Zusammen in Berlin

Es ist der 15. August 2014 und für mich heißt das: Urlaubsbeginn. Besser als mit einem Keimzeit-Konzert kann man nicht in den Urlaub starten. Die Fahrt geht nach Berlin, denn der Plan steht schon seit über einem halben Jahr: KEIMZEIT mit dem Filmorchester Babelsberg. Die gemeinsamen Konzerte mit dem Filmorchester lassen sich an der Hand abzählen und so gilt es, diese Chance zu nutzen, zumal, wenn man schon vor einigen Jahren in den Genuss kam. Damals, im Nicolaisaal in Potsdam. Ein unbeschreibliches Ereignis.

Nun gibt es seit diesem Frühjahr das dazugehörige Album, auf das denke ich, die meisten von uns schon gewartet haben. Auf der Autobahn teilt man seitdem das Auto nicht mehr „nur“ mit den Jungs von Keimzeit, nein, mittlerweile hat ein ganzes Orchester auf dem Rücksitz Platz genommen und bereitet mir stets einen großen Hörgenuss. Die Vorfreude entsprechend umso größer, nun endlich die beiden Größen live zu erleben.

Schon am Nachmittag besuche ich das Gelände der Kulturbrauerei. Ein Open-Air-Konzert – herrlich! Leider lässt sich das Wetter ziemlich hängen. Die Band ist bereits am Proben. Die Stühle stehen und ein paar Passanten kreuzen immer wieder vor der Bühne, halten an, lauschen, einige verweilen.

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Auch ich nehme auf der Tribüne Platz und lausche, einen Becher Kaffee umklammernd, den ersten Klängen. Einige Stücke werden kurz angespielt, dann wieder abgebrochen. Zwischendurch werden Kurzgespräche geführt. Veränderungen durchgegeben. Irgendwann gesellt sich das Orchester dazu. Schön, so eine Einstimmung auf den Abend, wenn mir auch immer kälter wird und es nun auch noch zu Regnen beginnt. Norbert sieht mich mit meinem Mantel und beklagt, dass ich mit ihm den Regen wohl eher heraufbeschwöre, als vertreibe und grinst wie üblich breit.

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Mittlerweile rollen die Audis ein, es ist schließlich die Audi-Klassik-Sommer-Nacht. Ich beobachte, wie ein Wagen mühsam mit Hilfe von 3 Helfern auf einer Rampe geparkt wird. Ein anderer wird nachpoliert.

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Um mich noch besser für den Abend zu rüsten, beschließe ich, nochmal meine Pension aufzusuchen, um eine Schicht mehr anzulegen. Warm gepackt mit Stiefeln kehre ich wieder gegen 19Uhr zurück und werde von einem Bodyguard zum Platz geleitet. Spannend. Ich komme mir unheimlich wichtig vor. Um mir die Wärme von innen zu holen und den Abend genussvoll zu beginnen, gönne ich mir ein Glas Rotwein. Ich entdecke Norbert am Bühnenrand sitzen und geselle mich zu ihm. Wir geraten ins Plaudern über die Kunst die Liebe und das Meer. Lin stößt zu uns dazu. Bis es Zeit wird, die Plätze einzunehmen.

Angekündigt wird das Orchester mit den Worten, dass wenn sie auftreten, es nie regne. Dies sollte sich dann auch bewahrheiten, obwohl ich mir unter einem lauen Sommerabend etwas anders vorstelle.

Endlich, es geht los. Die Zuschauerreihen gut gefühlt, wobei sich noch einige Plätze ausfindig machen. Das Orchester betritt die Bühne, diesmal in schwarz-weiß. Auch einige der Jungs von Keimzeit scheinen sich nochmal in Schale geworfen zu haben. Es folgen alt-bekannte Songs, Keimzeit-Klassiker, aber auch sehr neue Titel von dem gemeinsamen Album. Man merkt, wie das Publikum gespannt den neuen Stücken lauscht, dabei aber den bekannten Ohrwürmern umso stärker applaudiert.

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Im Laufe des Abends lassen sich einige des Publikums nicht mehr auf den Stühlen halten. Sie nehmen den Raum vor der Bühne für sich ein und tanzen und bewegen sich so, wie man es sonst von den Konzerten gewohnt ist. Ab und an pausiert das Orchester und Keimzeit spielt allein. Die Band für sich bleibt natürlich ein Genuss, aber die Fülle mit dem Orchester zu erleben ist für mich etwas ganz Besonderes. Die Arrangements von Bernd Wefelmeyer sind fantastisch. Egal ob Vor-, Zwischen- oder Nachspiel oder manche Verzierung – einige Stücke leben nochmal neu auf.

Ich glaube, einer der Höhepunkte ist immer „Singapur“. Ein Schiff mit ganzer Orchesterbesatzung. Das Ganze unterstreicht die Dramatik und sorgt für Gänsehaut. „Rosetta“ erstrahlt nun in englischen Gewand und wird von Martin zu Gehör gebracht. Zugegeben, ich mochte allein schon dem Namen und dem Text wegen die Originalfassung, aber man merkt, dass die Band immer wieder am Arbeiten ist, nicht still sitzt und jeder sich einbringen möchte.
Der Abend verrauscht wie im Flug und tatsächlich erschleicht mich ein Gefühl von Traurigkeit, dass zwei herrliche Konzertstunden ihr Ende gefunden habe. Tolle Musik. Das Wetter hat durchgehalten.

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Ein herrliches Feuerwerk bildet den Abschluss dieses Abends unter der herrlichen Kulisse der Kulturbrauerei. Einzig die Musik dazu hätte ich mir von Keimzeit gewünscht .

Die Besucher gehen wieder ihrer Wege und ich beobachte noch die Schlange am Autogrammtisch. Noch trauriger stimmt mich immer, wenn ich sehe, wie schnell die Bühnentechniker wieder mit dem Abbau beschäftigt sind. Zwar verständlich – es muss weiter gehen, aber trotzdem wieder ein Zeichen der Schnelllebigkeit. Ich lasse den Abend gemütlich im Gelände mit einer Weinschorle ausklingen und suche mir dann meinen Weg zurück ins Pensionszimmer.

Mich begleitet ein 4-stündiges Konzert auf dem Nachhauseweg am nächsten Tag und ich genieße es in vollen Zügen, mit der Gewissheit, dass es nicht das letzte Konzert für dieses Jahr gewesen ist. Und ich freunde mich mit dem „verkauften Kasper“ an – erst fremd und dann so nah.

Bericht und Fotos: Bettina John

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