Keimzeit, Kult und Weihnachtsfest

Zwar etwas verspätet aus persönlichen Gründen, möchte ich es doch nicht versäumen, über einen der jährlichen Tourhöhepukte unserer Band zu berichten.
Schon seit gefühlt ewigen Zeiten ist es zu einer schönen Tradition geworden, das Konzertjahr im Freiberger Tivoli abzuschließen. So geschehen auch am 20.12. letzten Jahres.

Leider hatte „Frau Holle“ auch dieses Mal nicht so die rechte Lust, das sächsische Städtchen mit Bergbautradition in weihnachtliches Weiß zu hüllen. So schickte sie dann doch eher den Regengott mit naßkaltem Wetter vor, was den Weihnachtsmarktbummel vor dem Konzert für uns dann doch etwas kürzer als sonst ausfallen ließ.

keimzeit_freiberg2014_64

Die gute Laune jedoch konnte uns das eher spät herbstliche Wetter nicht verderben. Die Vorfreude auf das kultträchtige „Weihnachts-Familientreffen“ der Keimzeitgemeinde war dazu einfach zu groß.

Kaum durchs Portal des Tivoli getreten, wurden auch schon die ersten Freunde und Bekannten begrüßt. Von einem Plakat im Entree prangte, für alle ersichtlich das Konterfei eines anderen, mit unserer Band befreundeten Musikers, umrahmt von Schriftzügen in einer sehr schönen Schriftart, welche allerdings so manchen Zeitgenossen zu reger Diskussion anregen mochte. Felix Meyer, ich erinnerte mich an das letzte Jahr. Just hier im Tivoli, wie auch den vorhergehenden Abschlusskonzerten, als Gast unserer Band geladen und von diesem Moment an in unsere musikalischen Herzen geschlossen.

Auch in diesem Jahr kam Keimzeit nicht allein. Es sollte nicht nur vor der Bühne recht voll werden. Inzwischen auch schon Kultstatus erlangt, die Präsenz der Liedübersetzung in Gebärdensprache für die Musikfans, welche Musik auf eine etwas andere Art erleben, als die, welche uns geläufig ist. Laura M. Schwengber, inzwischen schon quasi ein temporäres Mitglied der Band, erfreute mit ihrer „Interpretation“ der Keimzeitmusik nicht nur die gehörlosen Fans der Band, sondern wohl annähernd Jeden, der gekommen war, um mit allen Sinnen den Abend zu genießen.

keimzeit_freiberg2014_11

Aber auch ein weiterer Gast, nein, besser bezeichnet als Freund, war geladen. Dieser Abend sollte ein wenig gitarrenlastig ausfallen. Lars Kutschke, ebenfalls als temporäres Mitglied der Band zu bezeichnen, bereicherte das Programm wieder einmal mit seinem brillanten Können an der Gitarre.

keimzeit_freiberg2014_02

So mancher Zeitgenosse wünschte sich nach diesem Abend, er möge doch dauerhaft die Band mit seinem Spiel begeistern. Diesem Wunsch schließe ich mich uneingeschränkt an.

keimzeit_freiberg2014_49

Dieses Mal hatte die Band wohl ganz tief in ihrem musikalischen Schatzkästchen gekramt und einige besonders wertvolle Perlen herausgezogen. Alte Bekannte, lang nicht mehr gehört, wiederentdeckt und abgestaubt. Etwas aufpoliert und in ein frisches Gewand gesteckt. Voila! Einer Wiedergeburt gleich erschienen sie fast wie neu.

keimzeit_freiberg2014_27

Begonnen hatte die Band mit „Avantgarde“, vom, damals umstrittenen Album „Im elektromagnetischen Feld“. Was sich damals noch als gewagt und futuristisch ausnahm, erscheint heut längst nicht mehr gewöhnungsbedürftig. War man Ende der 1990-ger seiner Zeit schon um einiges voraus oder haben sich die Hörgewohnheiten inzwischen allgemein leicht gewandelt?

keimzeit_freiberg2014_18

Dann ging man in der keimzeitlichen Musikgeschichte noch ein wenig weiter zurück. „Kleinod“, wie schön, das wieder gefunden zu haben! Und da wir schon einmal bei Kleinodien sind, oben drauf noch eines meiner lang vermissten Werke:“Der Steinmetz“. Dieses Lied hatte mich schon immer im Sinne berührt. Wie oft wird doch wahres Talent erst durch Zufall entdeckt und wie häufig kommt es vor, daß die Stärken eines Menschen nicht in dem liegen, was er tagtäglich tut, sondern in dem, was einfach, so ganz nebenbei passiert.

keimzeit_freiberg2014_09

Natürlich sollten auch diesmal die Neuerscheinungen nicht fehlen. Immerhin sitzt ein neues Studioalbum schon in den Startlöchern und wartet nur darauf, endlich die Ohren und die Herzen der Fans zu berühren.

keimzeit_freiberg2014_41

Und auch die Klassiker wie „Kling-Klang“ und „Maggie“ waren wie immer am Start.

keimzeit_freiberg2014_07

Das Publikum ließ die Band nicht in den verdienten Weihnachtsurlaub ziehen, ohne sein heiß geliebtes „Nathalie“ zu zelebrieren. Dieses Mal in schauspielerisch- komödiantischer Manier von Laura begleitet und ausgeschmückt, blieb kein Auge trocken und der Applaus dauerte minutenlang an. „…Sie hatte so schöne blaaaauuue Auuugen, Nathaliiiiiiiie…“

keimzeit_freiberg2014_55

Irgendwann war der musikalische Abend dann aber doch vorbei und gab den Saal frei für die Erfüllung von Autogrammwünschen, lange Gespräche mit den Musikern und das eine oder andere Abschiedsglas.

keimzeit_freiberg2014_63

Wir feierten „mit der Familie“ noch bis spät in die Nacht und zogen im Morgengrauen los zu unseren Hotels, um am nächsten Tage wieder die Heimreise anzutreten.

Mein Weihnachten war wieder einmal vorbei. Der Rest des Jahres gehörte nun der Arbeit mit den Menschen, die keine eigene Familie mehr haben, die alt und krank und oft ein wenig einsam sind.

Ich danke Keimzeit, dem Management,den äußerst liebenswerten Mitarbeitern des Tivoli- Freiberg, allen, die an diesem Abend arbeiten mussten (oder durften) und unseren Freunden aus Nah und Fern für diesen bezaubernden Fast-Weihnachtsabend und ein bereicherndes musikalisches Jahr.

Bericht: Birgit

Fotos: René

Share Button

Kommentar verfassen