Mein „Treibstoff“ ist Musik

Benzinpreise in Deutschland…, ein Fass ohne Boden, Ärgernis für Jeden, der darauf angewiesen ist mobil zu sein. …
Auch vor jenem Wochenende war der Gang zur Zapfsäule für mich unumgänglich. Wie auch das „Wahnsinnsvorhaben“ nach nem überstandenen Frühdienst aufzubrechen, um von der Hauptstadt aus 300 km nach Glauchau zu düsen, bevor mich der nachfolgende Spätdienst am nächsten Tage dazu zwang, den gleichen Weg zurück zu fahren.
Der Anlass für diesen Kurztrip war natürlich die Musik. Und die letzte Gelegenheit, eine Band zu erleben, welche mich vor Kurzem erst zur Begeisterung brachte und deren aktuelle Tour nun mit einem, zuvor zeitlich verlegten, quasi Nach-Abschluss-Konzert zu Ende ging.

Rockhaus – seit den 80gern in der damaligen DDR eine der angesagtesten Bands, gab sich nun einmal wieder die Ehre eine neue CD zu veröffentlichen und Diese dem geneigten Volke auch live vorzustellen.

Zugegebener Maßen war diese Band, wie so Viele in den Jahren der DDR-Ära, irgendwie an mir vorüber gegangen, ohne größeren Eindruck zu hinterlassen. Schade eigentlich, wir jungen Leute in der Hauptstadt waren wohl damals zu stark an den westlichen Größen orientiert, um die Perlen erkennen zu können, die in den Tiefen des musikalischen Ozeans des „Ostens“ lagen.

Gut, ich will hier nicht im Vergangenen dümpeln und auch nicht auf der „Ostalgiewelle“ reiten. Die Zeiten sind nun lange genug vorbei und das Jetzt und Heute bietet so viel Schönes in Fragen Musik, daß die Herkunft inzwischen im Unwesentlichen verschwindet.
Ich will hier von einem Konzert berichten, welches mir in seiner Dynamik wohl noch lang in Erinnerung bleiben wird.

Die „Alte Spinnerei“, inmitten eines Industriegebietes in Glauchau gelegen, empfing uns an einem noch recht kühlen Frühlingsabend, in Vorfreude auf das Kommende.

Am Einlass trafen wir schon auf einige bekannte Gesichter. Ja, man soll es nicht glauben,aber es gibt wohl doch recht viele Musikverrückte wie uns, die sich immer mal wieder auf den unterschiedlichsten Events treffen und gemeinsam Musik feiern und genießen.

Zusammen betraten wir den rustikal mit viel Holz und Geschmack ausgebauten Konzertsaal, holten uns noch etwas zum Anfeuchten der später noch zu strapazierenden Kehlen, ehe das Konzert mit dem, schon bekannten Dröhnen und Aufheulen des imaginären „alten Rosinenbombers“ beim Start, begann.

Aus dem aufsteigenden Nebel tauchten die Musiker auf und begannen Ihr Spiel.

Laut war es, wie schön! Ich hörte nicht nur Musik, sah nicht nur das Handwerk der Akteure. Nein, sie waren auch zu spüren, die Klänge aus den Lautsprechern. Fuhren mir durch Arme und Beine, gruben sich ganz tief in meine Magenhöhle ein. Wie herrlich! Lang hatte ich dieses Gefühl vermisst.

Spontan fällt mir beim Gedanken daran eine Textzeile eines Grönemeyer-Liedes ein.“Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist…“ Nun, taub bin ich zwar noch nicht, aber auch ich mag es, wenn es rockt, dröhnt, fühlbar wird. Und dann…, Text und die eingängige Musik zwangen einen gerade dazu mitzusingen, teilweise zu grölen, was das Zeug hielt. Selbst ich, welche ja nun hier wahrlich nicht als textsicher galt, ertappte mich dabei, die Musik aufzunehmen und den Text mit zu singen. Spätestens beim zweiten Refrain klappte das dann auch sicher.

Ja, die Rockhaus-Texte, gerade heraus, für Jeden verständlich, jedoch nicht ohne Poesie und Gefühl, so kommen sie daher. Von Liebe und Verlassen handeln sie. Es werden kleine Geschichten aus dem Leben erzählt, die wir alle kennen und wohl Jeder so, oder so ähnlich selbst schon erlebte.

Bei einigen Titeln scheint mir auch ein klein wenig Aufarbeitung der eigenen Schwächen dabei zu sein, wie auch der Fingerzeig auf die Verfehlungen des Lebens, ja der Gesellschaft der Menschen an sich.

Und dann die Musik, der Treibstoff, der uns voran bringt, auf dem die Texte fliegen lernen, der uns alle mit und gefangen nimmt. Dynamisch und schnell, aber auch ganz leise und gefühlvoll, eingehend ins Ohr und süchtig machend nach mehr. Wir geben uns hin, lassen uns mitreißen in den Strom, aufwühlen und sanft wieder zu Boden bringen. Der ganze Saal, eine große Einheit in Klang und Wort.

Die Klassiker werden umjubelt, das Neue begeistert aufgenommen. Auch wenn sich zeitweise die Technik ein wenig in Selbstauflösung befand, so rissen gleich am Beginn Herrn Petereit zwei Saiten der Gitarre und an Maxs Repkes Bass gab das Anschlusskabel seinen Geist auf, tat das der Spielbegeisterung der Musiker und dem Spaß im Publikum keinen Abbruch.

Witzig auch die Vorstellung eines perfekten Pärchens in den Reihen der auf der Bühne Aktiven. Ringel und Natter, gemeinsam auch „Ringelnatter“ genannt, sich gegenseitig unterstützend und helfend. Wie schön, aber Kostümzwang herrscht doch wohl nicht bei Rockhaus?! 🙂

Furios das Solo des Drummers Heinz-Angel Haberstroh. Unglaublich die Schnelligkeit seiner Beats, Explosionen am laufenden Band. Dazu noch eine Mimik und Gestik die ihres Gleichen sucht. Mir schien, als hätte der Mann unendliche Kräfte, wollte nie wieder aufhören sein Arbeitsgerät zu malträtieren. Ein Tier! Ein wahrlich Großes!

Der Applaus des Publikums konnte, trotz immenser Anstrengung, diese Lautstärke nicht übertönen.
Dann wurden wir alle wieder ein wenig „runtergeholt“. Wunderschön, die Ballade „Besseres“, wohl eines meiner Lieblingslieder des neuen Albums,wenn es um die sanfteren Töne geht.

Und irgendwann kam dann das, was sich wohl niemand ersehnte an diesem Abend. Abschlussapplaus, Verbeugung der Mitwirkenden, ein letztes Winken und „Dankeschön“. Schluss wars.

Wir holten uns noch einmal etwas Trinkbares, die Kehlen waren ja inzwischen leicht angetrocknet und Heiserkeit machte sich breit, gingen noch einmal zum Merchandising-Stand, wo ich noch etwas Musik für die Rückfahrt ( und natürlich auch sonst) erstand, und verabschiedeten uns dankend von den Musikern, nebst Gefolge.

Am nächsten Morgen machte ich mich dann wieder auf die Fahrt ins heimische Berlin. Die Autobahn schien heut etwas schneller zu sein, meine Fahrt leicht rasanter. Lag es wohl am zusätzlichen „Treibstoff“ welcher aus meinen Lautsprechern tropfte?…
Zur Zapfsäule musste ich allerdings auch, und stellte doch wahrlich fest, daß der Preisrekord wieder einmal gebrochen war.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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