Etwas Frühling im Februar

Der Winterblues hat uns noch voll im Griff, auch wenn die Temperaturen sich um die Nullgrenze bewegen. Tristes Grau in Grau am Himmel, dicke Jacken und beginnende Frühjahrsmüdigkeit.
Da kommt es einem sehr gelegen, etwas Abwechslung zu suchen, die Ohren frei zu blasen und dem Blues eine andere Bedeutung zu geben.

Schon im Dezember kündigte es sich an. Es wird, nach mehreren Jahren des Pausierens, wieder eine Konzerttour der „East Blues Experience“, unter Sänger und Gitarrist Peter Schmidt, geben. Am 06.02.2015 war es dann soweit. Im Potsdamer Club Charlotte fand der Auftakt der mehrwöchigen Tour quer durch Deutschland statt und wir waren dabei.

Schon Wochen zuvor freute ich mich darauf. Waren uns die vier aktuellen Mitglieder der Band doch seit langem bekannt und ihre Klasse überaus geschätzt. Peter Schmidt, befreundet mit den Musikern unserer Band Keimzeit und langjährigen Anhängern der Band durch Gastauftritte ein Begriff, Jäckie Reznicek und Ronny Dehn als Musiker bei Silly bekannt und der junge Adrian Dehn, unschwer als Sohn des Drummers Ronny Dehn zu erkennen.

Schon am 26.02.2011 (wir berichteten) hatten wir Gelegenheit die Band und ihre Musik zu genießen. Damals noch in veränderter Besetzung mit Rainer Engelmann am Bass. Der junge Adrian Dehn war als Gast an jenem Abend auch schon dabei, im Alter von zarten 14 Jahren. Schon damals ließ er jene Begeisterung für diese ursprüngliche Musik verlauten, welche ihm bis heute geblieben ist und ihn zu einem äußerst vielversprechenden jungen Musiker machen sollte.

Aber nun zurück zum Jetzt und dem Konzertabend in Potsdam.

Als Einheizer durfte hier Adrian schonmal mit seiner Band „The White Dukes“ fungieren und dem Publikum zeigen, was unsere Jugend so drauf hat.

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Rockige Klänge, starke Gitarrenriffs und souveräner Gesangsvortrag überzeugten das Publikum und begeisterten nicht zuletzt auch mich.

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Als das Vorprogramm nach ca. einer halben Stunde schon dem Ende zu ging, hätte ich ohne Frage noch mehr davon haben wollen. Das Publikum schien ähnlich zu denken, wurden doch großer Applaus und Zugaberufe laut.

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Nun aber betraten schon Peter Schmidt und Kollegen, darunter natürlich auch wieder Adrian, welcher an diesem Abend Doppeldienst tat, die Bühne, vor der es inzwischen krachevoll geworden war.

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Sogleich begann ihr leidenschaftliches Spiel. Neben eigenen Kompositionen der Alben aus vergangenen Tagen und Cover alter Blueslegenden gab es auch Neues zu hören. Und ja, diesmal sang Peter auf deutsch. Wundervolle Texte, welche sich unglaublich harmonisch dem Blues anschmiegen, ohne ihn zu verfälschen. Würde man nicht plötzlich den Sinn der Worte verstehen, ohne übersetzen zu müssen, fiele es kaum auf. Blues in Reinkultur, nur eben mit deutschem Text.

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Mein Favorit, wie sicher auch der vieler Anderer, auf der neuen EP, „Der Tag“. In diesem Text liegt soviel politische Weitsicht, welche durch die Bluesrhythmen noch unterstrichen wird. Die Auflösung in den letzten Textzeilen ließ mich fast ein wenig erschrecken. Unerwartet, aber eigentlich „sonnenklar“, unterstrichen noch durch das alles durchdringende Gitarrensolo und nicht zuletzt der Aktualität des politischen Themas geschuldet. Gern würde ich noch all die anderen, nicht gesungenen Strophen kennen lernen. Wäre vielleicht einen Gedanken wert, diese im Laufe der Tour nach und nach ebenfalls vorzustellen. 😉

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Inzwischen war es warm geworden im Club Charlotte und eng. Zu gern hätte ich mich noch ein wenig mehr bewegt, … bei Bluesmusik kann ich einfach nicht still stehen, aber die Enge ließ nicht allzu viel zu. Man wollte ja auch nicht ständig seine Nachbarn rempeln, aber ganz konnte ich doch nicht an mich halten. Hin und wieder schloss ich die Augen, um mich voll und ganz der Musik hinzugeben.

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Dann wieder nutzte ich die Gelegenheit und beobachtete das Spiel der Musiker ganz genau. Nicht ohne eine gewisse Bewunderung. Peter Schmidt beherrscht seine „Arbeitsgeräte“ auf faszinierende Art. Einem Magier gleich, ließ er sein Plektrum irgendwo zwischen den Fingern verschwinden, um die Saiten mit den Fingerspitzen zu zupfen und im nächsten Moment hielt er es wieder sicher zwischen Daumen und Zeigefinger. Dabei flog die andere Hand in rasender Geschwindigkeit über den Steg und zauberte die irrsten Klangkombinationen. Nicht nur ein Ohren- sondern auch Augenschmaus!

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Irgendwann an diesem Abend hatte ich eine Vision. Ich sah vor dem inneren Auge das triste Grau des Februar weichen, Blüten und zartes Grün an den Bäumen sprießen und die vorbeilaufenden Menschen in strahlendes Lachen verfallen. Ja, Blues ist nicht nur Schwermut und Melancholie, Blues kann auch Hoffnung und Frohsinn sein. Leichtigkeit und ein tiefes Empfinden von Glück. Blues ist wie das Leben an sich und nicht zuletzt darum liebe ich ihn so.

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Ein wundervoller,emotionsgeladener Konzertabend ging nun wieder zu Ende und weckte in mir die Sehnsucht nach mehr. Ich denke, wir werden uns wiedersehen. Schon bald, wie ich hoffe, Termine gibt es ja noch genug.

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Für Alle, die neugierig geworden sind, hier geht’s zu den Terminen der Tour:

http://www.eastbluesexperience.de/tour

Bericht: Birgit

Fotos: René

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