Zeit zurück drehen, geht nicht? – geht doch!

Wer kennt es nicht? Man denkt an schöne Ereignisse der Vergangenheit zurück und wünscht sich, Diese noch einmal erleben zu dürfen.

Wir sind auf der Reise nach Freiberg. Wie jedes Jahr zur gleichen Zeit, steuern wir unser kleines Hotel, ein paar Kilometer von Freiberg und dem Tivoli entfernt, an. Komisch. Gerade erst hatten wir diesen Ort verlassen und uns auf das Weihnachtsfest 2017 gefreut, so schien uns. Und „Zack“, sind wir schon wieder hier. Mensch, wie die Zeit vergeht!…

Die Zeit. Noch wussten wir es nicht, aber dieses Thema sollte uns durch den gesamten Abend begleiten.

Zuerst das nette Gespräch mit unserer Gastgeberin. Auch in ihrem Leben hatte die Zeit so Einiges verändert und wir seien für dieses Jahr die letzten Gäste. Man hatte sich umorientiert und seinem Leben ein wenig Entschleunigung gegönnt.

Nach dem Einchecken, schnell wieder ins Auto, denn wir wollen auf den obligatorischen Glühwein am Freiberger Christmarkt nicht verzichten und die Zeit ist schon sehr fortgeschritten. Gesagt, getan. So richtige Glühweinstimmung kommt bei knapp 10 Grad über null und Nieselregen zwar nicht auf, aber Tradition bleibt Tradition. Also wird das leckere Heißgetränk etwas hektisch geschlürft, denn die Zeit drängt. Der Einlass ist schon längst geöffnet.

Dann…, Freunde begrüßen. Der Kreis Derer, die wir immer mal wieder auf Konzerten treffen, ist dieses Jahr etwas kleiner. Ob Krankheit, oder private Gründe, auf Einige Freunde werden wir dieses Jahr wohl verzichten müssen.

Dann aber, Alte Freundschaften werden wieder mit Leben erfüllt und Erinnerungen heraus gekramt. „Waaas? So viele Jahre haben wir uns schon nicht mehr gesehen? Wisst Ihr noch, damals? Als… Nun ja, gehen wir hier mal nicht ins Detail.

Schön, daß alte Freunde den Weg zu Keimzeit wieder einmal gefunden haben.

Auch auf der Bühne werden wir heute ebenfalls an die Vergangenheit erinnert. Schon der Name der Tour, „Ins Irrenhaus und zurück“, verheisst Erinnerung.

Alle Songs dieser Platte sollen wir heute zu Gehör bekommen. Nach einer Frischzellenkur, durch einen Pool neuer Musiker, die bei der Entstehung des Albums noch nicht einmal in ihren Kinderträumen daran gedacht hätten, dieses Album mit ihrem Spiel zu erneuern, erscheinen die Songs in einem frischen, fröhlichen Gewand. Aber auch die Nostalgiker werden heute besonders belohnt. Ein Überraschungsgast betritt im ersten Drittel des Konzertes die Bühne und wird mit tosendem Applaus überschüttet. Ralf Benschu is back! Auf einmal ist es wieder da, das Gefühl, daß es niemals anders war. Die Jahre der Abwesenheit für Momente wie weg gewischt. Eine Gänsehaut läuft mir über den Rücken. Ich spüre innerlich fast eine körperliche Verjüngung. Da ist sie wieder, die Leichtigkeit, mit der wir jahrelang von Konzert zu Konzert fuhren, ohne groß Atem zu holen. Und wir berichteten. Fast monatlich gab es mindestens ein Konzerterlebnis, welches wir mit der Comunity teilten.

Auch Norbert scheint dieses Gefühl gepackt zu haben. In seiner Moderation, die sich durch dieses gesamte Konzert zieht, gibt er zum Besten, daß das vorgetragene Album 1990 entstand und noch heute, im Jahre 2011, von seinem Charme nichts verloren hat. Aber er kündigt auch ein neues Album an, welches im nächsten Jahr, also 2012 erscheint und „Das Schloss“ heißen wird.

Spätestens hier hat wohl Jeder begriffen, daß es sich um einen Versprecher gehandelt haben muss. Nur Norbert nicht. Erst auf einen Zuruf aus dem Zuschauerraum hin bemerkt er seinen Fehler und wundert sich selbst, wie er wohl darauf gekommen ist.

Ich habe mich sofort in diesen Versprecher verliebt. Sagt er doch mehr aus, zu diesem Tourabschluss, als es Rückbesinnungsgedanken ausdrücken könnten. Und…, er gibt uns das herrliche Gefühl, in einer Zeitblase zurück gereist zu sein. Hin, zu jenem Ort, an dem der Keimzeitliche Planet noch scheinbar unberührt und unbeschadet seine Runden im musikalischen Universum zog und uns mitnahm, in eine Traumwelt von ewiger musischer Glückseligkeit und Treue.

Dann ist auf einmal der Gitarrist verschwunden, der eigentlich längst seinen ungewohnten Platz an den Keyboards eingenommen haben sollte. „Martin, zeig doch mal eine Leseprobe Deines Könnens an den Key´s.“ Tönt es aus Norberts Mund.

Zum Einen: „Leseprobe“??? Zum Anderen: wo ist Martin??? Hat es ihn plötzlich aus der Zeitblase geworfen? Ach nein. Glücklicher Weise taucht er aus dem Dunkel des Backstage´s auf und begibt sich an sein vorläufiges Arbeitsgerät. Alles lacht und das Konzert nimmt seinen Lauf.

Martin wird heute noch einmal gesucht. Statt auf der Bühne auf seine Vorstellung als Gitarrist der Band zu warten und seinen Applaus entgegen zu nehmen, hält er sich lieber links im Hintergrund auf und schafft es gerade noch rechtzeitig an seinen Platz, bevor sein Applaus verklungen ist. Das war dann wohl die „Rache des Chefs“. So ähnlich, zumindest klingt es aus Norberts Worten.

Martin bereinigt seine „kleinen Nachlässigkeiten“ mit einem bezaubernd vorgetragenen „Maulwurf“, in dem er auch das „Grabetalent“ der Freiberger zu huldigen weiß.

Die Zeit läuft erbarmungslos weiter, als wolle sie sich für die Rückschau rächen und somit gelangt auch dieses Tourabschlusskonzert an den Punkt, der sich niemals vermeiden lässt. Norbert bedankt sich bei „Allen, die heute arbeiten. In der Gastronomie und an der Bar, wie auch an Licht und Ton. Die da wären, Jürgen Block, Andreas Graupner, Roland Görisch, … (bei uns)“ Das sorgt für einen weiteren Lacher. Klingt es doch so, als hätten die Techniker noch einen zusätzlichen Job als Teilzeitkellner angenommen.

Dann Verbeugung und musikalischer Bonus.

Die bezaubernde Maggie backt wieder ihren berühmten „Haschischkuchen“ und Rosi „sieht nicht mehr ganz so rosig aus“. Womit wir wieder in der Gegenwart angekommen wären und feststellen müssen, daß die Zeit auch an uns nicht spurlos vorbei gegangen ist und wir uns eindeutig angesprochen fühlen können.

Trotzdem ruft das Publikum lautstark nach „Nathalie“ mit ihren schönen blauen Augen und ist nicht wenig überrascht und amüsiert, als zwei lebende Christbäume, in Gestalt von Ralf und Sebastian die Bühne betreten und gemeinsam den „ nicht mehr gelernten Ton“ intonieren. Die von Sebastian angestimmte Hymne der „Revolution“ verkommt diesmal zum Weihnachtslied, also „Revolution der Weihnacht“ und beim Publikum, als auf der Bühne bleibt kein Auge trocken.

Resümierend lässt sich sagen: Es war eine wundervolle Zeitreise, die viele einzigartige Erinnerungen wieder lebendig werden ließ.

Und: unser Ralf Benschu ist immer noch der „König der Herzen“ und wird es wohl auch für immer und ewig bleiben.

Es war uns ein Fest und wir hoffen auf viele weitere Tourabschlüsse in Freiberg und im Tivoli. Und wenn es denn ginge, unheimlich gern auch wieder mit „unserem“ Ralf.

Nun wünschen wir allen Bandmitgliedern, Technikern, dem Management, dem gesamten Team des Tivoli Freiberg, den Gästen und Fans und natürlich Allen, die sich sonst noch unsere Freunde nennen,

einen glücklichen und gesunden Start ins Jahr 2019 !!!!!!!,

und in die neue Tour, die anlehnend ans neue Album „Das Schloss“ heißen wird.

Bericht: Birgit

Fotos: René