Zum zweiten Mal, auch unterirdisch, gute Musik…

Samstag, 28.01.2017, gegen 13:00, die Sonne strahlt über dem winterlichen Sondershausen. Ein Wetter, das einlädt zum Wandern und Flanieren durch die schneebezuckerte Natur. Uns jedoch zieht es anderswo hin. Gefilde, weit unter der Erde, verbunden mit den Klängen guter Musik und einem Anblick, welcher nur klaustrophob unbelasteten Menschen mit einem kleinen Hang zum Extravaganten und Bergleuten vorbehalten bleibt, ist heute unser Ziel. Wie schon im vergangenen Jahr sind hier zwei unserer größten Leidenschaften in einer Symbiose vereint.

Verabredet sind wir just zu dieser Zeit mit dem Manager der Band Keimzeit vor den Toren des Erlebnisbergwerks Sondershausen. Zu uns gesellt sich ein Journalist des MDR-Thüringen- Fernsehens mit großer Kamera im Gepäck. Ein wenig neidvoll bestaune ich sein Arbeitsgerät. Zugegeben, mit meiner kleinen Cam. kann ich da nicht mithalten. Mal ganz abgesehen von der Professionalität der „Fernsehleute“.

Sein Zeitfenster wäre sehr eng bemessen, erklärt der Mann uns und Dirk Tscherner. Spätestens 16:30 muss alles im Kasten und er auf dem Weg nach Erfurt sein, sollte der Beitrag noch ab 19:00 im Thüringen-Journal zu sehen sein. Nicht zu beneiden um diesen Stress, da habe ich nun wesentlich mehr Zeit und kann das Erlebnis obendrein noch in vollen Zügen genießen, denke ich. Auch dieser Aspekt tröstet mich über mein amateurhaftes Equipment hinweg.

Bewaffnet mit zwölf gelben, lustigen Helmen ziehen wir los, über den Vorplatz, in die Verladehalle. Dort sind die Techniker schon fleißig am Ausladen und Palettieren. Jeder wird mit einer Kopfbedeckung ausgestattet, bevor es für die Ersten zu den Förderkörben geht.

„Glück Auf!“,nach dem regulären Schichtwechsel der Bergleute, geht es mit Kameramann, Musikern und uns hinunter durch den Schacht auf 700m Tiefe.

Endlich wieder mal Bergluft schnuppern! Ich bin entzückt. Den Weg durch den Stollen zur Konzerthalle kennen wir ja nun schon und zügig geht es voran.
Dann heisst es warten auf die Paletten zum Bühnenaufbau und die Instrumente. Wir vertreiben uns die Zeit mit angeregten Gesprächen über Land, Leute und das Leben…

Plötzlich wird zum Aufbruch gerufen. Für die Musiker steht heut noch eine Überraschung an. Und wir? Wir dürfen mit. Es wurde zu einer kleinen Sonderführung zu einigen Sehenswürdigkeiten des Erlebnisbergwerks geladen, die wir alle mit Spannung erwarten.
Unter Lachen und Scherzen besteigen alle das Fahrzeug, welches uns quer durchs Salz, durch die aufgefahrenen Stollen ins „Herz“ der Besucherstrecke bringt.

Hier wurde, eigens für die Besucher ein künstlicher See geschaffen. Mitten im Salz kann man auf echten alten Spreewaldkänen durch den Berg schippern. Vorbei an der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin aller Bergleute, dem legendären Schwan mit Ring unter der Stadt Sondershausen, schwebt unsere Band auf flüssigem Salz. Ein nicht alltäglicher Anblick für uns. Quasi „Salzsuppe mit Musik“. 😀

Spaß haben jedenfalls alle dabei, nur kosten mochte niemand von dieser „kulinarischen Köstlichkeit“. Lediglich Lin kann nicht widerstehen ins salzige Wasser zu greifen und die Konsistenz zu ertasten.

Ölig fässt es sich an, geruchlich eher neutral. Ich stecke ebenfalls einen Finger ins salzige Naß. Gut. Der Finger bleibt dran 😀 . Vom Schwimmen wird uns jedoch abgeraten. Soll zwar nicht wirklich gefährlich, jedoch wohl etwas unangenehm sein.

Weiter geht’s zur nächsten Attraktion: Die tiefste Rutsche der Welt.Wohl mancher hätte es gerne probiert: auf m „Arschleder“ in der Röhre hinunter durchs Salz. Leider bleibt keine Gelegenheit mehr dazu, die Zeit schreitet voran und die Arbeit ruft.

Zurück am Konzertsaal dann eine böse Überraschung. Die Frage des Managers Dirk ans Bergwerkspersonal: „und? Alles gut?“- „Nein, nichts is gut. Der Schacht ist kaputt“. Seit zehn Minuten kompletter Stillstand. Die Instrumente noch oben und es geht nicht weiter.

Unserem MDR-Mann stockt der Atem. Die Zeit rennt und er will doch noch einige Aufnahmen von den Jungs beim Musizieren in den Kasten kriegen.
Nun heißt es weiter warten. Wir schauen inzwischen mal in den Saal und versuchen uns nützlich zu machen.

Dann doch Entwarnung. An den Förderkörben wurde fieberhaft gearbeitet und so konnte es nach kurzer Zeit weiter gehen. Inzwischen hatte unser MDR-Journalist noch einige Sequenzen von der Vorbesprechung der Band und dem Umfeld aufgenommen und war mit einem der ersten Förderkörbe wieder ausgefahren, um noch rechtzeitig vor Ausstrahlung des Thüringen-Journals in Erfurt zu sein.

Der Soundcheck fällt diesmal ein wenig kürzer aus, denn so langsam kommen die ersten Gäste. Bei der Ankunft sehen wir in viele freudig erstaunte Gesichter. Einige kennen den Konzertsaal schon und andere waren als Gäste bei Führungen im Erlebnisbergwerk schon einmal dabei gewesen. Es sind aber auch weit gereiste Gäste hier. Alle erhoffen sich einen außergewöhnlichen Abend.

Der Saal füllt sich. Ich stehe im Durchgang vor der Bühne und erhasche die letzten Momente der Band, bevor sie die Bühne betreten. Ein Hauch von Lampenfieber und Adrenalin liegt noch in der Luft, als ich mich neben der Bühne platziere um die ersten Augenblicke mit der Cam einzufangen.

Die Show nimmt ihren Lauf. Alte und neuere Songs in einem ausgezeichneten Set gemischt. Dies ist nicht nur akustisch, sondern auch visuell ein Keimzeitkonzert der Sonderklasse.

Mich hält es nicht lange auf meinem Sitz. Will ich doch die Atmosphäre von allen Seiten einfangen. Ton und Lichteffekte scheinen mir heute noch um Längen besser zu sein, als beim ersten Konzert hier im Berg.

Der Einsatz des Nebels auf den Punkt dosiert. Dies freut nicht nur mich mit meiner Cam., sondern besonders auch unsere Fotografen.

Dem Publikum wird eine perfekte Lichtshow geboten und die Musiker strahlen Spielfreude par excellence aus. Bald verlassen einige Zuschauer ihre Plätze um sich am Rande des Saales einzufinden und in schwingende Bewegung zu fallen.

Gegen Ende der Show beginnen einige Besucher am Rande der Bühne das Tanzbein zu schwingen. Nach mehreren Zugaben und dem Abschlussapplaus, natürlich mit standing Ovations, leert sich der Saal wieder recht schnell. Man will möglichst einen der ersten Förderkörbe erhaschen, die wieder ans Tageslicht (-dunkel) führen.

Wir bleiben noch ein Weilchen, aber auch für uns wird es bald Zeit. Den letzten Besucherkorb müssen wir nehmen, private Verpflichtungen zwingen uns dazu. Also heißt es wiedermal Abschied nehmen. Die Ausfahrt hindurch begleitet uns ein Chor ausgelassener Konzertbesucher, die textsicher alle Strophen der Bergsteigerhymne zum Besten geben, bis uns der Berg wieder entlässt in die oberirdische Welt und uns den Blick auf die Sterne frei gibt. Lange klingt es in unseren Ohren noch nach: „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt…“

Wir können nur wieder einmal Danke sagen, für einen schönen, erlebnisreichen Tag und Abend. Danke der Band, dem Management, den Technikern, dem Veranstalter, den Angestellten des Erlebnisbergwerks, allen fleißigen Helfern und einem sehr angenehmen und begeisterungsfähigen Publikum.
Wir werden uns hier wiedersehen, am 28.Januar 2018, mit Keimzeit im tiefsten Konzertsaal der Welt.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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