Rock gegen Rechts in Jena

Rock gegen Rechts – eine Stadt, Thüringen, ja die ganze Republik setzten am Freitag in Jena ein Zeichen gegen die braune Brut.

Initiiert vom Panikrocker Udo Lindenberg und Sigmar Gabriel stellte die Stadt Jena in kürzester Zeit dieses Mammutprojekt auf die Beine.

Mit 60000 Menschen hatte man im Vorfeld gerechnet. Befürchtungen vom großen Verkehrschaos machten sich breit. Einschränkungen würde es geben, das war klar. Aber ich muss allen Organisatoren ein großes Kompliment machen. Von der Autobahn ging es ganz problemlos über die gesperrte Stadtrodaer Str. mit Sondererlaubnis direkt zum Parkplatz am Stadion. Auch der Weg zur Wiese an der Oberaue war mit zahlreichen Ordnern gespickt und nicht zu verfehlen.

14 Uhr sollte schon Einlass sein. Das war für mich nicht ganz zu schaffen. Gegen halb 3 näherte ich mich der großen Bühne und konnte aus der Ferne schon einmal dem Soundcheck von Udo lauschen.

Akribisch schärfte er seinen jungen Mitstreitern vom Kinderchor Jena ein wie weit der Abstand vom Mikro bis zum Mund denn sein müsse. Ein Vollprofi eben, alles soll an diesem Abend perfekt sein.

Doch bevor es richtig losgehen konnte huschte ich noch einmal kurz ins Menschengetümmel nach Jena rein. Direkt ins Pressehauptquartier Volksbad, die Akkreditierung fürs Konzert abholen.

Wieder vor Ort hatte sich der Platz vor der Bühne schon sichtlich gefüllt. Die Menschen strömten unaufhörlich herbei. Es begann inzwischen zu regnen, doch vorbeugende Maßnahmen der Besucher bzw. die Ausgabe eines Regenschutzes vom mitteldeutschen Fernsehsender ließen dies schnell vergessen.

Fast Punkt 16 Uhr wurde diese denkwürdige Veranstaltung mit einem eindeutigen Statement von Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter und Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht eröffnet.

Den musikalischen Teil startete kurz darauf die junge Berliner Band Kowsky um Bandleader Marcus Ziegenrücker. Deutsche Texte und ein satter Sound brachten sicher den ein oder anderen Fan hinzu.

Die kurze Umbauphase bis zum nächsten Musikact wurde durch eine 10 minütige klare Positionierung von Peter Maffay, Udo Lindenberg, Sigmar Gabriel und Jürgen Trettin „überbrückt“.

Rockig und mit geballter Frauenpower ging es weiter. Julia Neigel und Band heizte sofort mächtig ein und das nicht nur durch ihr ansprechendes Äußeres. 🙂

Auch wenn ich ihre aktuellen Titel nicht kannte waren mir doch Ohrwürmer wie „Schatten an der Wand“ sofort wieder so vertraut, als wär es 1988. Und bei diesem Titel wagte sie auch den „Drahtseilakt“ auf dem Absperrgitter vor der Bühne, behütet von gefühlten 1000 Händen. Was für ein Auftritt.

Der erste „Überraschungsgast“ des Abends kündigte sich an. Nur mit Gitarre und leider ohne seine Band City spielte Toni Krahl „Casablanca“, Gänsehautfeeling.

Nach der Videobotschaft von Sebastian Krumbiegel von den Prinzen folgte der nächste musikalische Höhepunkt des Abends. Silly betrat die Bühne.

Und es ging gleich mächtig zur Sache.
„Mont Klamott“ brachte viele Hände nach oben, was sich bei „Alles rot“ noch einmal steigerte. Anna hatte die inzwischen 50000 Menschen sofort in ihren Bann gezogen. Und als Uwe Hassbecker mit seiner roten Gitarre direkt vor der ersten Reihe aufspielte sangen auch bis weit in die letzten Reihen die Konzertbesucher mit. Fast wie bei regulären Sillykonzerten war auch „Sonnenblumen“ das Ende.

Einen, sagen wir mal, umstrittenen Auftritt machte dann Lothar König von der jungen Gemeinde in Jena. Die Reaktionen im Publikum drohten schon fast zu kippen, der Moderator schaffte es aber den Redefluss in kürzere Bahnen zu leiten und so das Desaster zu verhindern.

Nun ein Höhepunkt folgt dem nächsten. Peter Maffay und Band erstürmten die Bühne und sorgten mit dem Karat-Klassiker „Über sieben Brücken“ für glückliche Gesichter. Textsicherheit war hier natürlich selbstverständlich.

Die nächste inzwischen nicht wirklich mehr Überraschung wurde von Udo höchstpersönlich angekündigt. „… ist es irgendwie einrichtbar, oder nicht. Aber er kommt. All the Way über Istanbul und weltweit zu uns. Er kommt hier gleich um die Ecke. Erfurt. Und ist mein Freund. Clueso.“

Jubel. Und was jetzt kommen sollte war wohl allen klar. Udo´s Worte „…nackt und ohne Reizwäsche. …“ umschrieben nur um so deutlicher was nun folgte. Der erst vor kurzem auf dem Album „MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantis“ erschienene Titel „Cello“ wurde von Clueso minimalistisch, aber keineswegs nackt gemeinsam mit Udo in einer wunderbaren Version, nur begleitet von der akustischen Gitarre und Saxophon vorgetragen.

Der Auftritt von Clueso war sehr zum Bedauern von vielen Zuschauern leider auf zwei Titel beschränkt. Mit dem Puhdys Hit „Wenn ein Mensch lebt“ ist Clueso dann doch zu schnell gegangen.

Das große Finale stand nun kurz bevor. Udo Lindenberg, gemeinsam mit seinem Panikorchester, sollten nun zusammen mit Jan Delay und dem Jenaer Kinderchor den nachdenklichen Titel „Wozu sind Kriege da“ darbieten.

Die kleine Nachhilfestunde am Nachmittag hatte wohl gewirkt. 😉 Irgendwie konnte sich da mancher ein Tränchen nicht unterdrücken. Immer noch aktuell der Song.

Sichtlich glücklich gab es das „Shake Hand“ mit Udo zum Schluss.

Was für ein Ereignis. Danke Udo und deine Mitstreiter. Ihr habt ein Zeichen gesetzt.

„…Zusammen sind wir stark. …“

Bericht und Fotos: René

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2 thoughts on “Rock gegen Rechts in Jena

    Dominik said:
    6. Dezember 2011 at 10:57

    … und geniale Bilder. Die werden immer besser! Den Udo haben wir dann später in einer Autobahnraststätte auf der A7 beim Mampfen „getroffen“. Sehr menschlich und hat auch noch brav Autogramme verteilt.

    Jörn said:
    5. Dezember 2011 at 22:36

    Hey René, richtig tolle Bilder sind dir da wieder gelungen

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