Valentinstagsblumen

… gab es an diesem Abend zwar nicht, aber dafür ein wunderbares Konzert unseres Akustik-Quintetts in der Pinsenberghalle des „Kulturortes Schloss Krölpa“, dem kulturellen und schulischen Zentrum der Gemeinde Krölpa.

Das einstige Schloss, welches schon seit der Nachkriegszeit als Schule genutzt wurde, erhielt in den Jahren ab 2004 eine Komplettsanierung, bei der auf den Erhalt der ursprünglichen Substanz und dem Schlosscharakter besonderer Wert gelegt wurde. So wurde dann gegen 2010 der Anbau der heutigen Pinsenberghalle begonnen, welche heut eine gelungene Symbiose von Alt und Neu darstellt und Schule wie auch Gemeinde vielerlei Nutzungsmöglichkeiten bietet.

keimzeit_akustik_kroelpa01

Das seitlich am Schlossbau gelegene Portal der Halle, mit seiner Glasfront machte auf mich einen sehr modern und großzügig gehaltenen Eindruck, der sich im Inneren noch weiter bestätigen sollte. Die Halle selbst, eher schlicht gehalten, wirkte nüchtern betrachtet auf mich ein wenig kühl, ihrem Zweck als Mehrzweckhalle entsprechend. Hier wurde unter anderem sicherlich auch der Sportunterricht, wie auch sportlicher Wettkampf betrieben, was sich unschwer an den fest etablierten Geräten an den Wänden erkennen ließ.

Die niedrige Bühne an der Stirnseite und die davor aufgebauten Stuhlreihen erinnerten mich dann aber doch an die heutige Veranstaltung. Genial gelöst fand ich den von der Decke hängenden Beameraufbau, welcher wohl bei Nichtnutzung komplett in der Saaldecke verschwinden würde.
Der Bühne war der kühle, unpersönliche Eindruck beraubt durch ein klitzekleines „Wohnzimmergefühl“, welches ein Teppich und eine, Gemütlichkeit suggerierende, Stehlampe erzeugten. Hier könnte ich mir durchaus noch ein kleines, gemütlich anmutendes Sitzmöbel, Beistelltischchen mit Kerzenleuchter o.a. vorstellen.

So langsam füllte sich der Saal und die Musiker ließen auch nicht mehr lange auf sich warten.

keimzeit_akustik_kroelpa19

Ja, da war es nun wieder. Ein Gefühl des zu Hause seins. Jene vertrauten Gesichter zu sehen, der erwärmend gewohnte Anblick, wie sie zu ihren Instrumenten greifen, das strahlende Lächeln eines sichtlich zufrieden- gespannten Norbert, welcher sogleich sein Publikum auf das Wärmste begrüßte. Ich wusste sogleich, ich bin wieder einmal angekommen, in meinem musikalischen Zuhause.

keimzeit_akustik_kroelpa11

Gleich ging es los: „zwei plus zwei ist zweiundzwanzig, wenn du es glaubst…“. Mitsingen war da schon Automatismus. Und der nachfolgende Applaus natürlich auch.

keimzeit_akustik_kroelpa10

Das weitere Programm hielt auch für mich so manche Überraschung bereit. Neben alt Bekanntem und Bewährtem, gab es diesmal eine Menge an Neuvorstellungen im Set. Einige wunderschöne Balladen, welche schon im Ansatz melancholisch machten und zum Nachdenken herausforderten fielen mir diesmal besonders ins Gewicht.

keimzeit_akustik_kroelpa05

Sollte das keimzeitliche Schaffen, speziell im akustischen Areal wieder etwas tiefsinnig- schwermütiger werden? Nun, sicher nur ein Teil des diesjährigen Programmes. Selbstredend gab es auch die fröhliche, unbeschwerte Komponente zu hören und zu feiern. Mit „Amsterdam“, „Hofnarr“ und natürlich „Kling Klang“ wurden die Frohnaturen unter dem Publikum bestens bedient. Auch „Das Schwein“ kam wie immer gut an und erzeugte Lachsalven unter den Zuhörern.

keimzeit_akustik_kroelpa15

Mir gingen besonders Gabrieles Violinsoli ins Herz und ließen mich förmlich dahin träumen.

keimzeit_akustik_kroelpa14

Herausgerissen wurde ich dann nur von der Pause. Etwas frische Winter-…, ääähm Frühlingsluft schnappen (bei 7°C über Null kann man ja wohl kaum noch von Winter sprechen) und weiter gings im Programm.

Die gelöste Stimmung der Protagonisten steckte uns förmlich an und zur allgemeinen Erheiterung trugen auch die „tragenden Rollen“ der zwei Ton- und Lichttechniker bei, welche sich schlichtweg den Zweitjob der Rowdys unter die Nägel gerissen hatten. Man(n) ist ja schließlich flexibel. 🙂

keimzeit_akustik_kroelpa20

Selbstredend machten sie auch ihre Hauptarbeit in hervorragender Weise. Sowohl die Akustik, als auch das Lichtspiel kamen brillant zur Geltung und die Videoeinspielungen an expliziter Stelle setzten dem Ganzen noch das berühmte I-Tüpfelchen auf.

keimzeit_akustik_kroelpa18

Das Publikum schien ebenfalls begeistert und so forderten sie mehrfache Zugaben. Nur einige Wenige schienen das Prinzip nicht bemerkt zu haben und wollten den Saal schon nach der ersten Verabschiedung verlassen.

keimzeit_akustik_kroelpa26

Ihren Irrtum wahrnehmend begaben sie sich dann sogleich wieder auf ihre Plätze und stimmten in den Zugabenapplaus mit ein. Am Ende des Zugabenblockes gab es sogar noch den zaghaften Versuch einer „standing ovation“, welche jedoch dann leider, im inzwischen aufflammenden Hauptlicht, erstarb.

Sehr angenehm empfand ich die Tatsache, daß man hier nicht gleich nach dem Konzert zur Tür und somit nach Hause empfohlen wurde, wie man es ja leider von anderen Veranstaltungen so kennt, sondern noch Zeit für ein letztes Glas, nette Gespräche mit Freunden, den Akteuren wie auch dem Hauspersonal fand, was den Abend sehr angenehm ausklingen ließ.

Als der Letzte Besucher dann auch den Heimweg angetreten hatte, das Equipment im Sprinter verstaut und wir uns von der Crew und unseren Freunden verabschiedet hatten, verließen auch wir die gastliche Stätte und traten den Weg zum Ort unserer weiteren Wochenendplanung an.

Valentinstagblumen gab es diesmal für mich zwar nicht, aber dafür etwas viel Schöneres und weniger Vergängliches: einen bunten Strauß guter Musik und das Gefühl, unter Freunden zu Hause zu sein.

Bericht: Birgit

Fotos: René

Share Button

Kommentar verfassen