Impro Revival Festival in Magdeburg

„Jürgen Kerth liegt schon im Bett und Dirk Zöllner muss bald dahin…“, so die entschuldigende Ansage von Mike Kilian, als es darum geht, beim Publikum des gestrigen Impro Revival Festival in der Festung Mark um Verständnis dafür zu werben, dass es nun keine weiteren Zugaben mehr geben sollte. Alle Akteure (mit Ausnahme des grandiosen Erfurter Blues-Gitarristen) finden sich zu den Klängen von Rockhaus‘ I.L.D. noch einmal auf der Bühne ein. Gnadenloser Zeitplan, wie so oft bei Veranstaltungen dieser Art.

Da kann man nichts machen… Trotzdem: ich bin recht froh, dass wir den Weg ins Land unser früh aufstehenden anhaltinischen Nachbarn nicht gescheut haben. Spontane Entschlüsse verhelfen ja nicht selten zu glücklichen Momenten. Die Aussicht war schließlich blendend, denn sowohl Die Zöllner (mit Horns!!!) als auch Rockhaus standen auf dem Programm. Vermutlich hätten wir die Anfahrt etwas entspannter angehen können, denn die am frühen Abend laufenden Konzerte und auch die zumeist wenig unterhaltsamen Ansage-Improvisationen des langweiligen Moderatorenduos, das man von ich weiß nicht wo revivalt hatte, sind ganz und gar nicht nach unserem Geschmack. Aber so ist das wohl auf Festivals dieser Art, es treffen sich verschiedenste Leute mit ganz unterschiedlichen musikalischen Leidenschaften… Nach einer kleinen Runde ums nicht sonderlich spannende Karree treibt uns der Regen doch wieder Richtung Veranstaltungsort zurück.

Das erste Konzert ganz nach meinem Geschmack bietet Jürgen Kerth. Mit ihm spielen Ronny Dehn am Schlagzeug und ein mir unbekannter junger Bassist, zum ersten Mal zusammen, wie uns Kerth wissen lässt. Feinster Blues, klasse Lieder und die Kerth-Fans um uns herum ein sympathisches Völkchen. „Komm herein“ oder „He, junge Mutti“, Kerth unterhält im besten Sinne des Wortes mit seiner begnadeten Musik, die ohne Zweifel verbindet.

Impro_Magdeburg

Scholle im Verbund mit den Horns, Heiko Jung, Oliver Klemp, Werner Neumann und natürlich Gensi schafft es dann als erster, die Stimmung so richtig anzuheizen. Ein paar alte Schmäckerchen geben die Jungs zum Besten wie „Rosarote Segel“, „Was du verlangst“ und natürlich „Allein“. Aus dem neueren Repertoire gibt es unter anderem „Idylle im Krieg“, „Lalala“, „Was geht ab“ und als Zugabe „Gut aus“. Impro, der Name scheint Programm, setzt sich auch bei Zöllners fort. „Herr Friedrich“ an der Posaune, im wahrsten Sinne des Wortes zum Niederknien, aber auch der „Aushilfsgitarrist“ Werner Neumann schlägt sich bestens (fasziniert schaue ich ihm unter anderem beim rasend schnellen Aufziehen einer neuen Saite zu…). Soundtechnisch ist nicht alles optimal. Ich bin kein Spezialist, habe aber bei Open-Airs häufig den Eindruck, dass der gute Ton eine echte Herausforderung für die Techniker darstellt.

Dieser Eindruck erhärtet sich leider auch bei den nun folgenden Rockhäusern. Mikes Gesang und das, was Maxs, Heinz, Reini und Beathoven auf ihren Instrumenten beizusteuern haben, gehen leider in einem großen fröhlichen Getöse unter, das mich trotz allem glücklich macht. Der Regen hat sich verzogen, die Temperaturen sind erheblich gefallen, mir aber ist mollig warm. Rockhaus ist wie eine Ladestation für mich. Positives erfüllt mich, ich kann nicht erklären warum. Während ich den Jungs beim Musizieren zuschaue und – höre, laufen Filme vor meinem geistigen Auge ab, die mir unter anderem meine frühe Jugend wieder ins Gedächtnis bringen. Auch wenn Besetzung und Sound nicht mehr ganz die der ersten Rockhaus-Jahre sind, so freue ich mich noch immer an den ehrlichen, geraden Liedern und die simplen, eingängigen Worte kommen mir beim Singen wie von selbst über die Lippen. So höre ich mich bei „Bleib cool“, „In deinen Augen“ oder „Blutrot“ fröhlich mitträllern und hätte es gern noch bei mindestens einem weiteren Dutzend Liedern getan, wenn da nicht der gnadenlose Zeitplan der Festivals, die drohende NDW-Aftershow-Party mit Juckreiz – ach ja – und natürlich das Schlafbedürfnis der alternden Musiker dem Ganzen ein ziemlich abruptes Ende verschafft hätten.

Was bot der Abend noch? Ein berührendes Wiedersehen mit Matze Matzke, der zwar nicht an dem für mich gewohnten Platz zum Einsatz kam, aber einen nicht ganz unerheblichen Anteil am Gelingen der beiden letzten Konzerte des Abends in Magdeburg hatte. Symbolisch für alle Helfer vor und hinter den Kulissen, sag ich ihm danke für sein unermüdliches Wuseln auf der Bühne! Auf bald!

Bericht und Foto: Petra Sawadogo

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