Leipzig sah „Alles Rot“, in Berlin lohnendes Warten…

Endlich war es soweit, nach 14 Jahren mehr oder weniger unfreiwilliger Abstinenz, wieder ein neues Silly-Album und dazu eine neue Tour.
Leipzig sollte am 07. Mai 2010 als erste Stadt die taufrischen Songs, des in den Album-Charts auf Platz 3 eingestiegenen Albums „Alles Rot“, live erleben.

Schön, mit dabei gewesen zu sein! Ausverkauftes „Haus Auensee“, viele nette Bekannte schon vom Vorjahr, riesen Stimmung im Publikum…

Die lauten Rufe aus den mittleren Reihen: „jetzt geht’s lo(o)s, Anna…“ heizten die Frontfrau und die Band noch einmal so richtig an, nachdem schon Tim Bendzko mit seinem Mini-Set (nur Gitarre und Gesang) den Weg zur Stimmungsfonthaine bereitet hatte.

silly_berlin009

Als der weiße Vorhang fiel und die Silly´s zu allem bereit auf der Bühne standen, hielt es wohl niemanden mehr ruhig an seinem Platz. Jubel brach aus, Begeisterung und die Erwartung eines grandiosen Konzertes. Dies wurde es auch! Ton für Ton, Textzeile für Textzeile und Song um Song wurde mitgesungen, applaudiert und gejubelt. Das Publikum, erstaunlich textsicher selbst bei den Liedern der neuen CD (… nicht wohl umsonst der hohe Chart-Einstieg…), ging von der ersten Sekunde an ab, feierte „ihre“ endlich zurückgekehrte Band.

silly_leipzig01

Anna sprach von Begegnungen die prägten und forderte uns auf uns zu „Erinnern“, was mich berührte und eigenes Kopfkino hervorrief. Gibt es doch bei jedem Menschen Momente, Begegnungen und Erlebnisse, welche, durch ein Schlüsselwort, eine Geste oder ein bekanntes Gesicht wieder zurückgerufen werden und dazu führen, „sich an sich erinnern“ zu lassen und sich selbst wieder zu finden… Einer jener Momente, welcher mich an diesem Abend besonders ergriff.

silly_leipzig17

Ach, mochte doch dieses Konzert, dieses Gefühl der Verbindung durch die Musik nie zu ende gehen…! Leider tat es das dann doch. Das Konzert ging zu ende, die Musik verklang, der tosende Abschlussbeifall nahm irgendwann ein Ende.

silly_leipzig18

Gespannte „Rot-/Weiß- Bänder trieben die Menschen zum Ausgang. Auch bei anderen Events habe ich das schon erlebt, nur im „Haus Auensee“ erschien mir dies jedes Mal viel zu schnell. Kaum noch die Möglichkeit ein Wort mit dem Nachbarn zu wechseln, noch einen Schluck erfrischendem Nass zu erstehen, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen… Der letzte Ton von der Bühne ist verklungen und „Raus mit der Meute!“ scheint die Devise zu sein.
Nun, draußen hatten wir dann ja die Möglichkeit, uns von lieben Mitmenschen zu verabschieden und unsere Nachtquartiere aufzusuchen.

Einige Tage danach dann eine traurige Nachricht: Alle nachfolgenden Konzerte müssen krankheitsbedingt leider ausfallen und werden verschoben.
Das hieß, nun wieder warten und hoffen, dass der neue Termin irgendwie mit dem Dienstplan zu vereinbaren ist und ich in meiner Heimatstadt dabei sein kann.
Glücklicher Weise passte der neue Termin ( 30.05.) in Berlin fast perfekt und ich hatte wiederum großen Grund zur Freude.

An diesem Abend recht zeitig vor Ort, gab es genügend Gelegenheit, vor den Toren des „Huxley´s“ noch mit Freunden zu plaudern und sich so richtig „heiß“ zu machen auf das bevorstehende Event. Trotz zeitlicher Verlegung wieder richtig voll, sollten wir einen Abend erleben, welcher wohl kaum in Vergessenheit geraten würde.

silly_berlin003

„Berlin, Du bist einmalig!“, hätte ich rufen mögen. Die Stimmung, kaum zu beschreiben. Der Saal kochte, die Band wurde gefeiert wie die größten Stars dieser Welt. Und die Musiker selbst…? Sie schienen über sich und ihre schon gewohnte Leistung noch hinauszuwachsen und zu „fliegen“. Es rockte die Bühne und der Saal bebte. Wohl niemand, den dieser Abend kalt ließ.

silly_berlin021

Mich riss die Musik mit, ich begann sprichwörtlich zu schweben, fiel, wurde erfasst von einer unglaublichen Welle von Emotion, auf den Boden zurückgeholt, wieder empor geworfen um sanft wieder hinab zu gleiten, in einem unbeschreiblichen Zustand von Glück des Augenblicks.

silly_berlin024

Vergessen der Alltag, eingetaucht in die Hymnen der „alten“ und neuen „Silly-Familie“, erinnert an Momente, Erlebnisse, Gesichter und Gefühl. Ja, da waren sie wieder, die Erinnerungen an Dinge, Begegnungen und Menschen die ein Stück des eigenen Lebens bedeuten. Manche eben nur einen Bruchteil, den Hauch eines Flügelschlages, andere wegweisend für eine Zukunft, die ein Menschenleben bestimmt.

silly_berlin029

Neben den neuen Liedern berührten mich persönlich wieder einmal die Geschichten vergangener Tage. „Mont Klamott“ und „So ne kleine Frau“, um nur Beispiele zu nennen, erinnerten mich wieder einmal mehr an Begegnungen vergangener Zeit mit einem der Gründungsmitglieder der Band, welcher, wie Tamara auch, leider viel zu früh verstarb. Auch wenn die Meinungen zu Mathias Schramm sicher kontrovers sein mögen, so denke ich doch, dass auch ihm hier ein Gedenken und Dank gebührt, denn ohne ihn wäre Silly sicher nicht das geworden, was die Band ausmachte, zumindest in der vergangenen Zeit. …

silly_berlin026

Zurückgeholt ins Jetzt und Hier, sah ich eine Anna Loos, welche die heutige „Silly“ qualitativ veredelt und bestimmt. Auch wenn eingefleischte Tamara-Fans dies nie zugeben mögen, so finde ich, dass die Band mit Anna Loos eine, wenn auch in etwas anderem Stil, aber doch zumindest ebenbürtige Nachfolgerin Tamaras gefunden hat. Annas natürlich bezaubernde Art und ihre, irgendwie einzigartig angenehm sanftrockige Stimme geben der Musik dieser Band einen unwiderstehlichen Klang und das „gewisse Etwas“.

silly_berlin038

Die Texte des Altmeisters Werner Karma, für mein Empfinden wie schon früher ein klein wenig zu „reimlastig“ (man möge mir diese kleine Kritik verzeihen), durch die Bank inhaltlich stimmig, kritisch und immer am Nerv der Zeit, geben der Musik der Band den Charakter, den man von Silly seit jeher gewohnt war und auch heute noch schätzt.

Und augenscheinlich lässt sich wohl heute sagen, dass der Fangemeinde die „Familie Silly“ wohl noch sehr viele Jahre erhalten bleiben könnte, denn für Bandnachwuchs haben die Bandmitglieder bestens gesorgt, wie man hier in Berlin am Auftritt des jungen Nachwuchsdrummers Leo Vaessen sehen konnte. Großen Applaus für den „Kleinen“, welcher sich ganz groß und professionell zeigte.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Ich sah zwei wundervolle Konzerte einer, mich zu tiefst ergreifenden Band an zwei vortrefflichen Spielorten.
Leipzig war ein berauschendes Erlebnis mit einem begeisterten Publikum, aber Berlin hat mich noch mehr überzeugt und mitgerissen. Lange Zeit sah ich kein Konzert, welches mich so stark berührte, beglückte und mir selbst einige Tränchen der emotionalen Verzückung hervorlockte, wie dieses. Mag es am Heimatgefühl gelegen haben, am persönlichen Erleben oder einfach nur an der Gunst der Stunde…, aber sicher bin ich mir voll und ganz, ohne eine Band wie Silly und die Begeisterung des, das ganze Konzert über mitsingenden, jubelnden und feiernden Publikums, wäre der Abend ein sicher sehr schöner, aber nicht so Einzigartiger für mich geworden. Das Warten hat sich wirklich gelohnt! …

silly_berlin013

Ich danke Silly, den Veranstaltern, dem Tourmanagement, der Technik und allen fleißigen Händen rund herum, allen Freunden und dem gesamten Publikum für dieses außergewöhnliche Konzerterlebnis.

Bis (hoffentlich) schon bald bei Silly

Bericht: Birgit

Fotos: René

Share Button

Kommentar verfassen