Was macht ein Esel im All?

Und – wie kommt er dahin?…

Diese Frage mag sich der Eine oder Andere beim Lesen des CD-Titels „auf einem Esel ins All“ wohl stellen. Und ganz ehrlich, auch mich irritierte der Titel anfangs ein wenig.
Wer weiß, … vielleicht sollte das auch genau so sein. Das Produkt der kompletten Eigenproduktion Keimzeits überzeugte dafür umso mehr.

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Zur Record-release-Show im Berliner Maschinenhaus das erste Mal in Händen gehalten, war ich noch völlig ahnungslos, was mich hier erwarten würde. Getreu meiner Gewohnheit, mir neue Titel erst einmal live anhören zu wollen, bevor ich mich für die „Konserve“ entscheide, ließ ich mich gern überraschen und ganz offen fürs Neue auf mich wirken, was mir geboten wurde.

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Und ich war überrascht! Zum Einen von der spielerischen Leichtigkeit und Beschwingtheit der Darbietung des neuen Liedgutes auf der Bühne, als auch vom musikalischen Konzept des Albums.
Seit Langem hatte ich wieder einmal den Eindruck, eine in sich ruhende, harmonierende Band vor mir zu haben, welche mit einer lang schon vermissten Leidenschaft zu Werke ging. Ja, die „Frischzellenkur“ scheint Keimzeit nun endlich gut zu tun. Nun war das fast schon verloren geglaubte Gleichgewicht scheinbar wieder hergestellt.

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Die mehrfachen Personalwechsel der letzten Jahre hatten ja lang am Gefüge der Band gerüttelt und schon heimlich befürchten lassen, daß es zur gänzlichen Auflösung kommen könnte. Doch nein! Wie der vielzitierte Phönix aus der Asche stieg die Band wieder empor. „Keimzeit eben“. Der beginnende Frühling 2015 brachte auch unsere Band wieder zum Blühen. Ganze 10 Jahre nach meinem Einstieg als „Konzertverfolgerin“ und Berichterstatterin scheint die Zeit einer Renaissance angebrochen zu sein.

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„… im Moment ist alles klar und einfach“, eine Zeile des Titelsongs, scheint das Gefühl der Musiker treffend zu beschreiben. Auch die Tatsache, daß jeder Mensch in irgend einer Weise „bekloppt“ ist, wie im zweiten Lied festgestellt, lässt ein gewisses Augenzwinkern erahnen. „Geradesitzen“ bezeugt den Zustand, sich aufrecht der Herausforderung zu stellen. „…Nein, es gibt keinen zweiten Versuch“, singt Norbert und scheint damit den Mut zu beschreiben, den es braucht, einen neuen Anfang zu wagen. Nun, „Warum nicht! ?!…“ Dann die treue Freundin „Zeit“. Heilt sie nicht immernoch alle Wunden und bringt Hoffnung in die Welt?

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Ich fände wohl in jedem Lied, jedem Text dieses Albums eine Metapher der Zuversicht und Lebensbejahung.
Ein Album, welches optimistisch herüber kommt, ohne jedoch der keimzeittypischen Melancholie den Raum gänzlich zu nehmen. Überhaupt scheint mir dieses Album das „Keimzeitlichste“ der letzten Jahre zu sein.

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Musikalisch werde ich immer wieder an frühere Werke erinnert. So könnte „das Krokodil“ ebenso neben „Primeln und Elefanten“ stehen, wie „Mehr als nur der Regen“ stilistisch den Klassikern „Schmetterlinge“, oder auch „Gold für einen Ring“ entliehen sein könnte.

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Um hier nur zwei Beispiele zu nennen. Mit „Ins Land“ kommen, dank Sebastian Piskorz, aber auch ganz neue stilistische Ansätze ins Spiel. Mehr „Keimzeit“ geht nun wirklich nicht! Spatz, Du hast recht!

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Ein, wie ich glaube, rundum gelungenes Album ist hier entstanden, was immer wieder Freude macht und dazu verleitet, es in Endlosschleife wieder, wieder und immer wieder zu hören.
Für mich, die sich normaler Weise in ein neues Keimzeitalbum erst so ein wenig „reinhören“ muss, um überzeugt zu sein, kam es dieses Mal überraschend anders. Diese Scheibe griff sofort.

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Ich war zugegeben ein wenig froh, daß ich den ersten Durchlauf der CD allein im Auto auf der A9 hörte und nicht in Berlin in der Bahn. Mit Sicherheit hätte man mich ins „Irrenhaus“ eingewiesen, wenn man mein Dauergrinsen und meine etwas überdrehten Lautäußerungen wahrgenommen hätte. Und dies, trotzdem ich zuvor im Konzert schon das Vergnügen hatte, diese „Neue und doch alt vertraute Keimzeit“ kennen zu lernen.

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Lieber Spatzi, „Leider“ konnte auch ich Dir den erwarteten „Verriss“ hier nicht bieten, auch wenn ich lange, lange gebraucht habe, um meinen Beitrag hier zu Datei zu bringen.
Ich kann nur sagen: Ihr seid einfach zu gut! 😀

Mit Euch reite ich gern auf einem Esel ins All. Immer, und immer wieder!

Bericht: Birgit

Fotos: René

 

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One thought on “Was macht ein Esel im All?

    Tine said:
    22. April 2015 at 22:13

    Hi Birgit, ich kann dir nur zustimmen, du sprichst mir aus dem Herzen. Ich liebe den Esel auch.
    Umso schmerzlicher der Konzertausfall übermorgen in Essen – kein Heimspiel für mich. Also wird es mit meinem ersten Ritt ins All noch etwas dauern. Schade.

    Man sieht sich irgendwo in der Republik, wenn wir wieder mal eine größere Tour schaffen.

    Gruß Tine

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