Blues, Blues … ist das Beste, was es gibt…

Wiedermal Erfurt, wiedermal Gewerkschaftshaus… doch diesmal nicht Keimzeit.

Ein Teil der Elektrofelder geht fremd?! Ja, sicher! Wo es gute Musik gibt, originelle Texte, vorgetragen von Musikern, die ihr Handwerk verstehen, ist man doch gerne dabei. Der Verabredung zum „kleinen E-Feldtreffen“ jenseits keimzeitlichen Schaffens kamen wir gerne nach. Wir, das sind Angela, Sven (Angelas Mann), René und meine Wenigkeit.

Wer auf handgemachte deutschsprachige Musik mit „Hintergrund“ steht, wird sich Stoppok wohl kaum entziehen können. Mit viel Witz, immer einem Augenzwinkern, gespickt mit einer Prise Selbstironie erzählt Stefan Stoppok musikalische Geschichten, die das Leben schrieb, beschreibt treffend ironisch menschliche Schwächen und Verhaltensweisen, oder nimmt politische Fehlentscheidungen kabarettistisch aufs Korn, ohne dabei schulmeisterlich zu wirken oder den ewigen Meckerer heraushängen zu lassen. Dass er seine Wurzeln im Ruhrpott hat, lässt sich unschwer erahnen, wenn er auf leicht schnoddrige Art in einfach verständlichen Worten von „Zeche“ singt, das Leben der einfachen Leute beschreibt und über die Alltagssorgen eines „ganz normalen Arbeiters“ sinniert.

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Ja, er trifft den Nerv dieser Zeit, spricht den gewöhnlichen Menschen an, ohne in Plattitüden zu verfallen, aber auch den Intellektuellen, der ehrlich genug ist, die Ironie der Dinge zu erkennen und auch in der Lage, ein wenig über sich selbst und die Gesellschaft zu schmunzeln. Und auch fürs Herz ist immer was dabei. Ob nun die erste Begegnung oder die unvermeidlich zu scheinende Trennung Thema ist, Stoppok trifft auch da auf den Punkt, ohne die Tränendrüsen zu stark zu strapazieren. Mit einer kräftigen Dosis Mutterwitz verpackt er das Ganze in rockigen bis bluesigen Klängen oder auch Balladen, die in kleiner Besetzung ebenso reizvoll „rüber kommen“ wie voluminös mit der gesamten Band.

Dieser Abend sollte nun innerhalb der Tour „Grundblues“ in ganz kleiner Besetzung, nur gemeinsam mit dem Bassisten Reggie Worthy bestritten werden.

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Auf der Bühne des, diesmal bestuhlten Saales tat sich ein beachtlicher Gitarrenpark vor nur zwei Sitzgelegenheiten auf. Ein paar Percussions, Mikros, das war’s…

Das Abendprogramm begann und schon gab es „Ärger“.

„Ärger, du kannst mich nicht anschmier´n, ich weiß, dass du schon hinter der nächsten Ecke stehst…“ So klang es von der Bühne zu uns herüber. Alt bekannt, ließ das Lied einen Chor aus dem Publikum hinüber wehen. Zaghaft noch, was sich im Laufe des Abends noch ändern sollte.

Dann brachten die zwei Musiker Neues aus dem Hause Stoppok zu Gehör. Getreu dem Motto der Tour „Grundblues“ nach feinster stoppokscher Manier. Witzig, ironisch oder getragen nachdenklich, aber immer am Zahn der Zeit. Da gab es den „Gute Laune-Blues“ der seinem Namen „Blues“ nicht nur in musikalischer Hinsicht alle Ehre macht, den Ausruf „sei froh“, welcher mir ein Kopfkino bescherte, was mich augenblicklich schmunzeln ließ und „Zeit für ein Wunder“ welches sich wohl ein Jeder von uns hin und wieder einmal wünscht, um nur einige neue Werke zu erwähnen.

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Aber auch die vielen alten Bekannten waren wieder mit von der Partie. „Willi Moll aus Stommeln“ war wieder mit seiner „Wilhelmine“ im Urlaub in Afrika und der Eine oder Andere wurde wieder „cool durch Zufall“. Selbst die „frauenfeindlichen Lieder“ durften hier nicht fehlen und im Saal sang man teils ganz leise, teils voller Inbrunst: „sei nicht sauer, mein Schatz, dass ich zuerst gegangen bin, ich wollt nich länger warten…“ Und selbstverständlich blieb auch der pädagogisch erhobene Zeigefinger nicht verborgen, bei „learning by burning“. Ja, es blieb kaum ein Wunsch meinerseits unerfüllt, als dann auch noch das wundervolle Liebeslied „ Aus dem Beton“ erklang und in mir kleine Elektroblitze der Erinnerung zucken ließ. Eigentlich fehlte mir zum Glück nur die Tragödie des „Freundes Kühlschrank“, welcher wohl schon längst der Schrottpresse zum Opfer gefallen war und daher tief in den Analen der stoppokschen Meisterwerke begraben liegt.

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Natürlich wurden die Fans auch an diesem Abend dazu aufgerufen, sich die Musik der beiden Musiker „ruhig illegal aus dem Netz herunter zu laden“, schließlich sind sie ja nicht „Robby Williams“ und brauchen das Geld nicht, da sie ja keinen hohen Lebensstandard zu verlieren haben. Nichts desto Trotz hatten sie aber doch einige „Scheiben“ dabei, die sich die komplett uneinsichtigen Fans dann für einen kleinen Unkostenbeitrag mitnehmen konnten.

Im Übrigen wunderte sich Stefan sowieso darüber, dass es doch tatsächlich Leute gibt, die sich an einem Freitagabend die Mühe machen, einen Konzertsaal aufzusuchen um sich Musiker anzusehen die „man nicht mal aus dem Fernsehen kennt“.

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Schön war es bei den „unbekannten Musikern“, wir hatten viel Spaß und wir werden uns wieder sehen, auf jeden Fall 2010!

„Blues, Blues ist das Beste, was es gibt,

… wenn man ihn ganz konsequent vor sich her schiebt“

Bericht: Birgit

Fotos: René


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