Szenario mit Bobo

Geraer Songtage 2012,
am 14.04.2012 waren „Bobo in white wooden houses“ geladen, das „Szenario“ in Gera mit ihrem musikalischen Zauber in eine Traumwelt von Klang und Gefühl zu hüllen.
Wie schön für uns, nach einer ziemlich langen Zeit einmal wieder dabei sein zu können, wenn Bobo ihr gesangliches Können dem Publikum so hautnah und vor allem schnörkellos ohne großes Technikaufgebot darbietet. An diesem Abend in der Geraer Theaterlokalität „Szenario“ nur von ihrem Bassisten und Pianisten Lexa Schäfer begleitet, trug sie uns einen Querschnitt ihres gesamten Repertoires als Akustik-Set vor.

Schon am Nachmittag in Gera angekommen, hatten wir noch ein wenig Zeit uns umzuschauen. Der Ort des abendlichen Events ward schnell gefunden und so zogen wir, in Erinnerung an ein musikalisches Erlebnis im Jahre 2007 in Richtung des damaligen BUGA-Geländes, wo einst Keimzeit auf der Freilichtbühne die Fans begeisterte.

Erinnern macht manchmal hungrig und so suchten wir nach einem gastlichen Ort, um noch etwas zu uns zu nehmen. Nicht weit entfernt wurden wir auch gleich fündig. Es war eine gute Wahl, die Finkenstube empfing uns mit einer äußerst netten Kellnerin und gutem Essen, so wie unserer Bierstammarke.
Nach dem wir uns gestärkt hatten, hieß es schnell aufzubrechen, da die Zeit schon
sehr fortgeschritten und der Einlass wohl schon begonnen hatte.

Kurz nach 21:00 begann das Konzert zunächst mit einer kleinen Ansprache des Veranstalters.

Zuerst wurden noch freie Sitzplätze für die letzten, am Eingang wartenden Leute gesucht. Die Veranstaltung war inzwischen mehr als ausverkauft…. Dann bekundete der junge Herr am Mikrofon, daß er Bobo schon lange einmal nach Gera hätte holen wollen, jedoch nie die passende Gelegenheit dazu hatte, bevor er sie und ihren Begleiter für den Abend ankündigte. Er bezeichnete Bobo als eine Ausnahmesängerin, welche sie ohne Zweifel auch ist.

Bobo und Lexa betraten die kleine, ein wenig improvisierte Bühne (eigentlich wohl eher als zweite Ebene für Restauranttische gedacht) und wurden mit wohlwollendem Beifall begrüßt.

Die Aufforderung, beim ersten Lied gleich mitzusingen, wurde leider von den Anwesenden nicht wirklich wahrgenommen. Es traute sich wohl noch niemand so recht. Nun, auch die etwas gezwungene Atmosphäre eines Sitzkonzertes in gehobenem Ambiente wirkte sich sicherlich auf das Publikum ein wenig lähmend aus.

Gedimmtes Licht und verträumte Motive über Beamer an die Bühnenwand geworfen, erzeugten ein sphärisches Feeling und passten genial zu Bobo´s Musik.

Ich war wieder einmal bezaubert von der Stimme Bobo´s und ihre eigene Art Diese einzusetzen. Wie das Spielen eines Instrumentes schien mir ihr Stimmeinsatz, mal ganz sanft dahin fließend, um gleich darauf kraftvolle Akzente zu setzen, fast wie die Rhetorik in einem Theaterstück, nur halt in der Kleidung der Musik.

Momente lang fühlte ich mich akustisch ins Reich der Feen, Engel oder Sirenen versetzt, welche einen mit ihrem Gesang so in ihren Bann ziehen, daß man Zeit, Raum und Sein vergisst.
Das ist Musik zum Zuhören, zum Tagträumen! Obwohl so einige Male auch mein Tanzbein zuckte. Verstohlen sah ich den Einen oder Anderen leicht mit dem Oberkörper schwingen, oder mit dem Fuß wippen. Mehr ließ das gezwungene Sitzen kaum zu.

Bobo bedient sich in ihren Texten sowohl persönlichen Erlebnissen, wie die Zwiesprache mit ihrem 9jährigen Neffen, welchem in seinem zarten Alter das Wort Dè-jávu schon geläufig war, wie auch Klassikern wie Shakespeare. Mein Englisch ist leider zu schlecht, um die Texte umfassend zu verstehen, aber sie scheinen sehr poetisch zu sein.

Besondere Akzente setzte der Einsatz eines für deutsche Bands eher unüblichen Instrumentes. Auf Nachfrage erfuhr ich, daß es sich hierbei um ein „indisches Harmonium“ handelte ( ich hoffe, ich habe das richtig behalten 😉 ). Der Klang dieses Instrumentes liegt für mein Gehör so irgendwie zwischen Akkordeon/Piano mit leicht orientalisch angehauchtem slang. Wunderschöner Akzent zur leicht psychedelischen Musik Bobo´s.

Das Publikum war sehr angetan von diesem Konzert mit kleiner Besetzung und dankte mit viel Applaus und multiplen Zugabeforderungen.

Die Zwei Musiker ließen sich nicht lange bitten und zeigten noch Einiges aus ihrem musikalischen Schatzkästchen. Besonders gefielen mir dann die zwei neuen Stücke am Ende des Abends, auch wenn noch nicht so sehr oft geübt und daher mit leichten Unsicherheiten vorgetragen. Sehr schön finde ich auch, daß Bobo wieder einmal Lust auf deutsche Texte hat, wie an diesen beiden Titeln zu erkennen war. Auch diese Note steht ihr wirklich sehr gut.

Am Ende dieses Berichtes gibt es noch einige Kleinigkeiten, die ich hier zu erwähnen nicht lassen mag. Vielleicht gibt es ja Denkanstöße für zukünftige Events dieser Art.

Das „Szenario“, Restaurant im „Großen Haus der Theater & Philharmonie Thüringen in Gera“, hatte sich seit der Neueröffnung am 21.04.2007 den Anspruch „Momente für die Sinne“ auf die Fahnen geschrieben.
An diesem Abend hatte ich allerdings den Eindruck, daß hier am stärksten der „Sinn nach Anhäufung von Reingewinn“ im Vordergrund der Veranstaltung lag. Zum Einen wurde der Einlass nach „vorheriger Bestellung von Speisen“ geregelt, die Sitzreihen für die „Nichtesser“ schienen bewusst mit übermäßiger Beinfreiheit ausgelegt worden zu sein, um genügend Platz für die Bedienung zu lassen. Ein Umstand, welcher mir aufgrund der Tatsache des Überverkaufs von, zugegebener Maßen mit recht moderaten Preisen von 12,oo€ veräußerten Karten , umso unverständlicher war. Nun, schön, daß auch der „gewöhnliche Konzertbesucher“ hier die Chance behielt, bequem an Ess- und Trinkbares zu kommen, aber hätte es nicht gereicht, wenn dazu die Wartezeit vor dem Konzert und die, vom Veranstalter wohl so gewünschte Pause genutzt wurden?…
Nicht nur ich empfand das Geldgeklimper und ständige „durch die Reihen laufen, der wirklich netten Damen des Bedienpersonals, als äußerst störend.
Die optisch sehr noble Kulisse des Restaurants verlor durch diesen Umstand ein wenig an Charme. Und mal ganz ehrlich, eine Künstlerin wie Bobo hat doch eigentlich die volle Aufmerksamkeit des Saales verdient.
Gedankt sei hiermit dem trotz der Störungen doch äußerst aufmerksamen Publikums, welches sich zwar leicht zurückhaltend, aber doch sehr interessiert der Bühne und der Musik widmete.

Mein großer Dank gilt hier Bobo und Gefolge, welche eine große Leistung erbrachten, obwohl die Umstände nicht die allerbesten schienen, und uns, wie auch dem gesamten Publikum, bei ausverkauftem Hause, einen unvergesslichen Abend bereiteten, der uns Ohren und Augen öffnete und bereit machte zuzuhören und in uns aufzunehmen was Musik alles sein kann.

Ganz liebe Grüße
birgit b.

Fotos: René

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