Stoppok und die Stadt der „leeren Straßen“

„… wo sind denn die Torgauer?“

Diese Frage sollte uns an jenem Wochenende mehrfach begegnen. …

Am Samstag- Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein in der Torgauer Altstadt angekommen, ein fast leerer Marktplatz.

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Nur hier und da einige, unschwer als Touristen erkennbare Menschen mit Fotografiermaschinchen, zum Teil Eis essend oder die Nachkommen auf kleinen fahrbaren Plastikgeräten hinter sich her ziehend. Ein idyllisch anmutendes Bild. Heile Welt…

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Kurz im Hotel eingecheckt, die für Abend und Nacht unumgänglichen Utensilien drei Treppen das „Nonnenhaus“ nach oben getragen, ein wenig frisch gemacht und sich dann in der Stadt schon mal umgesehen.
Wieder das gleiche Bild. Kaum ein Mensch auf den Straßen zu erblicken und wenn doch, dann ein augenscheinlich Ortsunkundiger.
Selbst an der Kulturbastion, welche wir aufsuchten, um uns vorab schon zu orientieren, wo der musikalische Teil dieses WE´s stattfinden sollte, keine Menschenseele zu sehen.

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Auf einem Schild entdeckten wir die Aufschrift eines bekannten Keramikwerkes, was in uns sogleich Assoziationen auslöste…
Wohl der ideale Spielort für Stoppok. Wir gingen dem Wegweiser nach, um uns einmal dieses „vielbesungenge“ Werk aus der Nähe anzusehen. Nicht viel zu sehen. Ein Zaun, ein Werkstor, dahinter ein Brunnen und Gebäude. Natürlich menschenleer…

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Am Abend dann, an der Kulturbastion angekommen, doch so einige Menschen.
„Die Band ist noch gar nicht hier. Wohl noch mal ins Hotel gefahren…“ erfuhren wir am Einlass. Nun, dann halt noch ein wenig auf die Stufen des Vorplatzes gesetzt und bei netten Plaudereien gewartet. Kurz darauf fuhr ein weißer VW-Bus vor und ihm entstieg Stefan Stoppok und wurde sogleich mit freudigem Applaus begrüßt.
Ein freundliches Grinsen, abwinkende Handbewegung, „jetzt doch noch nicht…“ und schon war er durch die Einganstür verschwunden.

Wir, etwas später, taten es ihm nach und warfen einen ersten Blick in die Innenräume der Kulturbastei. Überrascht waren wir, angenehm überrascht! Ein sehr ansprechendes Ambiente tat sich uns auf. Ein gemütlich modern eingerichteter Gastraum mit großer Leinwand, auf der augenscheinlich der Konzertverlauf übertragen werden sollte (die Bühne war bereits zu erkennen) und dahinter der eigentliche Konzertraum. Ein an einen Tunnel erinnernder Bogen, dessen linkes Ende die Bühne bildete und das, leicht nach links gebogene rechte Ende die Bar aufnahm und in einem weiteren Ausgang endete.

Allmählich füllte sich der Konzerttunnel und wir platzierten uns, freudig auf den „Meister“ und seine ebenso meisterliche Begleitung wartend.
…Und der „Meister“ kam…

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Stefan Stoppok und Reggie Worthy begrüßten kurz das Publikum und schon konnte es losgehen. Natürlich mit „Ärger“, was sonst…!

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So mancher im Publikum outete sich quasi spontan als Fan, da Textzeile um Textzeile lautstark und bombensicher mitgesungen wurde.

Und es wäre nicht Stefan Stoppok, wenn er nicht auch den kommunikativen Kontakt zu seinem Publikum suchen würde.

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So entspann sich ein amüsantes Zwiegespräch zwischen den Liedern, welches wie ein Pingpongball hin und her geworfen wurde. Einzelne redeten sich dabei so sehr in Rage, dass man meinen konnte, es handle sich hier um ein nettes Plauderstündchen unter Freunden, bei dem die Musik als Untermahlung diente. Wir erfuhren so nicht nur die teils lustigen und hintergründigen Geschichten des Stoppokschen Liedgutes, sondern auch Einiges über einen Baumarktunfall Stefans mit einem Zusammenstoß seiner Hand mit einem herunterfallenden Schild, welcher für kleine Unstimmigkeiten in seinem Gitarrenspiel verantwortlich sein sollte ( nun, wohl kaum jemand im Publikum hätte dies störend bemerkt). …“Aber alles nicht so schlimm, so lange das Schmerzensgeld stimmt“…

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Dann die Frage des Abends:

„Ist hier eigentlich jemand wirklich aus Torgau?“

… Die Antwort war Lachen und Schweigen. Entweder wollte sich niemand als echter Torgauer enttarnen, oder es war keiner da.
Stefan fragte weiter: „wo sind denn die Torgauer? Ich habe keinen gesehen. Die Straßen menschenleer…“ Es wurde gemutmaßt. „Vielleicht haben es die Torgauer ja gar nicht nötig vor die Tür zu gehen!“ Einer aus der Mitte des Publikums rief: „Die sind sicher alle im Brauhaus!“

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Nun, diese Frage konnte an jenem Abend nicht mehr geklärt werden, aber Stefan fiel noch etwas auf…: „Wenn man in schon mal in Torgau ist, kommt man an einem Lied nicht vorbei…“ Wohl alle, die Stoppoks Lieder kennen, wussten genau, welches er meinte und warteten schon den ganzen Abend auf eine einzige Textzeile: „… das Klo, zu dem er kroch, war von Villeroy & Boch. …“
„Ich hab mich sogar vor dem Werkstor fotografieren lassen“ meinte Stoppok noch. Lachend und unter Beifall.

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Dann wurde im Publikum noch eine „Maria“ gesucht. – und natürlich nicht gefunden. Ein junger Mann, welcher sich am Dialog mit Stoppok sehr rege beteiligte, gab bereitwillig zu „Willi“ zu heißen. (Ob man es glaubt, oder nicht…) und es wurde festgestellt, dass es viele Leute gibt, die einfach nur „cool durch Zufall“ waren.

Etwas „Schönes“ hatten wir uns alle dann auch noch verdient und durften das, für mich wunderschönste, Liebeslied „ Aus dem Beton“ gemeinsam zelebrieren.

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Nach mehreren Zugaben blieb für mich wohl kaum ein Musikwunsch unerfüllt und ich verabschiedete mich gemeinsam mit dem Torgauer (bzw. nicht-Torgauer) Publikum mit einem herzlichen Applaus.

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Kurz vor dem Verlassen der Kulturbastei entlockte mir eine Mosaikdarstellung auf der Damentoilette noch ein letztes Schmunzeln in Erinnerung des vor einigen Minuten gehörten. Diese Darstellung zeigte doch tatsächlich einen riesigen Hai … Selbst das Damenklo war wohl „cool durch Zufall“ …

Danke Stoppok und danke Worthy für diesen amüsanten Abend.
Und danke den „Machern“ der Kulturbastei für diesen so reizvollen Spielort, das nette Ambiente und die liebevolle Betreuung dieses Clubs.

…Und den waschechten Torgauer haben wir am nächsten Tag doch noch gefunden:
Eis essend beim ansässigen Italiener, der Enkeltochter erklärend, dass man doch genau gegenüber zur Schule gegangen ist, über Kindheit, schulische Leistungen und Zukunftspläne des Nachwuchses debattierend…
Na, und wer hätt´s gedacht? Das zehnjährige Enkelkind war obendrein auch noch eine „Maria“, wenn auch in einem Doppelnamen versteckt…

Ja, es geschehen wohl doch immer wieder „einige Wunder“ …um mit Stefans Worten zu sprechen.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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