Repkes 51. Geburtstagsparty – privat bei Manni in Alt Ruppin

Wirft man einen Blick in den Saal des Kornspeichers Neumühle in Alt Ruppin am Abend des 27. September 2014, so hat man den Eindruck, hier treffen sich gute alte Bekannte und Freunde. Eine große Familienfeier? Nein, Anlass für Maxs Repkes verspätete Geburtstagsfeier ist der Tour-Abschluss des Schiller-Programms des CdtD.

Auch Manni, der liebenswerte Gastgeber des Abends, lässt in seinen einführenden Worten die Vertrautheit spüren, die die erneute Präsenz der Musiker an diesem besonderen Ort für ihn hat. Man geht nicht nur hin, weil man weiß, dass ein amüsantes, kurzweiliges musikalisches Programm einer herausragenden Band auf die Zuschauer wartet, man kommt auch und vielleicht vor allem, weil man die Menschen inzwischen ganz besonders schätzt und mit Spannung verfolgt, wie sie sich von Programm zu Programm entwickeln.

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Nach minutenlangem Applaus erscheinen die geschätzten Musiker um Maxs Repke, zum letzten Mal heute mit Dirk Darmstaedter als Leadsänger.

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Hier hatte alles begonnen, als der Club im Frühjahr 2013 mit einem Probenlager in den antiken Kulisssen des Kornspeichers dem Programm „Freude schöner Götterfunken“ zum Leben verhalf und dabei von Manni mit Kartoffelgerichten aller erdenklichen Art verwöhnt wurde. Hier nun sollte am heutigen Abend die Ära Schiller beim CdtD zu Ende gehen.

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Mir wird bewusst, dass dies die letzte Gelegenheit ist, einige Lieder des Programms zu genießen, die es nicht auf die CD geschafft haben. Schon jetzt hoffe ich inständig, dass sich Maxs irgendwann einmal zu einem Best of entschließen möge und dann Lieder wie „Du bist blass, Luise“, „Ehret die Frauen“ oder „Punschlied“ sowie viele andere Kleinode aus den vorangegangenen Programmen nach Texten von Heine, Busch und Rilke vielleicht doch noch auf einem Tonträger Platz finden.

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Versöhnlich stimmt mich vor allem die Aussicht, dass es recht bald sehr spannend weitergeht mit Vertonungen von Charles Bukowskis Gedichten.

Nun aber nochmals der Nick Cave unter den deutschen Dichtern. Reichlich faule Äpfel säumen den Bühnenrand und entfalten neben ihrem inspirierenden Duft wohl auch eine besondere Atmosphäre der Begeisterung bei den Gästen der Privatparty.

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Diesen Eindruck jedenfalls habe ich bereits nach den ersten Liedern, denn die anwesenden CdtD-Fans verleihen derselben mit überschwänglichen Beifallsbekundungen Ausdruck. Ich schließe die Augen und höre „Das heutige Spiel gewinne euer Ohr und euer Herz den ungewohnten Tönen…“, bejahe innerlich die Idee aus dem „Liebesbündnis schöner Seelen“ und schwelge im vollen Gitarrensound bei „Hoffnung“. Dirk Darmstaedter erinnert noch einmal an den Videodreh zu den „Antiken zu Paris“ hier in Alt Ruppin. Jetzt nimmt das Bild, das er mit seinen Schilderungen malte, Gestalt für mich an.

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Das „Punschlied“ bietet erneuten Anlass, über die faulen Äpfel zu sprechen, die ja für Schiller von unschätzbarem Wert beim Schreiben gewesen sein sollen. So erfahren wir also schließlich, dass es sich bei dem Prachtexemplar, das Maxs bei allen Konzerten mit Bedacht dem Publikum demonstriert hatte, weil er ja – so glaubten wir – nie sicher sein konnte, wie lange der Stiel noch halten und wann das wohlbehütete Stück schließlich komplett zerfallen würde, dass es sich also bei eben diesem Apfel um ein von Maxs‘ Schwester Ingeborg speziell angefertigtes Requisit handelt, dem auch ein beherzter Wurf auf den Bühnenboden offensichtlich nichts anhaben kann.

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(Ein wenig später am Abend soll die Inhaberin des Buchlokals Pankow Friederike Zöllner den Apfel für 200 € ersteigern. Bravo! Der Erlös kommt dem Kornspeicher Neumühle e.V. zugute.)

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Nach einer Handvoll Konzerten dieses Programms, die ich in den letzten zwei Jahren erlebt habe, kann ich mit Fug und Recht sagen, dass sich bewahrheitet hat, was Andreas Hähle in seiner Rezension des Eröffnungskonzerts vom 3. Mai 2013 vorausgesagt hatte. Ich habe sie bei jedem der Konzerte gehört, die skurrilen Geschichten und Geschichtchen von Maxs, dem zurückgezogen lebenden musikalischen Genius, der Gesangs-, Gitarren- und Kompositionstalent in einer Person vereint und trotz aller Größe noch immer auf den Las-Vegas-Applaus durch sein Publikum angewiesen ist, um die – wie er meint – schwierigsten Parts des Progamms zu bewältigen. Einmal mehr erfreue ich mich an so manchem Schlagabtausch zwischen Clubchef und vermeintlichem Leadsänger.

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Ich amüsiere mich über das Mini-Öko-Atomkraftwerk, dass der Hamburger Sänger immer mit sich führt und das ihm Ersatzstrom für ca. 11 Jahre garantiert.

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Darmstaedters nordisch-amerikanische Natur sorgt dafür, dass er trotz aller Verbalattacken nie die Contenance verliert. Schließlich hilft er Repke sogar großzügig mit einer Ersatzleselampe aus. Einer aus dem Westen, wie Repke sogleich bissig bemerkt, mit „viel schönerem Schein…“. Ja, die Dramaturgie will auch an diesem Abend wieder, dass mit Ausnahme des Schlagzeugers Tim Lorenz

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alle CdtD-Mitglieder sich mit ihrem Gesang in das Programm einbringen. Wir hören den „Pilgrim“, sehr zur Freude des Publikums dargeboten von Bassist Markus Runzheimer,

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und „Ehret die Frauen“ von Keyboarder Andreas „Spatz“ Sperling,

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was Darmstaedter schließlich neidvoll beteuern lässt, dass auch er dieses Leid sehr schön hätte zum Besten geben können, wenn er denn die Chance dazu bekommen hätte.

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Ob Emma, Laura, Luise oder das „Mädchen aus der Fremde“, an bezaubernden Huldigungen für die Weiblichkeit fehlt es auch an diesem Abend natürlich nicht, aber der „Jüngling am Bache“ wird auf Ewigkeit mein Liebling aus der Schiller-Zeit des Clubs bleiben. Die kraftvolle, beschwingte Musikalität dieses Stücks berührt mich im Innersten und der tosende Applaus zeigt, dass ich mit dieser Empfindung nicht ganz allein bin.

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Obduktionsbericht wie auch die Erinnerung an die Zeit der Geschichtsprofessur an der Jenaer Uni, die inzwischen den Namen des genialen Dichters trägt, bringen auch an diesem Abend keine Punkte beim Wortgefecht der Protagonisten. Es folgt „Freude schöner Götterfunken“, aber meine Begeisterung für die Repkesche Version hält sich nach wie vor in Grenzen. Und das, um jeglichem Missverständnis vorzubeugen, nicht etwa, weil ich wie der legendäre Erfurter Journalist der Meinung bin, dass es vermessen sei, diesen Text neu zu vertonen. Ich finde die Neuvertonung einfach nicht sonderlich überzeugend. Die Fans dieses Liedes mögen mir verzeihen…

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Ob es an der gelungenen Vertonung des Räuberlieds liegt oder vielleicht daran, dass in jedem von uns ein gewisses Maß an Boshaftigkeit lebt, das nur auf den Moment seiner Entfaltung wartet? Die vier Verben „stehlen, morden, huren, balgen“ jedenfalls begeistern das Publikum und sorgen für einen durchaus beachtlichen Chor in der obersten Etage des inzwischen ordentlich erhitzten Kornspeichers, der schließlich – von Darmstaedter animiert – in fröhlichen Reggae-Rhythmen endet.

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Es folgt die obligatorische Vorstellungsrunde, die Maxs in gewohnter Manier mit liebevollen Details schmückt. Für mich hat dies sehr viel mit seiner ganz persönlichen Wertschätzung für die tolle Arbeit aller ihn umgebenden Akteure zu tun. Sehr wohltuend und auch ein Grund dafür, dass ich immer wieder gern beim CdtD lande.

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„Harmonien hör‘ ich klingen, Töne süßer Himmelsruh und die leichten Winde bringen mir der Düfte Balsam zu.“

Sehnsucht schon jetzt nach neuen Begegnungen mit dem CdtD…

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Es gibt Geschenke für Dirk und Maxs. Manni würdigt das unermüdliche Werben des Hamburger Sängers in den vergangenen zwei Jahren für Alt- und Neuruppin mit einem Gruß des Bürgermeisters und einem Bildband.

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Maxs bekommt Bier und die Ermutigung, sich dann und wann vielleicht auch mal ein wenig dem Alkohol hinzugeben, damit die Bukowski-Vertonungen besser von der Hand gehen mögen.

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Der Abend klingt aus bei Gulaschsuppe, leckerem Brot und anderen Köstlichkeiten mit Wein oder Bier, je nach Geschmack, und mit Gesprächen bis in die tiefe Nacht am Feuer, das von Katharina Franck und den anderen aufmerksamen Gastgebern immer wieder mit Holz bestückt wird. Auf dass wir die Wärme dieser wunderbaren Begegnung noch lange in uns spüren….

Bericht: Petra Sawadogo

Fotos: René

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