Ein bisschen POP-Schutz im Novembergrau

Thüringen im Novemberregen.

Was kann man tun um dieser Tristess zu entrinnen? Das ultimative Rezept: Man setze sich ins Auto, fahre nach Erfurt ins HsD und habe Spaß bei guter Musik und witzigen Sprüchen.

Es ist Mittwoch, 19.11.14 und es ist Abend. Stoppok in Erfurt, lang ersehnt und endlich wahr. Dieses Mal sogar in großer Besetzung. Meine Freude war groß. Und die Vorfreude auch. War es doch das letzte Mal vor zwei Jahren, als sich mir die Möglichkeit bot, diesen sympathischen und überaus witzigen Musiker/Liedermacher live zu erleben.

Ich war gespannt, was sich mir heute bieten würde. Daß es ein neues Album gab, wusste ich. Ich hatte, bis auf ein paar aufgeschnappte Schnipsel bei Facebook, aber ganz bewusst darauf verzichtet, mir das Album im Vorfeld schon einmal anzuhören. Wollte ich mich doch überraschen und die Lieder erst einmal live auf mich wirken lassen.

Das HsD war gut gefüllt. Überaus gut, für einen Mittwoch Abend. Die Reihen waren dicht gefüllt und es waren vom Opa bis zum Enkel alle Altersgruppen vertreten. Die Meisten waren nicht das erste Mal gekommen, wie mir schien und sich im Laufe des Programms, durch viele Zurufe noch bestätigen sollte.
Die Show begann dynamisch beschwingt mit Neuem. „Ich sach ma so“ und „alles klar“… Feststellungen und Fragen, die dem Publikum um die Ohren flogen und zur Konversationn von Bühne zu Publikum und zurück anregten.

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Positiv ging´s weiter. „Es hätte nicht besser komm könn“. Stefans Texte erschienen mir, als hätte der „Dichter“ seinen Frieden gemacht. Mit den Mitmenschen, der Gesellschaft und eben auch mit sich selbst. Noch einmal gereift und mit etwas entspannterem Blick auf die Dinge des Lebens, was nicht gleichbedeutend mit Kritiklosigkeit und seichtem Dahingeplänkel sei. Musikalisch, wie immer sehr ausgereift und facettenreich, von Blues bis Rock, ein Ohrenschmaus.

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Spaß machte es, den Musikern zuzuschauen. Man merkte das jahrelang eingespielte Team. Ein Nicken, ein kleines Zeichen und Jeder wusste, worum es geht.

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Auch wenn Stefan damit kokettierte, daß er nur das mit der Band zusammen spielen könne, was sie auch können, glaube ich, es wäre garantiert viel Raum für Improvisation geblieben, so daß sicher der eine oder andere Publikumswunsch nicht hätte unerfüllt bleiben müssen.

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Nun, man weiß ja, daß es dem Musiker immer wieder Spaß bereitet, Titelwünsche gekonnt zu überhören oder mit einem Wortwitz zu umschiffen. Ein paar mehr „alte Bekannte“ hätte auch ich schön gefunden, aber hier ging es ja darum, das Neue den Menschen näher zu bringen und das brachte ebenso Freude und Spaß.

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Einige Perlen der Vergangenheit, sollten wir trotzdem zu Gehör bekommen.So beispielsweise Stoppoks Lieblings-Abschiedslied. „Na, wer errät denn welches das ist?“ Die Frage stand nur kurz im Raum. „Sei nicht sauer…“ , es war mir von vorn herein klar. Auch ich finde dieses Lied einfach genial.

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Auch „Willi“ war wieder mit von der Partie, so daß auch ich etwas zum Mitsingen hatte.

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Ja, „wer die neue CD noch nicht hat, hat die Arschkarte gezogen…“. Kann sein Stefan, vielleicht hast Du recht.

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Zugegeben, ich tat mich anfangs ein klein wenig schwer mit den neuen Liedern. Teils da mir die Texte noch nicht geläufig waren, teils aber auch, weil mir ein wenig die kleinen Alltagsgeschichten fehlten. Die kleinen musikalischen Anekdoten mit Witz und einem Augenzwinkern. Erst als ich dann später bei der Rückfahrt nach Berlin das Album zusammenhängend hörte, erschloss es sich mir ganz und ich war und bin schlichtweg begeistert.

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Der Konzertabend an sich, war wie zu erwarten, wenn man bei Stoppok ist, viel zu kurz, sehr amüsant, aber nicht platt.

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Jenseits des Mainstreams und plakativem Pop, einfach der Lichtstrahl eines trüben Novemberabends.

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Das Erfurter Publikum war super, von der ersten bis zur letzten Minute voll dabei. Das Lob und die Worte, welche Stefan eigentlich nicht sagen wollte, waren vollends verdient und wert ausgesprochen zu werden: „das beste, tollste Publikum“ – besonders an einem Mittwoch Abend, welcher es verdient hätte, ein Samstag zu sein.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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