Sammen med „SPIREDIT“ i Ålesund

Zusammen mit „KEIMZEIT.“ in Ålesund

Liten Øy Giske – die kleine Insel Giske…2012 war dieses wunderschöne Kleinod an der Atlantikküste unweit von Ålesund Ort der Studioaufnahmen zum Akustik Album „Midtsommer“. Im Studio von „Ocean-Sound-Recordings“ wurde nicht nur ein berührendes Album zum Leben erweckt, nein es müssen wohl unvergessliche Wochen gewesen sein, und so entstand vermutlich schon damals der Gedanke, dieses norwegische Werk einmal vor dem dortigen Publikum zum besten zu geben. 2013 hat dies noch nicht geklappt, aber 2014 sollte es soweit sein. Keimzeit-Akustik-Quintett in Ålesund (No) beim alljährlich stattfindenden Midtsommer- Jazzfestival. Was für eine Gelegenheit für uns, mal wieder verrückt zu sein.

Es bot sich einfach an … Norwegen (unser Traumland), Giske, Keimzeit, Midtsommer – die Kombination der Kombinationen, da wollten wir mit …und um Euch ein wenig teilhaben lassen zu können nun ein paar Zeilen für die Daheimgebliebenen.

Rechtzeitig Flug, Hotel und Mietwagen gebucht ( für drei Tage in Norwegen ein Batzen Scheine – aber wofür lebt man sonst ? ) stieg mit jedem Tag die Vorfreude. Auch und gerade deshalb, weil wir voriges Jahr 5 Wochen lang Norwegen bereisten und davon 3 Tage mit unserem kleinen Zelt vor dem Studio am Strand nächtigten, die Crew des Studios kennenlernten und die Gegend um Ålesund als eine der schönsten Gegenden von Norwegen ( gibt es überhaupt eine Gegend, die nicht schön ist dort ? ) genossen. Die KLM brachte uns am Donnerstag ( KEIMZEIT. reiste bereits am Mittwoch an ) über Amsterdam nach Vigra, den Flughafen von Ålesund. Zwei mal starten und landen und das Ganze auch wieder zurück, eine Geduldsprobe für mich als Mann einer mit Flugangst behaften Frau.

Vorfeude

Meine rechte Hand wurde mehrfach abgequetscht von Jana´s linker, beim Start, bei Kurven, bei „für sie seltsam wahrgenommen“ normalen Geräuschen, bei Luftlöchern und bei der Landung natürlich …ich sag Euch nichts… . Da hilft wohl in Zukunft nur, die Jana fleißig weiter ins kalte Wasser zu schmeißen.
Und dann das für die Fröhlichen normalste der Welt, abgereist in Berlin bei 30°C, aus der Flughafenhalle auf Vigra raus…10°C und leichter Regen…die „Fröhliche Wolke“ eben.
Wer sich noch fragt, warum Midtsommerjazz im Mai ?, ja das passt nicht ganz, aber die Veranstalter sahen sich aus „fußballtechnischen Gründen“ gezwungen, das Ganze vorzuverlegen, sei es drum…
Also, Mietwagen abgeholt ( ein Yaris Hybrid Automatik… zum Glück nur einmal mit dem linken Fuß aus Versehen auf die nicht vorhandene Kupplung – Vollbremsung 🙂 ), im Hotel eingecheckt, und ab auf Giske, den Atlantik genießen.

am Studio angekommen

Am Abend haben wir uns dann mit Dirk und der Band ( Jürgen Block und Roland Göhrisch waren auch dabei ) noch mal am Studio getroffen um das selbige auch mal von innen zu sehen.

die Band auf Giske

Für Gabriele und die anderen ein besonderer Moment. Wir merkten, die Wochen der Albumaufnahmen müssen was Besonderes gewesen sein, Gabriele hatte beim Wiedersehen Pipi in den Augen.

Gabriele am Studio

Terje, der jetzige Festival- Organisator nahm sich sehr viel Zeit, um uns mit seiner norwegischen Herzlichkeit alles zu erklären. Früher ein Ort der Fischer, bei den Nazis ein vermintes Militärobjekt und dann für viiiieeel Geld als Studio umgebaut, die Mauern des modernen Studio B, mit Verwaltungsbüros sind aus deutschem Beton, wie so vieles an der Westküste Norwegens ( Westatlantikwall ). Im Moment war das Studio von der russischen Band „u-piter“ belegt, die dort ihr neuestes Album aufnahmen. In Russland wohl sehr berühmt, nahmen auch sie die halbjährige Wartezeit in Kauf, um das Studio nutzen zu können.
Noch schnell ein kleines Fotoshooting mit der extra von uns gebastelten Deutschnorwegischen Fahne mit KEIMZEIT-Schriftzug, die dann morgen beim Konzert als Winkelement herhalten sollte.

Gruppenbild vorm Studio

Dann gings noch auf den Hausberg von Ålesund, Aksla genannt, um den Blick auf die wunderschön gelegene Stadt zu genießen.

Gabriele genießt

Ålesund

aus der Glaskugel gelesen

Nach ein paar Gläschen Wein, Bier und seltsame Mischungen ( die Cola dort ist genau so teuer, wie der Schnaps hierzulande) von Schwechi und Martin im Hotelzimmer verabschiedeten wir uns in die erste Nacht im geliebten Land.
Nächster Tag. Freitag, der Tag an dem die Band Ihren Auftritt hat. Nach einem reichhaltigen Frühstück, einer ausgiebigen Wanderung an der steinigen Küste am Alnes- Leuchtturm beschlossen wir, dem Soundcheck um 13.00 Uhr zu lauschen.

Soundcheck

Alles ganz entspannt, eine professionelle Bühne, super Technik mit glasklarem Sound, da haben die Norweger ordentlich aufgefahren und Jürgen war begeistert, auch die Musiker.

Jürgen bei der Arbeit

Danach Zeit für ein Volleyballmatch am Hafen neben der „Finnmarken, einem Schiff der Hurtigrouten.
Dabei haben wir versucht, Norbert noch ein wenig Norwegisch zu lernen, so “ Hvordan gar de med dere ?“ – „Wie geht´s Euch“ und der Band-Bus wurde mit „Mugge-Bil“ betitelt ( das Auto heißt im Norwegischen bil ). Danach gab´s noch ein Interview von Norbert mit der „Sunnmørposten“, (zur Übersetzung bitte auf das Bild klicken)

Artikel sunnmorsposten-Foto

für uns Zeit, uns fürs Festival aufzuhübschen. Was sag ich, Schichten anzuziehen meine ich. Ja kalt war´s wirklich, aber wenigstens kein Regen mehr die ganze Zeit.

wir auf dem St.Olafs Plass

Nun also, am Freitag um 20.30 Uhr war unsere Band dran. Eingebettet in ein line-up von Norwegischen Bands, die teilweise nicht den Jazz in reinster Form präsentierten. Morning has Occurred – skuriler Gesang einer jungen Dame aus Ålesund, Tricia Boutté mit afrikanischen Rhythmen gehüllt in Blues, Tipi Trio, Henning Kvitnes und der wirklich beeindruckende Saxophonist Marius Neset Birds.

Aufregung machte sich schon am Vortag breit, werden wir gut ankommen?, passt unsere Musik zum Festival?

Terje - Anmoderation von KEIMZEIT

Der Platz war nicht übermäßig gefüllt, aber bereits nach den lieben einführenden Worten von Terje, der sich unsere Fahne für die Anmoderation ausborgte, und dem ersten Song, „Kling Klang…“, wurde herzlich applaudiert, nicht nur von uns in der ersten Reihe, welche sich mittlerweile auf 10 deutsche Fans ( drei ausgewanderte ostdeutsche Familien ließen sich die geliebte Musik in der neuen Heimat nicht entgehen) vervielfältigt hatte. Dem taten auch die anfänglichen technischen Ungereimtheiten mit vertauschten Monitoren keinen Abbruch. Das Programm musste auf 50 Minuten gekürzt werden. Norbert leitete zwischen den Songs auf Englisch durchs Programm.

Auftritt 1

Auftritt 2

Auftritt 3

„Picassos Tauben“ flogen vorbei an „Amsterdam“ übers Meer, welches nur „Bunte Scherben“ beherbergte, nach „Singapur“, ausgelacht vom „Hofnarr“, der „mir von Dir erzählte“, völlig „Breit“ angekommen, schauten sie sich noch „Vicky Christina Barcelona“ an. So ein Teil der setlist, natürlich stimmt die Reihenfolge nicht ganz, und vollständig isse eher auch nicht.

Christian bei der Arbeit

Wir genossen jeden Ton im geliebten Land. Kuschelige Konzertstimmung, wie in einer kleineren Location, wie Mannis Wohnzimmer z.B., kam zwar nicht ganz so auf, jedoch zählte für uns das erwähnte Gesamtpaket des Wochenendes.

Auftritt KEIMZEIT

Unser Winkelement wurde heftig zwischendurch geschwungen, nicht zuletzt als Anfeuerung für unsere Protagonisten auf der Bühne. – schwups, schon vorbei.

Konzertende

Viel zu schnell ging der Auftritt ins Land, doch eins kann man zu Recht behaupten, angekommen ist die auf der Insel aufgenommene Musik aus Deutschland wirklich gut. Nach jedem Song herzlicher Applaus, bis in die letzten Reihen, auch wenn das KAQ selbstverständlich nicht der Hauptakt des Festivals gewesen ist.
Beseelt gönnte ich mir noch ein zweites Bier am Abend, nicht weil der Matthias nur zwei des Gerstengebräus verträgt, nee, sein Portmonee verträgt nicht mehr, bei 80 Kronen, knapp 11 Euro die Büchse. Die Norweger waren dagegen reichlich abgefüllt, da sitzt die Krone lockerer. Schwierig nur, sich dann noch mit ihnen zu unterhalten, auch wenn wir die Sprache drei Jahre gelernt haben, mit schwerer Zunge und Ålesund- Dialekt waren sie nun kaum noch zu verstehen, die Norweger.

Trotz in die Knochen ziehender Kälte erlebten wir noch die norwegischen Stars “ Henning Kvitnes“, ein mit vielen Preisen behafteter Star im Norden ist und Marius Neset Birds, der uns alle mit technisch perfekten Klarinetten- und Saxophonspiel begeisterte. Etwas durchgefroren verabschiedeten wir uns dann ins warme Hotel.

Henning Kvitnes

Marius Nesed Birds

Morning Has Occured

Den Samstag begannen wir mit ner 5 Stunden Wanderung über steile Geröllwege, hoch auf 500 m in die Sonne und genossen den 360° Rundumblick auf Ålesund, Giske und den Atlantik und sogen die Meeresluft ein.

SAMSUNG

Martin, Christian, Jürgen und Roland entdeckten derweil den Trollstigen für sich, und nicht nur den, das Smartphone hielt noch ne Begegnung mit einer Skitourläuferin im Bikini fest, skuril, aber das sind eben die Norweger, sobald die Sonne raus ist und die 10°C-Marke überschritten ist, ist für sie Sommer, auch mit Skiern an den Füßen.
Am Abend trafen wir uns alle, um den zweiten Festivaltag aus den hinteren Reihen zu lauschen. Hauptakt heute – die Hellbillies, Norwegens bekannteste Countryband, aber echt rockig, und LIDOLIDO. Der Norwegische Justin Bieber, scherzte Gabriele. Doch war seine Art zu rappen echt beeindruckend, kreischende Mädels inklusive.

LidoLido

Genialste Idee des Festivals war jedoch die „Musik aus der Box“. Man spanne auf der Bühne eine 15mx15m große Werbeleinwand mit den Sponsoren drauf, lasse ein 1,50mx1,50m große Öffnung für eine ebensogroße Box, stecke ne Band hinein und gebe so, Gewinnern eines Internet- Songwettbewerbs die Chance, sich großem Publikum zu zeigen, verbunden mit der Idee, dahinter die Bühne für den nächsten Akt zu bestücken. Die sich präsentierenden jungen Künstler kamen gut an, auch wenn drei Mann in einer Box schon Mühe hatten, auch noch Ihre Instrumente zu bedienen – stehen ging eh nicht.

Musik aus der BOX

Musik aus der Box 2

So verging auch der zweite Festivaltag wie im Flug und am nächsten Tag war bereits wieder Abreisetag. Diesen nutzten wir jedoch noch einmal für einen schönen Spaziergang zu zweit am Strand von Giske (KEIMZEIT flog bereits 10.00 Uhr wieder gen Heimat), nem netten Treffen mit dem Gitarristen der russischen Band „u-piter“, der uns ganz lieb einen Tee (Tschai) bereitete und mit uns über seine alte Zeiten ( er ist Ende der 80-er mit den Einstürzenden Neubauten in West-Berlin aufgetreten) quasselte.

Schwer viel dann der Abschied, auch verbunden mit dem quälenden Gedanken, ob denn meine rechte Hand auch die Rückflüge überleben wird? Sie tat es.

Sonnenuntergang über Deutschland

Schwerer schmerzte da Herz, welches irgendwie an diesem Land im Norden hängt. Bleiben wird dieses Wochenende in unseren Gedanken, als eines der besonderen als Fans und Freunde unserer Band.
Die Kombination der Kombinationen nicht zu verpassen … das war gelebtes Leben.
Danke an die Band für dieses tolle Erlebnis, danke Dirk!

PS: Ich hoffe, die Länge dieses Berichtes langweilte und erschlug keinen, aber manchmal bedarf eine besondere Sache mehr Buchstaben als sonst.
Liebe Grüße
Jana und Matthias

Bericht und Fotos: Jana und Matthias Fröhlich

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