Alles klar? …

Es ist fünf Minuten vor acht…

Freitag Abend in der Vorweihnachtszeit, Regen und Wind im Thüringer Land. Wir fahren durch die Nacht. Durch mehrere Tunnel, vorbei an festlich beleuchteten Gärten und Häusern und dunklen Wäldern und Tälern. Ja, fast mutet es an, wie ein Weihnachtsmärchen. Wenn da nicht dieses Schmuddelwetter wäre.
Unser Ziel heute ist Bad Salzungen. Bergstädtchen in vorweihnachtlicher Romantik. Doch Diese ist es nicht, die uns heute hier her zieht. Glücklichen Umständen verdankend, dürfen wir heute nochmals bei Stoppok zu Gast sein.

Diesmal ist, im Gegensatz zum Vormonat in Erfurt, der Musiker wieder allein unterwegs. Allein, begleitet nur von seinen Gitarren und dem „Einmannorchester“. Frei, zu tun, wonach ihm gerade ist, ohne Absprachen zu halten mit anderen Bandmitgliedern, wie er auch beim Konzert nicht unerwähnt lassen wird. Aber dazu später. …
Wir betreten erwartungsvoll das Konzertgebäude. Schlichter Eingang, dahinter eine Bar, bevor es in den eigentlichen „Konzertsaal“ geht.

Sehr liebevoll eingerichtet, das „Alte Pressenwerk“, mit sehr viel Herzblut des Betreibers, wie mir scheint. Die ehemalige Nutzung noch erkennbar, mit alter Laufkatze und den, Graffiti-bemalten Toren, jedoch mit diversen Lichtinstallationen und eine gewisse Gemütlichkeit verheißenden Dekorationen. Alles andere als ein verruchter Rock-Schuppen also.
Es sind vor der, in Schwarz gekleideten Bühne, Stuhlreihen aufgebaut.

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Ah ja, es sollte heut wohl etwas „gesetzter“ zugehen ( im wahrsten Sinne des Wortes 😉 ).
Die alte Werksuhr, oberhalb des Schwarzes der Bühne zeigt gerade fünf Minuten vor acht. Genug Zeit also, sich in Ruhe ein Plätzchen zu suchen, etwas Trink- und Essbares zu besorgen und den Raum auf sich wirken zu lassen.

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Musik aus der Konserve dringt durch den Raum. Sehr angenehm, gute Musikauswahl, jenseits des Mainstream. Es drängt sich mir die Frage auf, ob wohl der Meister selbst Diese getroffen hat, oder der Veranstalter. Leider wird das wohl ein ungelüftetes Geheimnis für mich bleiben.
Immernoch fünf vor acht.

Der Saal füllt sich und auch die Podien an der Seite werden besetzt. Der kleine Abendsnack ist gegessen und das Glas nur noch halb voll. Man könnte ja auch „halb leer“ sagen, aber das wäre wohl zu negativ, anbetracht des Erwarteten.

Wieder erstreckt sich das Altersspektrum der Gäste vom Enkel bis zum Großvater und wieder waren viele nicht zum ersten Mal bei Stoppok zu Gast.
Die große Uhr zeigt immer noch fünf vor acht.

So langsam wird die Menge unruhig. Applaus und vereinzelte Rufe versuchen den Akteur des Abends ins Scheinwerferlicht hervor zu locken.
Dann erscheint eine Person auf der Bühne. Dem Kenner unschwer erkennbar, ist es nicht Stefan Stoppok, welcher ans Mikro tritt. Allen Unwissenden wird dies durch seine Ersten Worte dann auch klar gemacht. „Nein, ich bin nicht Stoppok, habe aber trotzdem noch etwas zu sagen…“

Uns wird ein Crashkurs in „Medienkompetenz“ dargeboten:
1. es sind keine, mehr oder weniger hochqualitative, Videos mit Smartphones mitzuschneiden,
2. eine Audiomitschnitte durchzuführen
3. und vor allem, nichts der Gleichen bei Youtube etc. einzustellen, auch wenn so Mancher glaubt, ein Konzert hätte nur stattgefunden, wenn gleich danach etwas auf diesen Portalen zu sehen ist.
Also Handys aus! Jetzt!
Aber,
erlaubt ist: Fotos zu machen. Jedoch nur, ohne den Nachbarn zu stören und vor allem OHNE Blitz.
… natürlich mit dem Smartphone, welches ja aus ist… ! ? ! …
Dann noch eins: „Wer her gekommen ist, um sich mit seinen Freunden übers Wetter, das letzte Kaffeekränzchen oder sonst irgendwas zu unterhalten, der sollte dies doch bitte draußen tun. Hier ist Zuhören und Mitgehen angesagt.“

Wunderbar! Diese Worte finden nicht nur meine Zustimmung, was der allseitige Applaus bestätigt.
Dann verabschiedet sich der Junge Mann mit den Worten:
„Und hier ist nun STOPPOK !“

Es ist immernoch fünf vor acht,

Der Meister betritt die Bühne und wird mit lautem Applaus begrüßt. Er greift zur Gitarre und die Post geht ab.

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Das zweite Lied schon „sei nicht sauer, mein Schatz…“? Der Barde selbst stellt fest: „ nicht daß Ihr denkt, daß ich bescheuert bin, gleich am Anfang ein Abschiedslied zu spielen…“, ist rein rhetorisch und hat nix zu bedeuten. Zum Glück!

Dann Stefans „Lieblingsblues“. Oder einer seiner „Lieblingsblu(e)sen“? Ja, wie heißt nun die Mehrzahl von „Blues“? Weder Stefan, noch die Menge weiß Rat. Ich auch nicht. Nur eins ist Gewiss: auch ich mag den „Schieberblues“ sehr.

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Stoppok mischt Neues mit Altem, Bewährtem. Und die Mischung ist stimmig, macht Spaß.
Ich schaue heut mal genauer hin. Unglaublich, was seine Hände an der Gitarre vermögen! Flink huschen sie über die Saiten, spielen gleichzeitig Rhythmus und Melodie. Nur noch begleitet vom kleinen Fußschlagwerk klingt alles voll und satt. Ja, eigentlich merkt man kaum, daß hier nur ein einzelner Musiker zu Gange ist. Dann auch noch vocal das Ganze in Ton und Text zu vollenden…, nun ja, schon fast mehr als meisterhaft. Da empfindet man es fast als erlösend, wenn hin und wieder eine Textzeile im Nirvana verschwindet, oder etwas auf sich warten lässt.
Ja, das ist live! Nicht wie „die 70%“ der heutigen Musikjongleure, welche auch bei Konzerten mit Playbacks spielen. Stefan sprichts an, der Saal jubelt und klatscht.

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„Wollt Ihr ne Pause, oder ziehen wir durch?“ Nicht ganz eindeutig die Meinung im Saal. Nun, dann wird eben weiter gemacht, man ist ja grad so schön drin und verliert ungern den Anschluss.
Mode. Eines der Themen des Abends. Ob nun cool durch Zufall, oder egal, man nimmt Stoppok die netten Anspielungen nicht übel. Ein wenig Selbstironie steht wohl Jedem recht gut. „ja, da gibt es so Leute…, die brezeln sich auf, stylen sich auf Schritt und Tritt…, oder solche Leute, wie Du und Ich. Denen ist es egal, was sie anziehen, wie sie aussehen…“ 😀 Aber Stefan?! Sagt man so was zu seinen Gästen? Ja, hier darf das gesagt werden, alles lacht.

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Und, wenn man sich so „zwischen Twentours und Seniorenpass“ befindet, wie wir, lieber Stefan, dann kann einem auch schon mal leichter etwas kühl werden. Is so, im Alter. Da hilft dann auch kein Jammern und Meckern, sondern nur ne Jacke, wenns zieht. Hilfreich kramt eine Dame neben mir schon nach der Jacke ihres Mannes, als Rettung von „hinter der Bühne“ naht. „Dirk“ erscheint endlich und hilft Stoppok ins wärmende Kleidungsstück.

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Auch anderweitig sucht Stoppok nach helfender Hand. Zu „ la Kompostella“ fehlt ihm ein wenig Glöckchengebimmel. Es werden Schlüsselbunde gezückt um einen annähernden Effekt zu erzielen. Stefan ist begeistert, nur den Ruf nach Gage vom „Klingler“ überhört er geflissentlich. Ganz ehrlich, das hätt ich auch getan ;-).

Und überhaupt, stehen sie heute am Pranger. Die netten Mitbürger, welche nur nach Hab und Gut streben, Doppelmoral zelebrieren und andere denunzieren, wo es nur geht. Ja, alle „wollen ihr Steak zart und innen blutrot, doch die Tiere sollen nicht sterben…“. So manches Mal fühlt man den Finger in der eigenen Wunde. Gut, daß Einer kommt und ihn drückt, wo es brennt.
Dann kurz vor Schluss, kommt doch wieder die Kälte ins Spiel. Jetzt sinds die Finger, die nicht mehr so wollen, wie der Musiker es mag. Kaum begonnen das Spiel zu „Learning by burning“, wird er durch eine Gabe einer jungen Frau aus dem Konzept gebracht.

„Was ist das?“ Fragt sich der Meister angesichts des Dings, welches nun auf dem Bühnenboden liegt. Hatte die junge Dame etwa ihre Silikoneinlage aus der Bluse gezogen um Stefans Händen zu etwas Wärme zu verhelfen? Natürlich nicht! Gott sei Dank nur ein Handwärmekissen!

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Um die Zeit zu überbrücken, welche das Ding benötigt, seine Finger aufzutauen, erzählt Stoppok von früheren Zeiten. Als er noch jung und des Öfteren im Fernsehen zu bestaunen war.Da kamen auch bei Konzerten die Frauen mit Rosen zu ihm und wollten sie ihm übergeben. Ging natürlich nicht, mitten im Spiel. Nur, wie macht man den Frauen das klar, wenn sie glauben, das Playback läuft weiter…

Es ist immer noch fünf vor acht auf der Uhr über der Bühne.
Prima, doch leider kommt es, wie es kommen muss. Verbeugung, Abschiedswort und Abgang.

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Nee,nee, Stefan. Nicht mit uns!
Der Applaus lässt nicht nach und Stoppok muss noch zweimal zurück auf die Bühne.
Diesmal wird sogar ein Wunsch aus dem Publikum erfüllt. „Scheiße am Schuh“, „hab ich schon lang nicht mehr gespielt. Da hab ich Bock drauf“. Sprachs und beginnt es zu spielen.
Überhaupt. An diesem Abend blieb für mich kaum ein persönlicher Wunsch auf dem Set unerfüllt. Gut, „Willi Moll“ und „Mein Freund, der Kühlschrank“ hätte ich auch noch gern gehört. Aber, man kann halt nicht alles haben. Und, nach dem Konzert, ist ja bekanntlich auch vor dem Konzert. Na dann…, vielleicht das nächste Mal.
Und noch etwas hatte ich zuvor bei nem Stoppok-Konzert noch nicht erlebt: Standing Ovations.

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Stefan selbst, schien auch sichtlich gerührt. Ihm fehlte sogar der „flotte Spruch auf den Lippen“ für den Moment.
Und immer noch fünf Minuten vor acht.
Das Konzert ist vorbei, das Licht geht an.

Die Zeit schien ein wenig stehen geblieben zu sein, nur leider trügte der Schein.
Es war dann doch nur die Uhr, welche die korrekte Anzeige verwehrte und uns hoffen ließ, der Abend würde niemals vergehen.
Wir treten den Rückzug in heimische Gefilde an, ein wenig voll des Glücks, dabei gewesen zu ein und ein wenig voll der Hoffnung, nun nicht wieder zwei Jahre auf ein Wiedersehen hoffen zu müssen.
In diesem Sinne: Bis bald!

„Alles klar?“

„Bei uns ist alles klar!“

Bericht: Birgit

Fotos: René

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