockener Blick, dann Lachen… „Es geht nicht“…, „Norbert, kannst Du?“…

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Nun versuchte Norbert sein Glück. Momente lang andächtige Stille. Dann, der erste zaghafte Ton. Die Band begann das Lied einzuspielen. Norbert zu Gabriele, welche mit großen Augen neben ihm stand:“ … singst Du für mich?“… Lachen im Saal. Gabriele reagierte spontan, nahm das Mikro in die Hand und reichte es Norbert zu. Nun war alles gut, der Song gerettet und mit Bravour zu Ende gebracht. Begeisterung im Publikum.

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Eigentlich sollte das Konzert wohl nur gut eine Stunde laufen, aber Publikum heizte Musikern und Musiker Publikum ein. Die Zeit verging für alle unmerklich und es folgte Zugabe auf Zugabe, so daß die 2 Stundenmarke dann doch knapp erreicht wurde. Dann sollte wohl das Ende des Konzertes gekommen sein, als ein kleiner Junge zu Norbert nach vorn gereicht wurde und ihm etwas ins Ohr flüsterte.

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„Natürlich! Da haben wir doch den „Löwen“ vergessen!“ Der Wunsch des Kleinen wurde nun auch noch erfüllt und ein für Alle erfüllender Abend nahm langsam sein Ende.
Wir verabschiedeten uns für ganz kurze Zeit, sollten wir uns am Samstag abend in Potsdam schon alle wiedersehen.

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Einmal Schlafen und einige Stunden später klingelte es an meiner Tür. Heute war Fahrgemeinschaft angesagt. Katrin und Lars hatten uns eingeladen, mit ihnen zusammen nach Potsdam zu fahren.

Wir machten uns recht zeitig auf den Weg, um früh genug vor Ort zu sein, damit uns die Parkplatzsituation und die örtlichen Gegebenheiten nicht übervorteilen konnten.

Kalt war es heute. Uns fröstelte bei dem Gedanken, jetzt aussteigen zu müssen, jedoch die Vorfreude aufs Konzert trieb uns voran. Die Reithalle lag vor uns, das Innere war erleuchtet und im Vorraum standen zwei Personen mit Kaffeebechern in ihren Händen. Hoffnungsfroh auf das wärmende Entree griffen wir zum Türöffner. Doch die Tür sprang nicht auf. Wir wurden von den Zwei Herren durch das Glas des Portals hindurch auf die Rückseite des Gebäudes verwiesen.

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An der „Wasserseite“ sollte der Kartenverkauf und somit der Einlass sein. Dem ward dann natürlich nicht so. …Vielen Dank noch, für die kleine Reise in den „weißen Sand“. Frierend irrten wir nun umher. Die warm erleuchteten Fenster eines kleinen Restaurants brachten uns auf die Idee, die Wartezeit mit einem „Kaffee-Latte“ zu versüßen. Nichts ahnend, daß es sich um ein nobles Weinrestaurant handelte, traten wir ein und wurden sogleich in die oberen Räume verwiesen. Der Kellner, ein wenig enttäuscht, daß wir die kulinarischen Köstlichkeiten des Hauses verschmähten, brachte uns unsere Heißgetränke und kassierte mit einem Blick des Bedauerns dann ab. Wir, etwas erwärmt, traten den Weg zur Reithalle zurück an. Dort hatte indes doch der Einlass längst begonnen und auch wir wurden freundlich empfangen.

Dieses Mal, etwas untypisch für unser Akustik-Quintett, ein Stehkonzert. Es galt, schnell in die erste Reihe, zwischen die großen Boxen und nicht mehr vom Flecke weichen. Die Wartezeit füllten wir mit Gesprächen und Pausensnacks aus der Tupperdose. Der Saal füllte sich allmählich und die Spannung stieg. Es hieß, das Konzert sei ausverkauft. Angenehm aufgelockert die Reihen und die Stimmung der Erschienenen. Schön, daß man nicht hoffnungslos überbucht, sondern mit Sinn und Verstand geplant hatte. Jeder hatte noch Platz zum Atmen und etwas Bewegungsraum.

Ich sah mich im Saale um. Eine Alterstendenz im Publikum konnte ich nicht registrieren. Sowohl Junggebliebene, als auch blutjunge Zuschauer waren hier zugegen. Wie es für Keimzeitkonzerte seit Jahren bekannt und durchaus gewünscht. Hier kommen Generationen zusammen. Auch wenn es beim Akustikprogramm etwas leiser und ruhiger zugeht, als bei der großen Band, spricht diese Musik so ziemlich jede Altersgruppe an.

Dann wurde es still im Raume. Das Licht erlosch und die Bühne erstrahlte. Die Musiker eroberten ihre Plätze und das Konzert konnte beginnen.

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Fröhlich stimmte man an…“ zwei plus zwei ist zweiundzwanzig…“. Der Opener, von Gabriele an der Mandoline begleitet. Ja, an der Mandoline, nicht Violine. Ein neues Instrument im Programm.

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Es sollte nicht das Einzige bleiben. Martin würde sich später am Abend neben der Gitarre auch noch am 6-Saiten-Banjo üben. „Breit“ und „Amsterdam“ bekommen dadurch eine besondere Note.

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Und immer wieder Gabrieles bezaubernde Geige. Und immer wieder Satzgesang. Harmonisch fügt sich nicht nur Gabrieles Stimme, auch Christian und Martin stimmen immer wieder mit ein. Fast wie ein Chor klingt schon mal der Refrain.

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Augenscheinlich waren heut nicht überwiegend eingefleischte Keimzeitfans vor Ort. Das überrscht amüsierte Lachen beim Hören des Textes von „Schwein“ outete so Manchen als „Frischling“ was das Hören von keimzeitlichem Liedgut betraf. Lachend wurde auch kommentiert, als Norbert verkündete, sein Akku sei leer. -Nun, eine neue Batterie für „die Ohren“ und alles war gut.

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Dieses Mal sollte auch das singende Glas seinen Dienst ohne zu verstummen versehen und Bewunderung machte sich unter den Zuschauern breit.

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Natürlich gab es auch wieder einige Zugaben und die Gesichter, die ich sah, beim Verlassen des Saales verhießen Zufriedenheit und Freude über das gerade Erlebte.
Wieder war ein einzigartiges Konzert zu Ende gegangen.

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Sicherlich, trotz Darbietung einiger „Alter Klassiker“ eine ganz andere Baustelle als die, der „großen“ Keimzeitband. Das soll es auch sein. Hier im Akustik-Programm ist die Wertigkeit anders. Während das große Set auf Klangfülle setzt, lautstarke Instrumentalsoli favorisiert, sind es hier eher die sanften Töne, leisen Akkorde, liegt der Schwerpunkt auf Harmonie von Text und Musik. Hier wirkt die Melancholie der norwegischen Küste und ihrer Bewohner in den Tönen und Klängen nach, an der das zugehörige Album entstand. Aber nicht Traurigkeit ist hier tragend, bestenfalls etwas Nachdenklichkeit und sinnende Ruhe. Dann aber auch wieder die leichte Beschwingtheit eines Sommermorgens am Meer. Das Quintett nimmt uns immer wieder mit, auf die Reise in den sprichwörtlich „unterkühlten Norden“ welcher so unterkühlt wahrlich nicht ist.
Mag es sicherlich immer wieder Leute geben, welchen hier das „Rockige“ fehlt…, die Erwartungen an ein Akustikprogramm werden in diesem Sinne mehr als erfüllt.

Eine Woche Winterurlaub + drei Konzerte des Keimzeit-Akustik- Quintett = vier Wochen gefühlter Urlaub ( wenn man der „Fröhlichtheorie´s“ Anhänger ist*). Das ist perfekte Urlaubsoptimierung und so ganz nach meinem Geschmack.

*) Die „Fröhlichtheorie besagt: ein Keimzeitkonzert ist gleichzusetzen mit einer Woche Urlaub.

Bericht: Birgit

Fotos und Video: René

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2 thoughts on “Urlaubsoptimierung …

    Jana und Matthias said:
    20. Februar 2013 at 20:05

    Oh, toller Bericht, wieder schöne Fotos, schade nur, nicht dabei gewesen zu sein…
    Kleine Korrektur nur … ja wir ( die Fröhlichs ) pflegen diesen Spruch „ein Keimzeitkonzert ist gleichzusetzen mit einer Woche Urlaub“ in guter alter Tradition, die Theorie entwickelt hat allerdings unser liebster Lutzl, wir sind jedoch diejenigen, die diesen Tatbestand sooft wie nur möglich erleben möchten…gemeinsam mit Allen, die auch gern Keimzeit-Urlaub machen …grinsss….

    Helga said:
    18. Februar 2013 at 16:39

    danke für die Konzertbesprechungen, da hat man auch als Nichtanwesender das Gefühl dabei gewesen zu sein

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