Vorspeise, Hauptgang, Dessert – in Musik

Ein paar musikalische Seitensprünge habe ich zu verzeichnen in letzter Zeit und möchte euch diese nicht vorenthalten. Wie ein feines Menü in Vorspeise, Hauptgang, Dessert  habe ich drei Bands genießen dürfen, die allerdings unterschiedlicher nicht sein können.

Am 02.11. erst einmal öffnete Hamburgs Fabrik die Türen für die Erdmöbel und diese öffneten uns ein weiteres Mal die Türen zu ihrer herrlichen Musik. Sie luden uns ein zur Präsentation Ihres neuen Albums „Retrospektive“. Nach 15 Jahren Bandgeschichte und sechs Studioalben in diesen genehmigte man sich erstmals eine Sammlung der besten Songs.

Schrieb ich vergangenes Jahr noch von den optisch intelligenten Nasen im Publikum, auf denen munter die Hornbrillen thronten, so schmückte ich mich diesmal selbst mit diesem guten Stück, irgendwie fühlte man sich dazugehörig. 21:00 Uhr trat eine Ein-Mann-Band als Support auf die Bühne. Ein quirliges Männchen an Akustik-Gitarre mit gelbem Leibchen und braunem Anzug, das Haar etwas wild und lockig, schmetterte und tanzte uns Kölner Friedemann Weise ein paar deutschsprachige Texte. Diese als auch seine Ansagen ließen Tränen in die Augen schießen – vor Lachen. Ein feiner Humor.

Nach diesem schlenderten dann endlich die Herren auf die Bühne, von denen ich auch in diesem Jahr buchhaltergraue Anzüge erwartet hatte. Meine Erwartung dahingehend wurde nicht erfüllt, die Augen bekamen erhellendes zu sehen. Markus Berges als Sänger, in leuchtend grünem Anzug. Ganz in Gipfelstürmer-Manier Bassist und Produzent Ekki Maas in derben Wanderschuhen, diese aufgewertet mit einem herrlich lila Jogging-Kapuzenanzug und grauem Filz-Hut.

Nicht ganz so auffällig aber dennoch chic Wolfgang Proppe am Klavier in einem Anzug mit passendem Herrenhut, am Schlagzeug den Takt angebend Christian Wübben und etwas versteckt an der Posaune Henning Beckmann. Wieder schafften die Erdmöbel es schon mit Betreten der Bühne und den ersten Takt anstimmend mir für den Rest des Abends ein Grienen ins Gesicht zu zaubern. Ich musste an meine Worte im letzten Jahr denken, Erdmöbel-Musik macht einfach fröhlich und glücklich. Es sei dahingestellt, ob die Lieder eigentlich von traurigen Texten handeln, sie kommen so locker leicht warmherzig daher, dass man sich leichtfüßig fühlt und einem das Herz aufgeht. Dazu die bunten Herren auf der Bühne, lassen einen gedanklich über eine bunte Blumenwiese springen mit feinen Melodien, mal harte, mal weiche Basslinien und Gitarrenklänge.

Völlig konträr zur just  genannten Band durfte ich vergangenen Montag (28.11.2011) dann erstmalig Rammstein live erleben, bei denen ich mich noch vor zehn Monaten schon des Bandnamens wegen nie dazu durchringen konnte, zumindest in die Musik mal rein zu hören. Ich wurde eines Besseren belehrt. Inzwischen höre ich sehr gern die Musik, deren Texte einmal abgebrüht aber auch einmal sehr lyrisch sind. Rammstein um Sänger Till Lindemann knallen mit Tönen und Feuerwerken um sich, dass sich einem vor Begeisterung die Nackenhaare aufstellen und eine entzückend kalte Gänsehaut über die Arme läuft.

Das Konzert in Hamburg, welches nach einem Tag ausverkauft war, brannte sich herrlich in den Kopf und es lodert noch immer. Einige mögen die Band und ihre Auftritte vielleicht obszön finden. Letztlich sind es auch nur Künstler, die aber eine geniale und einmalige wenn nicht anmutsvolle Show abgeliefert haben. Untermalt ist dieses Spektakel mit eindrucksvollen Lichteffekten, reizenden Bühnenoutfits und diversen anzüglichen Gesten. Dieses Erlebnis möchte ich mitnichten missen. Kurz gesagt: Laut, heiß, erregend.

Sonntag den zweiten Advent gab es dann noch ein vorweihnachtliches Geschenk auf die Ohren. Deep Purple ließen es sich nicht nehmen in unserem beschaulichen Schwerin die Kongresshalle zu bespielen. Neben Neil Young war es immer schon mein Wunsch auch diese Rockgrößen einmal live erleben zu dürfen.

Nicht mehr ganz in ursprünglicher Besetzung doch groß im Klangteppich spielten sich Ian Gillan, Roger Glover, Ian Paice, Don Airey und Steve Morse gemeinsam mit dem Frankfurter Orchester durch Deep Purple Jahre und vergaßen dabei Hits wie Smoke on the Water und Perfect Stranger natürlich nicht. Vielleicht war die nicht ausverkaufte Kongresshalle Schwerins nicht das, was die Musiker sonst gewohnt sind doch hat Schwerin ihre Lieblinge jubelnd auf Händen getragen.

Nun freue ich mich aber auch, endlich mal wieder Keimzeit sehen zu können. Hoffentlich bald.

Zum Schluss bleiben mir unvergessliche Gedanken. Ich danke allen, die mir dies ermöglicht haben. Dank besonders an den Liebsten!

Dominik

Bilder: iPhone (Hipstamatic)

Mehr Bilder von Rammstein auf www.dominik-peters.info

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