„Musik machen. Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ Burg Eisenhardt 2016

Als wär´s „das Leichteste der Welt“… Nun schon zum 19. Male steuerte Keimzeit am vorletzten Juli-Wochenende den Heimathafen Bad Belzig an. Im Gepäck hatten sie nicht nur den Esel als titelträchtiges Maskottchen, sondern auch jede Menge alte und neue Musik, Spiellaune, ansteckende Fröhlichkeit und die strahlende Sommersonne. Freunde aus Nah und Fern versammelten sich, wie in jedem Jahr am gleichen Ort. Man freute sich schon im Vorfeld des Konzerts über ein Wiedersehen und den regen Austausch des in der Zwischenzeit Erlebten.

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Ja, Erlebnisse gab es viele auszutauschen. Sahen wir uns schließlich in diesem Jahr erst zum zweiten Male auf einem Konzert. Persönliche Umstände machten für uns leider bis jetzt nicht mehr möglich. Wir lauschten deshalb besonders gespannt, was unsere Freunde zu berichten hatten. Von vergangenen Konzerten, dem Ballett „Keimzeit“, dem CdtD, der Tour um Felix Meyer, der letzten Norwegenreise bis hin zu Hochzeitsglocken, welche vor kürzerer Zeit läuteten, war alles dabei. Und wir stellten gemeinsam fest: wir werden älter… Fingen wir doch tatsächlich an, über unsere kleinen und größeren Gebrechen zu reden. Peinlich…! Aber leider aus dem realen Leben nicht mehr zu streichen, auch wenn wir unsere „Halbwertzeiten“ gern weiter ignoriert hätten, um ewig jung zu bleiben.

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An diesem schönen Tage jedoch waren wir es. Jung. Voll von Energie und Lebensfreude sollten wir einen wunderbaren Konzertabend erleben.
Die Bühne, dieses Mal von etwas niedrigerem Bau, als von den Vorjahren gewohnt, zierte das Logo der Tour. Der rote Esel, welcher aus dem Erdenrund tritt, als wäre es das Natürlichste, was so ein Reittier tun könnte, hofiert von den Instrumenten der Musiker und umrahmt von farbigem Licht.

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Der niedrige Bühnenrand kam uns Zuschauern von etwas kleinerem Wuchs und natürlich den zahlreich erschienenen Kindern sehr gelegen. Auch für die Fotografen schien dies von Vorteil zu sein, um die Musiker einmal fast auf Augenhöhe ablichten zu können.

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Musikalisch ein Konzert, wie von Keimzeit nicht anders erwartet, mit vielen Songs des letzten Albums (eines der Besten meines Erachtens nach), wie auch vielen Klassikern. Einige Lieder, wie das „Kleinod“, wieder entdeckt und freudig empfangen, begeisterten die Fans genauso, wie die immer und immer wieder gespielten „Hits“ wie „Klingklang und „Nathalie“. Letzteres diesmal schon unaufgefordert gespielt, zu unserer Verwunderung.

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Zwischenzeitlich ertappte ich mich immer mal wieder dabei, daß ich diesmal besonders auf die Hände der Gitarristen achtete. Seitdem ich, just aus Spaß an der Freud, hin und wieder mit krampfenden Händen versuche eine Klampfe zu quälen und dies in keinster Weise zu hörbaren Ergebnissen bringe, wächst meine Bewunderung der Musiker für das meisterhafte Spiel noch einmal mehr. Auch wenn ich nicht gleich ganz aufgeben werde, weiß ich doch, daß ich es niemals zur Meisterschaft bringen werde und somit dann lieber dem Klang der Musik der Profis lausche. Obwohl ich zu meinem Erstaunen meine, doch tatsächlich so ein zwei Akkorde erkannt zu haben. Na immerhin!

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Auch ein, Norbert und Band neu zugeflogenes Stück durften wir schon mal begutachten. „Ein typischer Leisegang“, hörte ich Jemanden sagen, nachdem das Lied verklungen war. Und tatsächlich, dem stimme ich bei. Irgendwie vertraute Klänge und doch frisch und neu. Und schön.

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Dann, alle warteten schon gespannt darauf: das von Martin auf seine eigenwillige Weise gesungen und gespielte Kid Knopphausen – Cover „das leichteste der Welt“. Fast ein Lippenbekenntnis zur eigenen Lebensphilosophie, so überzeugend und mit Herzblut zelebriert, getragen vom Chor der Fans, schraubte sich der Song emotional in die Höhe.

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Dann, der gewohnte Bruch. „Maaartin! Looos! Go! Lets rock n roll!“, feuerte die Menge an. Doch von oben?… Stille. Ein nachdenklich wirkender Musiker, sich still im Rund umsehend, ausharrend. Die Menge hört nicht auf zu rufen. Martin ergreift das Mikrofon. Es kommt an dieser Stelle nicht der gewohnte zweite Teil des Liedes. Martin spricht: „ Leute, man traut sich ja schon kaum noch auf eine Bühne… , jedes Mal, wenn man zurück kommt und auf sein Handy schaut, schon wieder… .“ Die Masse vor der Bühne hält inne. Momente der Nachdenklichkeit auch hier. „ Aber wir machen weiter Musik! Wenn nicht jetzt, wann dann?!!!“ Die Gitarre schreit auf, die anderen Instrumente fallen mit ein… „ dann kommt ein Schlagzeug…“. Tosender Applaus, die Menge tobt. „ thats rock n roll“…

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In diesen Momenten war wohl Jeder betroffen. Und trotzig. Jetzt erst recht!!!

Die Musik spielt, das Konzert nimmt seinen Lauf. Kinderaugen strahlen beim „Traurigen Kind“. So Mancher hätte wohl gern noch „den Löwen“ gehört, mir fehlte „Maggie“. Man kann halt nicht alles haben, an solch einem Abend.

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Der Burgturm angestrahlt, davor diese Bühne und jede Menge fröhliche Menschen.

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Da tat selbst die lange Schlange vor dem Getränkewagen, die saftigen Preise und die mehrfachen Schlappen was die kulinarische Bewirtung und die mangelnde Freundlichkeit des Verkaufspersonals betraf keinen Abbruch.
Ja, das war in den vorangegangenen Jahren besser gewesen. Sowohl organisatorisch, als auch vom Angebot. Augenscheinlich war im Fokus der Gastronomie nur die kleine Schar gut zahlender Gäste, welche zuvor das „all inclusive – rundum sorglos – Paket“ gebucht hatten. Schade. Das wirft einen, sagen wir mal, enttäuschenden Eindruck auf die derzeitigen Betreiber des Burghotels nebst Gastronomie.

Irgendwann wurde es dunkel und irgendwann waren Zugaben und Abspann vorbei. Irgendwann hieß es Abschied nehmen von Musikern, Freunden, der Burg und dem schönen lauen Sommerabend.

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Etwas müde, mit brennenden Füßen bestiegen wir unser Fahrzeug und fuhren durch die Nacht zurück nach Berlin, während Andere sich dann in ihr Hotelbett kuschelten und sicher noch lange vom schönen Abend und dem keimzeitlichen Heimspiel Nr.19 schwärmten.

Bericht: Birgit
Fotos: René

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