Spezialisiertes Copyright by Stoppok

BKA-Theater, Berlin

Endlich mal wieder ein Stoppok-Konzert in meiner Heimatstadt!
Wir erklimmen die fünf Stockwerke des Hauses 34, Mehringdamm. Es ist ca. 19:30 Uhr, genügend Zeit, noch gute Plätze zu ergattern… – meine ich. Nun, die Realität sieht anders aus. Beim Eintreten ins Dachgeschoss sehen wir in einen schon gut gefüllten Saal. Die Bühne, ungewöhnlich lang an der Seitenwand, davor Stuhlreihen und Bistrotische. Wir, nach freien Plätzen mit guter Sicht nach vorn suchend, laufen durch die Reihen.

„Das gibt’s doch nicht!“, höre ich René auf einmal staunend sagen. „Was denn? Bekannte entdeckt?“ Tatsächlich! Auch ich mache große Augen. Drei wohl bekannte Gesichter vor uns in den Stühlen. Der CdtD macht wohl einen Betriebsausflug. Maxs, Spatz und Tim wollen wohl einmal bei der Konkurrenz ein klein wenig „spionieren“ und sich noch ein paar neue spitzfindige Sprüche beim „Meister des Mutterwitzes“ abschauen.

Wir nehmen dann am rechten Ende der langen Bühne Platz. Nicht ideal, doch von der Seite aus ist das Geschehen noch recht gut zu überblicken.
Das Licht wird gedimmt, die Show kann beginnen.

Stefan erscheint auf der Bühne und wird mit Vorschusslorbeeren in Form von stürmischem Applaus beehrt. Er schlägt zurück mit Komplimenten an das heutige Publikum. Überhaupt wird an diesem Abend viel Huldigung ans Publikum betrieben. Und Dieses gibt es an Stefan begeistert zurück.

Wir werden sowohl mit alten Klassikern, als auch mit Neuen Stücken unterhalten, lernen etwas über Medienpolitik und Lebensstil bekannter und weniger bekannter Künstler: „ Bei Künstlern wie Paul Mc Cartney, der nach seiner Scheidung sicher darauf angewiesen ist, mit seiner Musik viel zu verdienen, so wie Madonna, welche ihren Lebensstil gewohnt ist und doch große Ausgaben für Proben, Garderobe etc. bewältigen muss,… sollte der geneigte Konsument doch immer brav für CD´s und Downloads zahlen. Bei den kleinen Künstlern ist das nun nicht so notwendig. Die sind es eh nicht gewohnt, mit ihrer Kunst zu verdienen… 😉 “, so Stoppok.

Nun, wir haben für den heutigen Abend unbewusst eine Flatrate für die gespielten Songs erworben. Als Bonus gibt’s heut ein Wunschkonzert. Aber nur, wenn der erste stoppoksche Texthänger in den ersten drei Songs passiert. …passierte natürlich erst beim vierten oder fünften Lied, also nix mit Wunschprogramm. Schade!

Auch in der Zeit ohne Konzerte war der Künstler nicht untätig gewesen, versichert uns Stoppok. Er habe sehr viel fern gesehen. Wollte selbst spüren, wie schnell das Niveau des deutschen TV im Stande ist zu sinken. Nach 3 Monaten hatte er dann das Gefühl, man hätte mit Baggern noch einmal mehr nach unten frei geschaufelt, um Platz für weitere Tiefkultur zu schaffen. Auch beim Publikum wäre eine deutliche Gewichtszunahme, im Vergleich zum Ende des letzten Jahres, zu verzeichnen ( „es sind ja eh die gleichen Leute wieder da…“). Oder hatte sich das BKA-Theater inzwischen schmalere Stühle angeschafft?…

Mit seiner „Einmannband“ machte Stoppok mächtig Dampf. Und ja, hier stimmt der Meister noch selbst 🙂 Liegt es nun daran, daß er am Besten auf sich selbst vertraut, oder an seiner Großzügigkeit, seinen Fans das illegale Downloaden seiner Songs uneingeschränkt zu gestatten. Nun, das würde auch den Minimalismus der Solokonzerte erklären :-).

Auf Sven Regners Rede zum Copyright bezogen, natürlich wird auch diese Thematik hier nicht ausgelassen, meint Stefan, daß er bereits seit 20 Jahren den gleichen Gürtel trägt und inzwischen im letzten Loch angekommen ist. Seinen Vorschlag, allen die am Copyright verdienen, im Jahr 20000€ zu lassen und den Rest des Kapitals jungen aufstrebenden Künstlern zur Verfügung zu stellen, find ich genial. Der Mann sollte in die Politik gehen! 🙂

Jetzt bei ca. der Hälfte des Konzertes angekommen, wird auf die Einhaltung eines weiteren „neuen Gesetzes“ bestanden. Danach dürfen Künstler über 40, …äähm naja gut…, jenseits der 50 nicht länger als 45min. Am Stück spielen. Die Thrombosegefahr wäre zu groß und es drohe eine Geldstrafe von 60 000€ bei Nichteinhaltung. Da wir, als Publikum weder das Eine noch das Andere für unseren Musiker riskieren wollen, stimmen wir bereitwillig der kleinen Pause zu, zumal auch unsere Kehlen inzwischen durch Lachen und Mitsingen am eintrocknen sind und nach etwas Befeuchtung lechzen.

Pause beendet, Bedürfnisse gestillt, kann weiter gehen.

Stoppok erscheint in neuem Outfit. Das Alte war durchgeschwitzt. Kein Wunder bei der Wärme, die das Publikum hier unterm Dach inzwischen erzeugt hatte.
Was hatte Stefan inzwischen hinter der Bühne getan? „Natürlich fern gesehen und den weiteren Abstieg des Niveaus beobachtet.“

Der zweite Konzertteil wird eingeleitet mit „Herzlos“. Perfekt in Kopfstimme gesungen. Fast wie Robin Gibb in seiner Bestzeit.

Dann war der“Speziallistenblues“ dran. Oder doch nicht?… „Wie ging denn nur der Text?… Das ist ein ganz spezieller Text.“ Das Publikum will aushelfen, vergeblich. Der spezielle Text des speziellen Speziallistenliedes ist einfach verschwunden. Nun gut, dann gibt’s halt nen „Schieberblues“ als Ersatz.
„Text und Finger müssen eine Einhalt bilden, wie Körper und Geist“ wird uns erklärt. Dann klappt es doch noch mit dem speziellen „Speziallistenblues“.

Merchandisingartikel gibt es heut leider nicht. Die CD-Produktion wurde inzwischen komplett eingestellt, erklärt uns Stefan. „Es hat ja eh keinen Sinn, da alles illegal downgeloadet wird.“

Stefan ist irritiert, unterbricht das nächste Lied. … „Hier wird ja wieder von zwei Seiten mitgefilmt. In einer Stunde ist dann wohl alles wieder auf Youtube hochgeladen. Aber ich sag es Euch, das wird dann sogleich gesperrt! Nicht etwa wegen Urheberrechtsverletzung, nein…“ meint Stefan. Der Grund sei seine Frisur. Die sitze heut nicht so gut und das wäre ihm äußerst unangenehm. … Die zwei Filmer ließen sich davon nun nicht beeindrucken und vollendeten mit Stefans Gesang ihr filmisches Werk. Ob dieses dann wirklich auf Youtube erscheint, sei dahingestellt. Wir jedenfalls konnten es am Tage danach noch nirgends entdecken.

Nach zwei Zugaben und dem Spielen meines Favoriten „Aus dem Beton“ ist das Konzert leider schon wieder vorbei. Viel zu kurz, für die lange Wartezeit auf ein Wiedersehen.

Die kleine Solo-Tour, welche momentan läuft, kreist leider um Regionen, welche zu bereisen mir aus Gründen der räumlichen Entfernung wohl kaum möglich sein wird.
Schade, aber die Hoffnung auf weitere Termine bleibt. In der Zwischenzeit muss halt die „Konserve“ herhalten. Rechtmäßig erworben natürlich, da bin ich wohl noch von der alten Generation. Ich muss es in Händen halten können, das Werk, es muss mein Regal zieren und ich mag es, im Booklet zu blättern. Bei illegalen Downloads ist das nicht möglich 😉

Danke an Stefan, ans Management, ans BKA-Theater für diesen schönen musikalisch-/satirischen Abend.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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