Und wieder war es „SO“…

Zwei Gastmusiker zum Tourabschluss des letzten Jahres (Felix Meyer und Erik Manouz) gesehen, für gut befunden und sich interessiert: „Wird man Euch im nächsten Jahr einmal wiedersehen können?“ „Sicher doch, wir werden unterwegs sein. Schau mal auf unserer Seite vorbei…“

… Dann das erste Mal das Album „Zusammen“ (Keimzeit und das Babelsberger Filmorchester) durchgehört und am letzten Titel „hängen geblieben“. Von Felix Meyer interpretiert : „SO“. Mit welch emotionaler Tiefe! Der Titel, mit dem meine Leidenschaft zu Keimzeit einstmals begann. Mal ganz abgesehen von seiner einmalig, außergewöhnlichen Stimme an sich, setzt Felix Diese auch noch mit einem Ausdruck ein, welcher mir den Text bildhaft erscheinen lässt. Er lässt Schwermut und Erkenntnis, Akzeptanz und Annahme fast körperlich fühlbar werden. Ich glaube beim Hören des Liedes, gerade genau SO zu impfinden. Der Schmerz, der Verlust, aber auch das Begreifen der Situation und das Hinnehmen des Unabänderbaren wird spürbar und somit verständlich.
Schon wenn Keimzeit dieses Lied zu gehör bringt, werde ich sentimental und optimistisch zugleich. Die Interpretation von Felix, Sorry Norbert, geht jedoch noch ungleich tiefer in mein Herz. Zuvor hätte ich nie geglaubt, daß eine Steigerungsform dessen noch möglich ist.
Mein musikalisches Herz ward geöffnet, und…
ich wollte MEHR !

Es traf sich hervorragend, daß René und mir ein mehrtägiger Kurzurlaub vergönnt ward und der Beginn der Felix Meyer & Band Tour „Menschen des 21. Jahrhunderts“ gerade in diese Zeit fallen sollte. Wir beschlossen also zwei der drei ersten Termine wahrzunehmen.

Tourauftakt in Zwickau und natürlich Erfurt waren unsere Ziele.

Beides sehr schöne, bewegende Konzerte. Jedes für sich ein Unikat. Beide Male sah ich nur strahlende Menschen, auf, wie auch vor der Bühne. Was für ein berauschendes Gefühl muss es wohl sein, Menschen mit seinen eigenen, nach außen getragenen Ideen und Empfindungen, für eine kleine Weile so glücklich und frei werden zu lassen und dabei selbst ebenso glücklich und frei zu sein. Wohl die schönste „Berufung“ der Welt.

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Felix Meyer, von der Straßenmusik kommend und in ihr bis heute verwurzelt, führt uns mit seiner Musik sinnbildlich auf die Plätze und Trottoirs der Metropolen Europas. Musikalisch versetzen er und seine Band uns nach Barcelona, Pisa, Paris, aber auch auf die Straßen und Plätze deutscher Stadte und Ortschaften.

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Seine Lyrik ist von genauer Beobachtung und sinnhafter Metapher geprägt und läd zum genauen Hinhören und Nachdenken ein. Er zaubert Bilder in meinen Kopf, wie Postkartenbilder oder Fotos aus einem Reisebericht. Es sind nicht die plakativen Eindrücke von Pauschalreiseprospekten, sondern das teilweise rauhe Leben auf der Straße, welches er bildhaft in seiner Lyrik zum Ausdruck bringt.

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Ja, Felix Meyer malt Bilder mit Worten. Oder besser, setzt seinen fotografischen Blick in Textzeilen um. Dabei ist er nicht unkritisch indem, was er schreibt und singt. Ohne jedoch zu richten, zeigt er die menschlichen und gesellschaftlichen Schwächen auf. Er schreibt natürlich auch über die Liebe („die alte Sau“, wie er selbst sagt), aber auch das nicht mit dieser Herz-Schmerz-Romantik, die Chansoniers sonst häufig zu eigen ist.

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Ja, ich mag Felix Meyer eher als Chansonier bezeichnen, denn als Singer-Songwriter. Die Art seines Vortrags, wie auch seine Musikalität erinnern eher an die großen französischen Chansoniers, als an das, was sich heut meist hinter Singer-Songwriting verbirgt. Wer hier nun aber glaubt, es mit verstaubter und überholter Musikalität zu tun zu haben irrt gewaltig.

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Ich fühlte mich bei all seinen Liedern sofort an die Stätten versetzt, an denen sie vermutlich entstanden waren. Felix Meyer schafft es tatsächlich, die Straße in die Konzertsäle zu bringen. Und das kann nur einer, der sie selbst immer wieder erlebt.

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Eigenartiger Weise fühlte ich mich bei beiden Konzerten immer wieder an meine ersten Konzerte von Keimzeit erinnert. Das gleiche Gefühl der sofortigen Geborgenheit, der emotionalen Nähe zu Musik und Künstlern und Bewunderung. Hochachtung dafür, daß es diese Künstler schaffen, das Gefühl des Besonderen mit der Vertrautheit eines Freundeskreises zu vereinen.

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Selbst die große Bandbreite der musikalischen Einflüsse scheint beiden Bands eigen zu sein. Da gibt es Elemente des Jazz, neben Samba, Flamenco oder Swing, eine Mischung, die in keinerlei Schublade zu passen scheint. Thematisch lassen sich ebenfalls Parallelen erkennen und selbst lyrisch sind m.E. nach leichte Ähnlichkeiten zu verzeichnen, ohne jedoch das Gefühl aufkommen zu lassen, daß hier plagiatiert wurde.

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Ich glaube, das Erfolgsgeheimnis dieser Art von Musik ist die Authentizität, mit der sie den Menschen geboten wird. Hier zählt nicht Perfektion in Stil und Ausführung sondern wahre Leidenschaft. Selbst Franz Plaza als Produzent scheint dies erkannt zu haben, wie er es im Interview in der Dokumentation, die den Konzerten voraus ging andeutete.

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Wie dem auch sei, ich möchte hier heute keine detaillierte Beschreibung des Verlaufes der Konzerte bieten, da die Tour noch sehr frisch ist und ich niemandem die Überraschung des eigenen Erlebens nehmen möchte. Eines kann ich Euch da draußen aber auf jeden Fall versichern. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Konzerte zu besuchen. Spaß und musikalischer Genuss ist garantiert und vielleicht erlebt Ihr ähnliches wie ich und eine neue musikalische Liebe ist geboren.

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Sollte ich zufällig auf dem Weg zur Arbeit einmal auf der Straße auf Felix Meyer beim Musizieren treffen, wäre für mich der Arbeitstag vermutlich „gelaufen“. Man müsste mich schon mit Gewalt vom Platz tragen, um mich vom Zusehen und -hören abzubringen.

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Und eines weiß ich zumindest schon jetzt ganz genau: es werden nicht meine letzten Konzertbegegnungen mit diesem Künstler und seiner, ebenso fantastischen Band sein. Und auch als Berichterstatterin werde ich es mir dann nicht nehmen lassen Euch, liebe Freunde, Leser und Interessierte, daran teilhaben zu lassen.

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Im Übrigen berichteten wir (bzw. Dominik) auf dieser Seite schon vor ein paar Jahren über diesen „Geheimtipp“ und seine erste CD, welcher inzwischen eigentlich schon gar kein Geheimtipp mehr ist.
Vielleicht findet der Eine oder Andere beim Stöbern diesen Bericht.

Liebe Grüße
Eure Birgit B.

Fotos: René

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