3 Highlige in Erfurt

Sonntag, den 29. Januar 2012: 3 Highlige in Erfurt

Eigentlich hatte ich mir ja fest vorgenommen, mein Leben ein wenig zu entschleunigen. Der Besuch des Konzerts der 3 Highligen war also gänzlich gegen meine neuen Prinzipien, denn vom Vorabend noch spürte ich die wunderbaren Nachklänge des letzten Konzerts des Clubs der toten Dichter im Leipziger Anker. Aber was soll man machen, wenn auch Herzberg, Michaelis und Zöllner zum finalen Konzert einluden? Die Neuauflage der Tour wollte ich keinesfalls verpassen und so gab ich mir einen Ruck. Und um es gleich vorweg zu nehmen, bereut habe ich es nicht.

Als ich den Zettel an der Tür des „Brett’l“ las, freute ich mich schon einmal, denn das „DasDie Live“, wohin das Konzert verlegt worden war, fand ich schon immer wesentlich angenehmer. Gutes Zeichen! Und dann stand da noch dieses nette junge Pärchen, das leider mit der Adresse nichts anzufangen wusste und sich schon wieder zum Gehen wandte. „Nein, kein Problem, ist doch gleich um die Ecke, ich hol mir nur schnell eine Karte und dann nehm‘ ich Sie mit!“ Erfurterin seit einem guten Jahr, war ich das erste Mal stolz, dass ich jemandem so schnell zu seinem Glück verhelfen konnte.

Sie betraten die Bühne. Mit ihren puscheligen Heiligenscheinen legten sie munter los und bereits nach den ersten Takten stellte sich ein wohliges Gefühl des Genusses ein.

Schön, dass du gegangen bist, dachte ich bei mir… Ich lehnte mich zurück. Ja, wir sind alle Verkäufer… Immer, wenn ich es höre, denk‘ ich an die Momente, in denen ich schon mit so manchem Künstler bangte, dass der Saal sich füllen möge… Der Scheinhiglige Tobias Hillig sorgte an der Gitarre für die Vollendung des Wohlklangs.

Ich ging mit auf die Reise, fühlte mich angesprochen bei Du hast‘ n Mann (einer göttlichen Bluesnummer dank Herzberg an der Mundharmonika und dem durch Hillig verstärkten Gitarrensound…) und ermutigt durch Gut aus…

Nach vorn ging’s mit Herzbergs Gesang und dann übers Meer wie Nie mehr, begleitet vom Rauschen des Erfurter Meeres und einem Michaelis-Nebelhorn.
Ich bitte um Nachsicht, dass ich nicht mehr alle Titel im Kopf habe und mich nur an einige Highlights des wundervollen Konzertabends erinnere (Anglizismen wie dieser sind nicht nach meinem Geschmack, aber hier passt er so gut…).

Nach der Pause hatte ich das Gefühl, dass mein lieber Dirk Zöllner nun Schritt für Schritt seine distanzierte Vorsicht gegenüber dem Erfurter Publikum aufgab…
Von der Dunkelheit geschützt, konnte ich meinen Tränen freien Lauf lassen, als Sand erklang.

Immer wenn ich in einem Zöllner-Konzert bin und dieses Lied nicht zu hören bekomme, fehlt mir etwas… Es gehört zu den wenigen Liedern, die ich aus vollem Halse gern mitsinge. Ich liebe Werner Karmas poetische Worte. An diesem Abend hier in Erfurt erinnerte ich mich, wie ich Thomas Maser zum letzten Mal in Aktion erlebt hatte, im Brett’l, gleich um die Ecke, zusammen mit Herrn Michaelis…

Ich hatte gehofft, es auch auf dieser Tour wieder zu hören zu bekommen und es hat geklappt. Derjenige, der, wie er selbst sagte, für die apokalyptischen Lieder bei den 3 Highligen zuständig war, verzauberte mich auf’s Neue damit: Babel… André Herzberg! (In der Pause des Konzerts hatte ich die letzte neue Pankow-CD erstanden, die Herr Lorenz noch in seinem Köfferchen hatte…)

Das Publikum im DasDie Live erwies sich als recht musikalisch. Beim Heiligenschein war ein beachtlicher Chor zu hören, wenn auch manch ein Sänger nicht ganz so textsicher war. Aus Phosphor! Nicht aus Moskau!

Bei den Zugaben zeigte sich dann, dass die Musikalität des Publikums noch getoppt wurde durch seine unbändige Tanzlust. So ließ es sich nicht lange bitten zum Flamenco der Nacht.

Ich danke für den anregenden Abend und freue mich auf die nächste Tour der drei (vier). Habe nicht den geringsten Zweifel, dass es wieder eine geben wird. Warum auch?

Bericht: Petra Sawadogo

Fotos: René

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2 thoughts on “3 Highlige in Erfurt

    Dirk Zöllner said:
    14. Februar 2012 at 12:17

    Vielen Dank, liebe Petra! Vielen Dank, lieber René!

    Für den schönen Beitrag und die schönen Fotos!

    Ilse Trott said:
    10. Februar 2012 at 20:33

    Ein toller Bericht,danke

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