Glück auf!

Mit Keimzeit zum Mittelpunkt der Erde (oder ganz dicht dran)

Da war es nun wieder, das kleine Flatterding in meinem Bauch… man mag mich zu Recht ein Weichei schimpfen – dieses Bild in meinem Kopf, dass über mir ganz unvorstellbare Mengen an Erde und Salz und was weiß ich noch sein würden (zum Glück gab es diese schicken Helme), in die ich noch dazu, nicht wie in sonstige Höhlen oder Bergwerke zu Fuß oder mit ner kleinen Bahn kam, sondern fast siebenhundert Meter durch einen schmalen Schacht in einem, ich nenne es widerwillig Aufzug einfahren musste, wirkte irgendwie beklemmend. Und doch war die Vorstellung, meine Lieblingsband dort erleben zu können, so abenteuerlich faszinierend aufregend, dass ich das unbedingt wollte.

Also hinein in den …Aufzug (’46 Tage unfallfrei… und Vorsicht beim Einsteigen, da ist ein Spalt, nicht stolpern beim Aussteigen…‘ heilige Barbara!), der abwärts, gefühlt ewig, rumpelnd seine Geschichten erzählte.

Tief im Berg angekommen, langsam ließ der Druck im Ohr nach und das Gleichgewicht kam zurück, war es offener und einladender als ich dachte.

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Tische mit fast romantischen kleinen Lämpchen in hohen weiten Gängen und Räumen luden zum Verweilen ein, mit Speis und Trank wurde man wohl versorgt. Alle wirkten entspannt neugierig.

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Viele habe ich seit Anbeginn meiner Zeit mit Keimzeit schon so oft bei Konzerten überall im Land gesehen. Die Keimzeit-Anhängerschaft ist eine sehr treue. Treu bis in die tiefste Erdhöhle!

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Der Saal. Der am tiefsten gelegene Konzertsaal, ist zu lesen. Dem Erdkern so nah war es warm. Angenehm warm. Die Bühne war von allen stufenweise erhöhten Sitzplätzen sehr gut einzusehen. Ein Sitzkonzert also. Nun, Sitzen lässt aufmerksamer zuhören. Und gute Musik versteht auch sitzende Menschen zu erreichen und zu durchdringen.

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So haben die Musiker mit dem ersten Lied die Anwesenden mitgenommen, dann mitgerissen und zugleich noch eventuell vorhandene Bedenken weggefegt. Auch die Akustik war hier gar nicht ‚versalzen‘, nein, es war eine Freude, ein sehr reines Hör-Vergnügen.

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Gut gewürzt also erwachten in diesem salzigen Saal mit den Liedern aus über dreißig Jahren, vorgetragen in einem so offensichtlich einträchtigen, und doch jeden sein weites Spektrum ausloten lassendem Zusammenspiel und in verschiedenfarbigem Licht – Weiß und Gelb, Blutrot, Tiefblau, Korallengrün… mal den ganzen Raum füllend, mal Akzente setzend, beruhigend, anregend, verwirrend, gelegentlich mystisch im Nebel vergehend (selbst die Musiker), oder sich zu einem überirdischen Licht- und Klanggewitter ausweitend, Bilder und Stimmungen, Illusionen, denen man sich einfach hingab. ‚Auf einem Esel, auf dem Rücken von einem Wal…‘ – ganz gleich, wir gelangten mit Keimzeit ins All. Es scheint, als wären das Augenblicke, in denen Ort und Zeit nicht immer ganz klar definierbar sind.

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Es betrübe ihn, sagte Norbert, dass er in seinen Liedern nicht immer verstanden werde. Aber hey – sind sie damit nicht mittendrin in diesem Leben?

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Natürlich hielt es die Leute nicht lange auf den Stühlen, grade sitzen ist halt ein wenig anstrengend. Auch will man gern stehend seine Anerkennung und Wertschätzung kund tun.

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Und laut gab das Holz unter den Füßen die Bitte nach mehr weiter. Zugaben bescherten uns Martin und Andreas als Sänger und Norbert am Piano, möglich, dass er sich einen kleinen Traum erfüllte.

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Beim Verlassen zurückblickend die Frage, was wohl geschieht mit all der Musik, mit dieser Kraft, mit dem Leben darin und dem Einklang, mit dem sich all das von der Bühne her in diesem Raum tief in unserer Erde ausbreitete, übertrug… Keimzeit… und dann das ganze Equipment, das da herum stand, es musste hinunter und wieder herauf (oh Gott, dachte ich), ein hochachtendes herzliches Dankeschön allen, die dieses Abenteuer hier möglich machten!

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Ein in mehrerlei Hinsicht tief reichendes Erlebnis.

Bericht: Angela

Fotos: René

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