Zu Hause.

Oder ist das das falsche Wort, sind sie nicht eigentlich in der Musik zu Hause?

Und war es nicht auch für uns wie ein Nach-Hause-Kommen, als wir während des Wegs zur Burg die schon vertrauten Klänge vernahmen und später im Hof beim Sound-Check noch ein wenig mehr vorkosten konnten?

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Und ist es nicht auch so: man hat die Lieder schon so oft gehört auf den Bühnen der Republik und vertieft via CD beim Autofahren, beim Kochen, auf’m Sofa…, dass man meint, man selbst trüge die Musik nicht nur mit sondern in sich. Und wüsste genau, was bei so einem Konzert zu erwarten sei. Mag sein, man kann es ahnen, und Vorfreude ist ein nicht zu unterschätzender Antrieb.
Dennoch ist es immer wieder ein einzigartiges Erleben.

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Belzig. Bad Belzig (klingt in der englischen Version tatsächlich noch ein wenig …interessanter). Wir erreichten die Stadt diesmal über das süd-westliche Hinterland. Es war idyllisch, wirkte an diesem Samstagnachmittag sehr verschlafen und roch nach Urlaub. Einen ungetrübten Sommerabend versprach das Barometer. Versprach auch Peter Lomb in seiner traditionellen Ankündigung. Mitgebracht hatte er neben der Bürgermeisterin und der Burgherrin, die beide ihrer Freude über das nun folgende Ereignis, das sicher ein Höhepunkt im Jahreskreis von Stadt und Burg ist, Ausdruck verliehen, einen Freund aus Amerika, der auch KEIMZEIT sehr gewogen sein muss. Er wünschte uns allen einfach kurz und knapp ‚viel Spaß‘.

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Die Bühne war anders als sonst aufgebaut: um 90 Grad gedreht und begünstigte so auch das Beschallen der Stadt. Also auch für alle dort sinnierte dann Norbert
„das könnte ein schöner Tag werden…“. Endlich. Und: Ja…

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Und wie die außerordentlich sympathischen Sieben da so begannen, sich in die Musik zu vertiefen, hatte man sich auch schon wieder in jeden Einzelnen verliebt.

KEIMZEIT auf der Burg Eisenhardt. So eine Burg ist einfach auch eine bezaubernde Kulisse, birgt Geschichte und Geschichten. An solchem Abend darf man Teil davon werden.

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Also gingen wir auf die Reise durch die fassettenreiche keimzeitliche Geschichte mit einer Band, die ich eine Weile nicht sah. Sie hat sich verjüngt inzwischen und man hört das. Manches klingt lauter, temporeicher. Auch im Sprachgebrauch scheint man sich nicht allem zu verschließen. So hat Norbert unter Martins Fordern ROSI nun nicht auf die Schuhe getreten, sondern gekotzt.

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Oder Martin selbst sang lässig-frech und doch liebenswert, dass wir alle ‚mehr oder minder bekloppt‘ sind. Ich geb ihm ja Recht. Und er kann nur und muss das so singen. Oder wie er sich enthusiastisch und unbefangen dem gelegentlich nur ’scheiße verpackten‘ Geschenk des Lebens widmete. Mein unbedingtes Ja.

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Und na klar: das hier bleibt KEIMZEIT. Es bleibt die Poesie des aufmerksam beobachtenden, überall hin hörenden, ehrliches Empfinden aussprechenden Norbert, die sich in verschiedene, doch aus dem roten keimzeitlichen Faden gewebte Mäntel hüllt.

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Das Publikum, tausend Leute, mindestens, vernahm die vertrauten Lieder, sang, bewegte sich mit, zwischen Brighton beach und Feuerland, BERLIN und SINGAPUR, mit MAGGIE und dem HOFNARREN, Tim und Tante Gloria und mit all dem Leisen und Lauten, was dabei in den Köpfen Gestalt annahm und Herzen und Seelen bewegte. Und lauschte den neuen, doch auch schon teilweise bekannten Liedern, die sich nicht nur einzunisten begannen und Spuren hinterließen, ‚…mehr als nur der Regen…‘ sondern auch gespannte Erwartung.

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Die Musiker haben sich und uns einen wunderbaren Abend geschenkt, hatten Freude aneinander, verströmten sich in ihrer Musik, damit und bis auch wir das taten. Gelegentlich versäumte das Publikum, den Soli wohlverdienten Applaus zu schenken, weil man noch ganz versunken war. Momente, in denen einfach alles stimmte. Ich weiß nicht, welche Substanzen sowas noch können – hier vermochte die Musik, Augenblicke aus der Zeit zu heben.

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Andere Augenblicke verbrachte ich damit, Lauras Tun zu bestaunen. Ich glaub ja, sie ist auch eine Musikerin. So wie sie sichtbar macht, was für uns Hörende ganz selbstverständlich ist, muss auch sie Musik in sich tragen. Man sieht ja vielleicht mehr, nimmt anders wahr, wenn man nicht oder schwer hört: man sieht das heitere, entspannte bis hingebungsvolle Sein und Umeinander-Sein der Musiker und spürt mehr von Lins kraftvollem Schlagwerk oder Hartmuts pulsierenden Bässen in sich. Aber wenn man Laura so zusieht, zeigt sich, wie viel da verborgen bleibt. Es ist unglaublich, was da alles an ihr in Bewegung ist, wie sie Musik, Impulse, Schwingungen, furiose Finale oder leises Ausklingen und Text, der es manchmal ganz schön in sich hat, verbindet und so nicht nur für Hörgeschädigte in anderer Dimension erlebbar macht.
Low-fat-yoghurt-fitness-girls…! Applaus und Danke waren das Einzige, was bei mir einst hängen blieb. Nun kamen während der kleinen heiteren Lektion weitere dazu: Fernsehturm, Kaffeetrinken, und so.

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Am späteren Abend erbat Norbert für die immernoch munteren Kleinen ein Kinderlied von Andreas, von dem der kleine Mann auf der Box sagte, dass er ihn ‚ganz toll‘ findet. Also zeigte uns der Pianist (den Bart muss man gar nicht weg diskutieren), dass er auch für so süße kleine Variationen ein (natürlich zwei) Händchen und ein Herz hat.

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Als NATHALIE ihren amüsanten Auftritt erhielt, tauschten Musiker vergnügt die Instrumente, Martin übernahm die Tasten, Andreas das Schlagzeug, Lin verstärkte per Perkussion, Hartmut gab den Unterton, Sebastian trug die Revolution zu Grabe, entlockte der Trompete zuweilen ganz lustig verrückte Tongebilde, Norbert sang von den ’so schönen blauen Augen‘ und das Publikum geriet vollends in Verzückung.

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Nach letzten Zugaben, vielleicht Mitternacht und doch schon dunkel, (mein halbwüchsiger Sohn hatte mir mit seinem kurzen Unauffindbar-Sein nochmal den Puls beschleunigt, hatte nämlich Anschluss gefunden – ‚die Zeit verging, ich weiß nicht wie‘ – fröhliche Grüße nach Beelitz an Nathalie und Hannah) war es an der Zeit, wir mussten zurück … nach Hause. Durch die warme Sommernacht, noch ganz im Bann der Musik und der Musiker und nicht ohne die keimzeitliche Reiseroute mit Möglichkeiten wiederholten gemeinsamen Verweilens im Blick zu behalten.

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Ein ganz herzliches Dankeschön an die Musiker, an die Musik-und-Text-Darstellerin und an Dirk.

Bericht: Angela

Fotos: René

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