„Übel & Gefährlich“ – Die Retter der deutschen Popmusik

„Das beste deutschsprachige Album seit langem … ein Meisterwerk“ Frankfurter Allgemeine Zeitung (CD der Woche)

„zurzeit Deutschlands aufregendster Popsänger“ Berliner Zeitung

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22.10.2010, 21:00 Uhr, „Übel & Gefährlich“, Hamburg

 

Ich hatte mich auf ein, uns Fischköppen nachgesagt, typisch verhaltenes Konzert eingestellt, was der Vorfreude keinen Abbruch tat. An der Bar stehend beobachtete ich das an diesem Abend anwesende Klientel. Auf den ersten Blick lauter optisch intelligente Nasen, auf denen munter die Hornbrillen thronten. Keinem allerdings gelingt dies besser, als dem Sänger selbst. Auf den zweiten Blick, Leute wie ich.

Gegen 21:30 betraten Erdmöbel die Bühne und starteten ihr Konzert sogleich mit Stücken ihres neuen Albums „Krokus“. Natürlich sollte auch der Titel zum Titel gespielt nicht fehlen. Leicht und rockig in bunten Farben schmetterten sie die Lieder dahin und allem Voran Markus Berges herrliche Stimme. Ein hinreißend drolliger Anblick waren die Herren auf der Bühne, nicht zuletzt weil alle ein bisschen aussehen wie Buchhalter. Hemd und Jackett optisch aufgewertet zumindest vom Bassisten Ekki Maas durch einen Hut und rote Badelatschen. Flipfloppend schenkte er uns also seine Bassläufe, mal freudig glucksend, mal gedämpft.

Bei tobendem Applaus merkte er an, dass bei ihrem letzten Hamburg Konzert gerade mal 80 Männeken anwesend waren. An diesem Abend war das „Übel & Gefährlich“ gerappelt voll. Locker beschwingt war das Konzert, genauso verhielt es sich – entgegen meiner Befürchtung – mit dem Publikum, es wurde getanzt und gesungen. Enorm stieg die Stimmung bei dem Titel „Erster, Erster“ – laut Berges ein Jahresendzeit- bzw. Jahresanfangslied. Zwischen den neuen Titeln fanden auch die wunderbaren Klassiker Platz. „Das Beste von Osten“, „Genau wie ich mir es wünsche“, „In den Schuhen von Audrey Hepburn“, „Dawai, Dawai“- in dem es schließlich heißt: „Oh, ich hasse die Musik / Süßer, mach das aus / Hört er sie aus dem Bad (…) / Das Lied ist aus und sie steht da / Lächelt irgendwie unabgetrocknet, als er sagt: / Hey, du weinst ja“.

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Für uns allerdings und höchstens ein paar Freudentränen beim Titel „Das Leben ist schön“. Egal in welcher Stimmungslage, Erdmöbel-Lieder erzeugen gute Laune und ein Grienen im Gesicht! Als letzten Titel kündigte die Band „Nah bei dir“ an. Traurige Blicke und Seufzer aus dem Publikum galt es wett zu machen, denn es läge an uns, das Konzert weiter gehen zu lassen. Die richtige Stelle für unseren Einsatz würden wir schon merken und so wurde aus „Aaahahahahah, naaaah bei diir“ eine Endlosschleife.

Die Band verließ die Bühne und wir gaben unser Bestes im Gesang. Nach einer Weile trat Markus Berges mit einem Becks zurück an Mikrofon, beurteilte unseren Gesang mit: „Hamburg, das klingt ja übel (verschmitztes Grinsen)… – und gefährlich!“ und der Rest der Musiker zurück an ihre Instrumente. Am Bass Ekki Maas, Keyboard Wolfgang Proppe, Schlagzeug Christian Wübben (an diesem im Übrigen ein optischer Hingucker dessen Oberlippenbart und Hosenträger) und Posaune Henning Beckmann. Proppe mit einem großen Pappkarton unterm Arm. Darin sollte sich neben dieser feinen Musik noch ein weiteres Geschenk für uns befinden.

Ein Konzert zum Mitmusizieren. So wurden uns Streichholzschachteln mit Erdmöbel-Emblem zugeworfen, mit denen wir nun – klapperkantapper – Musik machen sollten. Ein Ohrenschmaus. Ein nächstes Konzertende wurde angekündigt, welches seinen Höhepunkt in einem Lied finden sollte, dem ein Zuschauer sogleich, wie schon seit Jahren auf den Hamburg-Konzerten,  das Prädikat „Welthit“ verlieh. Jener Mann wurde an diesem Abend von der Band selbst und mit Handschlag zum „Welthit-Man“ gekürt und so galt wohl ihm ein wenig dieses Lied – „Die Devise der Sterne“.

Auch nach diesem Titel gab Hamburg sich nicht geschlagen, zusammen sangen wir noch mal „Aaahahahahah, naaaah bei diir“. Man war angenehm überrascht über solch Herzlichkeit. Erdmöbel ließen sich nicht lange bitten und betraten ein letztes Mal die Bühne! Diesmal mit Buch-Vorstellung. Ja, Markus Berges hat einen Roman geschrieben. Erdmöbel-Handschrift in „Ein langer Brief an September Nowak“. Ein letztes Stück wird uns gespielt und wir befinden: Ein wunderbares Konzert… „(…) aber unser war, die Devise der Sterne, ja, man darf nicht sagen, ich will gute Er-innerungen haben (…)“! Danke!

 

„Erdmöbel rettet den deutschen Pop … die bislang schönste deutschsprachige Platte des Jahres.“ Der Tagesspiegel


 

 

Text: Dominik Peters
Bilder: Ekimas

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