Wenn der Tag kommt…

„Wenn der Tag kommt, an dem du spürst, dass es richtig ist zu geben, verjag die Zweifel und du wirst belohnt mit neuem Leben…“
Neugierig auf „Treibstoff“ und auf Rockhaus, die ich seit 2005 nicht mehr im Konzert gesehen hatte, stellte ich mich am vergangenen Sonntagabend im Erfurter Brettl ein.

Ein wenig mulmig war mir schon zumute, kannte ich diese Lokalität doch noch von verschiedenen Gelegenheiten, bei denen das Publikum meistens brav an Tischen der Unterhaltung des Abends lauschte. Ein Rockhaus-Konzert unter diesen Umständen? Undenkbar!!! Aber meine Sorge sollte sich schon bald zerstreuen…

Ein Bekannter, der gleich auf mich zukam, als ich den Saal gerade betreten hatte, erzählte mir freudestrahlend, dass er all seine CDs heraus gekramt und mitgebracht habe, um sich nachher Autogramme der Herren abzuholen. Ich dachte an meine alten Langspielplatten und dass es wohl ein wenig umständlich gewesen wäre, sie hierher mitzubringen…

Ja, meine Liebe zu dieser Band ist alt. Ich steh‘ dazu. Die Wand meines Jugendzimmers zierte ein Poster, das die flippigen Berliner Jungs – Mike damals in den göttlichen gelb-schwarz gestreiften Hosen – frech präsentierte. Die vier passten zu meinem pubertierenden Gemüt. Rotzig und punkig kamen sie daher und hatten die volle Bewunderung der westthüringischen Provinzgurke, die ich war. Songs wie „In der Nacht“ und „Ich muss darüber quatschen“ sprachen mir direkt aus dem Herzen…
Unter keinen Umständen hätte ich mich damals getraut, bei einem der Konzertbesuche die Jungs anzusprechen. Soweit reichte mein Selbstbewusstsein bei Weitem nicht.

Ich gestehe, dass ich dann erst 2005 wieder einmal die Gelegenheit wahrnahm, die Band, die inzwischen eine ganz andere geworden war, zu beschnuppern. Im Geraer Comma waren sie damals zu Gast, nicht lange vor dem Start des Heine-Programms des CdtD.

Nun also „Treibstoff“. Mit „Blutrot“, diesem kraftvollen rockigen Stück mit der klaren Aussage starteten wir in den Abend. Der breite Korridor vor den Tischen, direkt an der Bühne, war sogleich von einem großen Teil der Konzertbesucher okkupiert und ich atmete erleichtert durch…

Ich hätte mir einen volleren Saal gewünscht, aber ich kann sagen, dass die Leute, die gekommen waren, genau die Richtigen waren. Was für eine Stimmung! Mike Kilian ging auf die Knie.


Die Band begeisterte mich vollends. So viel Musizierfreude, so viel Einsatz, gerade so als ob fünfmal so viele Leute im Saal gewesen wären… Ich ziehe den Hut! Heinz Angel am Schlagzeug, eine Wucht!

Herr Petereit an der Gitarre, auch ohne die hohen Schuhe eine wahre Größe!

Beathoven an den Tasten mit nicht enden wollendem seligen Grinsen.

Mein lieber Maxs am Bass so herrlich albern und vergnügt…

Mike Kilian, der Star meiner frühen Jugend, noch immer gelenkig und mobil und vor allem mit dieser begnadeten Stimme, wie man sie so schnell nicht wieder finden kann.


Selbstbewusst präsentierten die Jungs die meisten Titel des neuen Albums. Wir hörten „Wir“, „Leben“, „Allein“ und das herrlich punkige „Geh“. „Universum“ brachte man uns in Akustikversion zu Gehör, ein Titel aus der Feder von Heinz. Bravo!

Aber auch berührende Balladen erfreuten das Publikum, so „Jahr“ und „Besseres“.


Natürlich fehlte es auch nicht an alten Krachern. Mit hingebungsvoller Unterstützung durch das Publikum zelebrierten die Rockhäuser unter anderem „Prinzen“, „Gefühle“, „Bleib cool“, „Ohne dich“ und „Mich zu lieben“.


„Nur ein Traum“ und „Mit jeder Träne“ vom Album „Positiv“ trafen direkt in die Herzen der Leute und rundeten das Tour-Bergfest auf gelungene Weise ab.


Mit „I.L.D.“ verabschiedete uns Rockhaus aus diesem begeisternden Rock-Spektakel.

Beseelt von so viel positiver Energie wagte ich mich an den Merchandising-Stand, wo ich aus den Händen von Mike Kilian ein wenig „Treibstoff“ erstand, der mich nun „mit neuem Leben“ belohnt … Vielen Dank für den wundervollen Abend, Heinz, Beathoven, Reini, Maxs und Mikel!

Bericht: Petra Sawadogo

Fotos: René

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