Akustisches Doppel im Rittersaal zur Burg Rabenstein

Ganze elf Tage ist das Jahr 2014 nun alt. Noch nicht zu spät ein „gesundes Neues“ zu wünschen. Was wird dieses Jahr wohl für uns bereit halten? Nun, zumindest musikalisch gesehen scheint es ein schönes, interessantes und überraschendes Jahr zu werden. Seien wir gespannt!
Den Auftakt macht in diesem Jahr das „Akustik-Quintett“ mit seinem, seit langer Zeit schon geplanten Doppelkonzert im Rittersaal zur Burg Rabenstein im schönen Fläming.

Zwei aufeinander folgende Tage, zweimal volles Haus und zweimal großartige Stimmung.
Wir sind nun am Samstag dabei. Vom Regen leicht durchnässt betreten wir den Saal. Einen Platz mit guter Sicht auf die Bühne zu erhaschen ist gar nicht so leicht. Die ersten Reihen sind entweder schon besetzt oder reserviert. Ja, hier werden viele Verwandte und gute Freunde der Band zugegen sein. Quasi ein Heimspiel… – „Wohnzimmerkonzert“.

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Wir finden dann doch noch ein nettes Plätzchen an der Seite der Bühne und besetzen Dieses, in fester Absicht, es nicht wieder her zu geben. Der Saal füllt sich schnell. Rege Gespräche in den Reihen. Es bilden sich Menschentrauben, man begrüßt freudig alte Bekannte und lang nicht gesehene Freunde.

Meinen Ohren entgeht nicht, wie sich über vergangene Zeiten ausgetauscht wird. Hinter mir erklärt man sich gegenseitig, wer wessen Studienfreund war und wie der Zusammenhang zu Keimzeit und den Musikern zu Stande gekommen war. … Ja, wir werden wohl alle älter, denke ich mir. Und ein großer Schatz an Vergangenem lebt in der Erinnerung weiter.
Aber wie, schnappe ich ein geflügeltes Wort auf?: „Älter werden ist die einzige Chance auf ein langes Leben…“ Welch kluge Worte, denke ich noch, als das Konzert beginnen sollte.

Eine kurze und bündige Ansprache des „Burgherren“ Fritz Lintow, in der die Geschichte der Burg kurz angeschnitten wird und die inzwischen zur Tradition werdenden Keimzeitkonzerte als bereichernde Höhepunkte gepriesen werden, bringt die Einleitung zu einem außergewöhnlichen musikalischen Abend.

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„Aber Ihr wollt hier sicher keine langen Reden hören, sondern gute Musik…, darum bitte ich nun das Keimzeit-Akustik-Quintett auf die Bühne und wünsche viel Spaß“. So, oder so ähnlich wird die kleine Ansprache beendet.
Applaus. Die Musiker betreten die Bühne.

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„Jedes Mal wieder bin ich so richtig aufgeregt vorm Konzert“, erklärt mir eine Freundin. Ich kann mich dem nur anschließen. Es ist auch bei mir jedes Mal wieder ein Höhepunkt im Leben, einem der, immer wieder erfrischenden und nie langweilig werdenden Konzerte zu lauschen. Grad jetzt wird mir wieder einmal bewusst, ein doch sehr bereichertes Leben führen zu können. Die kleinen Freuden sind es doch, die dem Leben die Würze geben. In Momenten wie Diesen vergesse ich all die Schwierigkeiten und Sorgen, gebe mich ganz den Tönen hin, sauge die Textzeilen in mich auf und bewundere die Fähigkeiten der einzelnen Musiker.

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Das Spiel beginnt fröhlich mit dem altbekannten Titel „22“. Das Publikum ist sofort da. Treibt die Musiker an und sogleich zur Höchstform. Man sieht den Spaß, den beide Seiten an den Klängen empfinden. „Trauriges Kind“ und das „Gute Beispiel“ treiben diesen Spaß weiter. Dann etwas Erstaunliches für mich: „Erzähl mir von Dir“ in akustischem Gewand. Man kennt es doch eher als rockige Nummer, laut, mit vielen elektrischen Akzenten. Nun, mit nur zwei Gitarren, Bass und Schlagwerk ein neues Hörgefühl für mich. Ich muss sagen, obwohl ich die kräftigeren Klänge ebenso mag, ist diese „Handmade-Version“ mit eben soviel Charme besetzt und schmeichelt meinem Gehör.

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Dann, etwas später siegt die Melancholie. Neues aus Norberts Feder drängt in mein Ohr. Ungewohnt noch, jenseits schlagerhafter Harmonien, wehren sich die Töne gegen ein Einpressen in altvertraute Melodiesequenzen. Texte, schwermütig, nachdenklich aber lebensbejahend fügen sich ein. Mein Hirn ist gefordert, folgt dem Gehörten, versteht es noch nicht ganz, ist aber auf gutem Weg.
Ja, nicht zuletzt darum liebe ich die keimzeitliche Musik. Es gibt, glaube ich kaum ein Stück, welches sich sofort auf die „Festplatte brennt“, beim ersten Hören sogleich Gewohnheit eintreten lässt.

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Weiter geht’s mit alt bewährtem Liedgut. Der „Fanchor“ ist wieder da. Auch an witzigen Einlagen aus den Publikumsreihen sollte es nicht fehlen. „Breit“ und „Amsterdam“ lassen das fröhliche Party-Feeling wieder aufleben. Im Rittersaal wird geklatscht, gejubelt und gepfiffen.
Plötzlich wieder Ruhe. Alle Musiker verlassen die Bühne, außer Gabriele und Norbert. Der Saal verdunkelt sich, roter Spot auf die zwei.

Norbert erhebt die Stimme zum Titel „der schlaue Kasper“. Die Melancholie ist zurück. Gabrieles Geige scheint zu weinen. Sie fleht. Während Norbert in seinem Text sich verabschiedet. Vom Kasper, von alten Mustern, Gewohnheiten welche ihn zu irritieren suchen. – Meine Interpretation? Vielleicht. Sowohl Text als auch Musik lassen der Phantasie des Hörenden Raum.
Ein Violinensolo beendet den ersten Teil des Konzerts. Gabriele spielt sich wieder einmal in die Herzen der Zuhörer. Lässt die Anwesenden mit offenen, oder auch geschlossenen Augen lauschen, in Tagträume versinken oder in Verzückung geraten.
PAUSE.

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Ich sitze noch ein kurzes Weilchen allein auf meiner Bank. Teils nachdenklich emotional, teils innerlich voll Freude über dieses Wiedersehen und die musikalische Tiefe, die ich hier erleben darf.
Dann werde ich herausgerissen aus meiner inneren Welt. Ein paar nette Gespräche mit Freunden, ein Glas erfrischendes Nass. Das Jetzt und Hier hat mich wieder.
Der Rittersaal füllt sich wieder, die Pause ist vorbei.

Wieder eine kurze Einleitung des „Burgherren“ und das bunte Treiben auf der Bühne kann weiter gehen. „Farben“ werden nicht nur musikalisch gezaubert. Ein Farbenmeer spiegelt sich auf der Leinwand hinter der Band. Auch für den urigen Saal hat sich die Lichttechnik etwas Besonderes einfallen lassen. In jedem Burgfenster farbiges Licht. Mal rot, dann blau oder weiße Lichtblitze erhellen die tiefen Fensternischen.

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Natürlich kommt auch der Beamer zu vollem Einsatz. Bilder, kleine Filmchen, oder auch Farbspielereien komplettieren das Gesamtbild der Show.
Bei „Schmetterlinge“ kommt das „berühmte“ Weinglas als Instrument wieder zum Tragen und wird dieses mal von keinem Geringeren als Jürgen Block höchst persönlich auf die Bühne getragen und wieder hinunter gestellt.

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Dies natürlich begleitet von lautem Applaus des Publikums.

Immer wieder einen Publikumslacher wert, der Vortrag des „Schwein“, wie auch Martins Geste zu Norbert hin, bei der Schlusszeile des „Projektil“: „ traurig nur das Eine, es ist seine Geschichte, doch nicht Meine“.

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Der „Hofnarr“, kurzfristig wieder ins Programm aufgenommen, ist wieder schneller geworden. Zungenbrecherisch hangelt sich Norbert durch die Textzeilen, begleitet vom „Ritterchor“ des Publikums, welches sich nicht abhängen lässt und getrieben von seinen Mitstreitern an den Instrumenten.

Dann wird die Crew, wie jedes Mal vorgestellt. Zuerst die bezaubernde Gabriele, dann die „Jungen um die dreißig“ und der „frisch gebackene Opa“ Hartmut. (Von hier aus noch Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für Eltern, Großeltern und Kind)

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Auch die Jungs an der Technik werden gebührend gefeiert.
„Ich weiß nicht, irgendwie sehen die zwei aus, wie die Beiden von der Muppetshow“ sprach Norbert und der Saal brüllte vor Lachen.
Nun, „Waldorf“ und „Stadtler“ haben an diesem Abend ja auch Großes geleistet. 🙂

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Allein der Herausforderung des Aufbaus der Technik in diesem Gemäuer die Stirn zu bieten, um uns eine so hochwertige Show erleben zu lassen, verdient einen besonderen Applaus.

„So“ sollte der Abend eigentlich zu Ende gehen, doch da hatten die Musiker die Rechnung ohne den Wirt, respektive das Publikum, gemacht. Selbstverständlich fordert die „Holde Ritterschaar“ Zugabe um Zugabe. Und selbstverständlich sind unsere Musiker gern bereit dazu, noch einige Titel zu spielen.

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Nicht nur zu meiner Freude kommt wieder einmal die altbewährte Plastetüte zum Einsatz. Es hat diesmal fast was Erotisches, wie Christian „Schwechi“ sie streichelt und knetet. Dafür bekommt er am Schluss auch sein selbstpersönliches „la mer“. Nur, was macht er daraus? …“Schlag-zeu- geeer“ … ich kanns nur mit Martin sagen: „Always Look on the Bright Side of Life“.

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Der erste keimzeit-musikalische Abend für uns und der Zweite in diesem noch jungen Jahr überhaupt, geht nun leider zu Ende und nach einer kleinen Zeit des „Runterkommens“, Ausdiskutierens des eben Gehört und Gesehenem, heisst es nun Abschied nehmen. „Tja, es hilft wohl nichts…, wir werden nun wohl wieder öfter vorbei kommen müssen“. Augenzwinkernd und mit einem fröhlichen Lächeln sagen wir allen „Auf Wiedersehen“. Bis bald. Hoffentlich bis sehr bald!

Unterwegs sehe ich bei FB noch ein Konzertbild mit dem Titel: „Ein Traum“.
Ja, das war es wieder einmal! Ein Traum aus tausend und einer musikalischen Nacht!

Bericht: Birgit

Fotos: René

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